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Generation Golf, Generation Praktikum, Generation C64 – seit Douglas Couplands “Generation X” (das war 1991) gab es zahlreiche Versuche, das Lebensgefühl einer Altersgruppe mit einem Schlagwort zu beschreiben. Der aktuelle “Spiegel” (Nr. 31, Seite 120-123) fügt der langen Reihe der Generationen eine weitere hinzu: die Null-Blog-Generation. Es sind die Jugendlichen im Jahr 2010. Sie sind online, aber sie nutzen die Möglichkeiten des Internets nur selten aus. Und vor allem: Ihr eigentliches Interesse gilt dem Offline-Leben.

Ein Missverständnis

Was auf den ersten Blick nach einer erstaunlichen Erkenntnis klingt – denn wer heute noch nicht erwachsen ist, für den war das Internet schon immer da -, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Missverständnis. War doch das Netz immer schon vor allem das, als was es Jugendliche heute benutzen: ein Kommunikationskanal. Aber der Reihe nach.

Zunächst: Einen Teil der These des Artikels kann ich aus meiner subjektiven und nicht repräsentativen Erfahrung bestätigen. Junge Menschen haben im Schnitt weniger Ahnung vom Netz, als man ihnen gemeinhin zutraut. Unter den Kollegen, denen ich hin und wieder (z.B. hier) etwas übers Netz erzählen darf, ist nur selten jemand, der schon mal gebloggt hat (und wenn, dann meist nur während eines Auslandsaufenthalts, als Ersatz für Rundmails gewissermaßen). Auch Social Bookmarking, RSS und Twitter ist den meisten fremd.

Aber: Fast alle Kollegen in den frühen 20ern sind bei Facebook (kaum noch jemand übrigens bei StudiVZ). Sie alle organisieren ihr soziales Leben mithilfe sozialer Netzwerke. Und genau hier beginnt das Missverständnis von “Spiegel”-Autor Manfred Dworschak. Er lässt einen Gesamtschullehrer sagen: “Für sie (die Jugendlichen) ist das (Internet), wie ein Auto, es soll fahren.” Und genau das ist der Punkt, vermutlich der zentrale Punkt, um die Generation der Digital Natives zu verstehen.

Das Internet hören

Wer mit dem C64 aufgewachsen ist, der konnte die Datenströme von der Datasette hören, der hat irgendwann an einem alten Rechner herumgeschraubt, um eine größere Festplatte oder mehr Arbeitsspeicher einzubauen, der hat das Internet aus seinem 56K-Modem (und das war dann schon schnell) rauschen gehört. Online gehen war ein Weg, der in vielen Fällen schon das Ziel war.

Die Kinder aus der Wendezeit und danach sind in eine andere Welt geboren. Die DDR war Geschichte, Internet und Mobilfunk schon immer da. Zu Hause gab es immer mindestens einen Rechner und der war immer online, wenn er eingeschaltet war (die Generation iPad spart sich heute auch noch das Booten). Deshalb ist Facebook für Schüler und Studenten heute das, was Telefon und Anrufbeantworter in den 1980ern (in Westdeutschland) waren: die Medien, mit denen man sein Sozialleben organisiert, z.B. den Weg zur Schule oder das gemeinsame Bier am Abend in der Kneipe.

Das Netz und das reale Leben

Wenn Manfred Dworschak staunt, dass es für die Jugendlichen von heute wichtiger ist, sich mit Freunden zu treffen, als sich in virtuellen Welten (an dieser Stelle fällt irgendwann der Name Second Life, dieser dereinst von Medien hochgeschrieben virtuellen Welt), dann liegt auch hier ein großes Missverständnis vor: Schon immer haben sich Menschen, die im Netz unterwegs waren, auch im richtigen Leben getroffen. Die Mitglieder von Mailinglisten haben Stammtische (in echten Kneipen) organisiert, Hacker treffen sich auf Konfrenzen und Twitterer zu Twittagessen in München, Berlin oder Hamburg.

Die Konstante des Internets seit E-Mail und Usenet heißt: Kommunikation. Die jeweilige Anwendung mag sich ändern, doch das Internet in schon immer ein soziales Netz gewesen. Für viele stellt es seit jeher eine Bereicherung des eigenen sozialen Lebens dar. Für mich übrigens auch. Und daran ist nichts virtuell.

Nachrichtenagenturen stecken in der Klemme. Ihr Geschäftsmodell ist fast zwei Jahrhunderte alt – der französische Publizist Charles-Louis Havas gründete die erste Agentur bereits 1835 – und das Internet, natürlich wieder dieses Internet gräbt ihnen nun das Wasser ab. Reuters, dpa, ddp und all die anderen sind eingekeilt zwischen ihren Kunden auf der einen Seite – vor allem Zeitungen finanzieren ihre Arbeit – und dem Netz – diesem unendlichen Informationsspeicher, den nicht mehr nur Journalisten durchpflügen und sortieren – auf der anderen.

Einen Teil des Dilemmas brachte ddp-Chefredakteur Joachim Widmann (mein geschätzter Ex-Chef) während einer Diskussionsrunde am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München auf seine Weise den Punkt: Agenturen müssten überlegen, ob sie mindestens einen Teil ihres Dienstes, vor allem Analysen und Feature, erst mit einer Zeitverzögerung an Onlinemedien senden sollten. Erst dann, wenn Zeitungen sie gedruckt haben. Aus Sicht der Agentur ist diese Überlegung verständlich. Zeitungen sind nach wie vor die wichtigeren Kunden, sie zahlen deutlich höhere Preise für die Agenturdienste als Onlinemedien. Eine Analyse aber, die schon am Tag zuvor auf Nachrichtenportalen zu lesen war, ist für die Zeitung wertlos. Schließlich gibt niemand Geld für Papier aus, auf dem (fast) nur steht, was er bereits aus dem Netz gefischt hat. Das ist die eine Seite des Problems.

Die andere Seite heißt Google News (neben anderen News-Aggregatoren). Diesen Nachrichten-Sammelmaschinen steht Widmann – wie dem Netz insgesamt – kritisch gegenüber. Aus seiner Sicht folgerichtig: Aggregatoren sortieren das Netz und machen riesige Mengen Informationen, darunter Agenturmaterial, überhaupt erst zugänglich. Die Agenturen bekommen dafür keinen Cent, es sei denn, sie schließen Verträge mit den Aggregatoren, wie es AP in den USA mit Google getan hat (die Lage ist zurzeit allerdings ein wenig diffus). Wenn aber sagen wir mal Google News gegen Entgelt AP-Nachrichten hostet, also nicht nur Anreißer, sondern die Volltexte auf den eigenen Seiten auszuspielt, dann könnte das der letzte Vertrag sein, den die Agentur abschließt. Warum sollten andere (Online-) Medien Agenturdienste abonnieren, wenn Google doch nur die eigenen Seiten ausliefert und nicht mehr auf identische Inhalte anderswo im Netz verweist. Klar, oder? (Und trotzdem hat ddp einen Vertrag mit nachrichten.de, den mein Arbeitgeber TOMORROW FOCUS Portal betreibt.)

Damit sind wir beim Kern des Problems: Das Geschäftsmodell der Agenturen basiert darauf, dass Korrespondenten Informationen sammeln, diese verarbeiten, also Texte schreiben, fotografieren, Videos produzieren, eine Redaktion all das zu Diensten zusammenstelllt und an die Kunden verteilt. In der analogen Medienwelt dereinst war das ein formidables System, schließlich ersparte es der Zeitung in Ulm, einen eigenen Korrespondenten in Hamburg zu haben und umgekehrt. Doch diese Welt ist Vergangenheit. Heute ist die Information aus Hamburg auch für die Redaktion in Ulm nur einen Klick entfernt.

An dieser Stelle kommt Jeff Jarvis ins Spiel. Der US-Blogger, Medienprofessor und Berater wiederholt schon seit Jahren sein Mantra: “Cover what you do best. Link to the rest.” Sieht man sich im (deutschen) Internet um, hört ihm jedoch kaum jemand zu. Lokal- und Regionalzeitungen verlinken für Geschichten aus Berlin nicht etwa auf den “Tagesspiegel” oder die “Berliner Zeitung”. Stattdessen fluten sie die eigenen Seiten mit dpa-Meldungen, wie mein erster Arbeitgeber “Die Glocke” (ich war so um 1990 freier Mitarbeiter). Ist das sinnvoll? Nein. Es führt dazu, dass 80 Prozent der Inhalte im deutschen Internet austauschbare Agenturtexte sind (das sagt nachrichten.de- und mein Chef Jochen Wegner, der mit Widmann auf dem Podium saß). Aber es hat Tradition. Schließlich bedient sich die Mantelredaktion auch bei den Agenturen und bastelt aus ihren Dienste große Teile des ersten Buchs einer typischen deutschen Zeitung.

Das ganze System funktioniert so lange wie Zeitungen noch funktionieren (und die Onlineportale von den meisten lokalen und regionalen Medien eher Feigenblätter als erst gemeinte Versuche mit Onlinejournalismus sind). Das mögen sie bitte auch gerne noch sehr lange, denn Papier ist ja ein sehr schönes Medium. Aber nach allem was man so hört und liest, geht es mit der (Gesamt-) Auflage der deutschen Zeitungen Jahr für Jahr bergab. Und auch der Werbemarkt hat seine besten Zeiten im Printgeschäft wohl hinter sich gelassen.

Nun setzen wir mal voraus, dass die etablierte Medienwelt eher so denkt wie Joachim Widmann, das alte System also bewahren möchten, so lange wie es Gewinne abwirft (und das tut es ja in den meisten Verlagen noch). Vermutlich passiert dann auch in den kommenden zehn Jahren das, was schon in den vergangenen 15 Jahren passiert ist: nichts. Ok, wenig. Statt über neue Geschäftsfelder nachzudenken, bleibt der traditionsbewusste Medienmensch bei den Dingen, die er kennt. Bis es nicht mehr geht. Und ganz bestimmt wird es bei einigen Verlagen irgendwann nicht mehr gehen.

So lange Zeitungen (und andere) ihr angestammtes Geschäft verfolgen, können aber Entdecker Neues ausprobieren, Leute wie Hardy Prothmann mit seinem Heddesheimblog (Hardy saß mit Widmann und Wegner auf dem Podium im ifp). Der Journalist bastelt seit rund einem Jahr an einem kleinen Blognetzwerk für seinen Heimatort Heddesheim und die umliegenden Gemeinden. Platz dafür lässt ihm der “Mannheimer Morgen”, ist Prothmann überzeugt. Schließlich betreibe der überwiegend “Bratwurstjournalismus”, gefällige Lokalberichterstattung, die das Objekt der Berichterstattung ernster nehme als den Leser (und den Leser somit an der Nase herumführe).

Nun könnte es ja sein, dass das Heddesheimblog ein Erfolg wird und Hardy ein Leben finanziert. Und dann könnte es ja sein, dass es weitere ähnliche Projekte gibt, also noch mehr Blogs über Orte wie Heddesheim (die Gemeinde hat 10.000 Einwohner) und Publikationen wie die Ruhrbarone. In einer idealen Welt könnten all diese Nischenmedien sich zusammenschließen, ein gemeinsames Netzwerk bilden und so auf eine nennenswerte Reichweite kommen, um auch jenseits der lokalen Anzeigenakquise am Werbekuchen zu knabbern.

Was die Medien dieser neuen Welt sicher nicht brauchen, sind Agenturen. Prothmann sagt ganz klar, er fliege deutlich unter dem Radar von Agenturdiensten, er berichtet detaillierter und kleinteiliger als das selbst die dpa mit ihrem engen Korrespondentennetz je leisten könnte. Was die neuen hyperlokalen Medien allerdings gebrauchen könnten, wäre ein Aggregator, eine intelligente Maschine, die aus den einzelnen Nachrichtenströmen ein auf die Bedürfnisse einzelner Nutzer oder regional sortiertes Netz spinnt. Dann würde das Heddesheimblog auf das Berlinblog verlinken und eben kein ddp-Feature kopieren.

Natürlich könnte es auch ganz anders laufen. Schließlich hätten Zeitungen mit ihren Portalen heute schon die Möglichkeit, sich zu vernetzen. Sie müssten sich nur mal auf den Weg machen. So langsam. Doch egal wie die Entwicklung weitergeht: Die Agenturen stecken in der Klemme. Medien brauchen sie zwar noch, aber von Jahr zu Jahr ein bisschen weniger.

Buzz aber mal ehrlich

Ok, ich bin nun wirklich zu haben für Spielereien, ganz besonders wenn sie mir elektronisch gereicht werden. Und noch lieber, wenn ich sie mitsamt Elektrik auch in meine Jackentasche stecken kann. Aber seit gestern Abend frage ich mich: Buzz das sein?

In meiner Brust schlagen zwei Herzen: das des Spielkindes und das des Ostwestfalen. Das Spielkind will immer gleich alle Dinge ausprobieren, die das gut funktionierende Vorschlagwesen der sozialen Medien mir so vor die Füße wirft. Das funktioniert schon sehr lange, viel länger als Twitter und Facebook. Das sind ja am Ende sehr neumodische Phänomene. Das Ostwestfalenherz verbeißt sich und bleibt.

Sozialisiert wurde mein digitales Selbst in Mailinglisten, vor allem dem jonet. Schon damals warfen wir uns Links zu und griffen uns unter die Arme, wenn beim einen der Rechner oder beim anderen das Diktiergerät hakte. Das Medium mag ein anderes geworden sein, die Message bleibt. Teile, also bist Du. Und deshalb danke ich allen, die in den vergangenen zwölf Jahren oder so mit mir geteilt haben. Ihr habt mir eine Menge gegeben – und tut es noch. Ich hoffe, ich kann mich hier und dort revangieren – und Ihr habt auch Spaß beim Spielen.

Der Ostwestfale (nicht nur der in mir) ist ein sehr beständiges Wesen. Frohnaturen aus anderen Teilen des Landes und der Welt halten uns manchmal für etwas spröde und trocken. Das sind wir wohl auch. Doch wenn man uns kriegt, dann hat man uns auch (am Hals). Mein Ostwestfalenherz verbeißt sich deshalb auch im digitalen Teil des Lebens in Dinge und Dienste. Das jonet, Flickr, Delicious, Gmail, Google Reader – Begleiter seit vielen Jahren, denen ich gerne die Treue halte. Twitter hatte es ein bisschen schwer anfangs – und hat doch einen Platz erobert. Das haben auch viele liebe Menschen, denen ich auf dem Weg durchs Netz begegnet bin. Aber buzz jetzt noch mehr sein?

Was mich angeht: Für den Moment fühle ich mich sozial ausgelastet – digital wie real. Zwei Welten übrigens, die mehr gemein haben, als der gelernte Feuilletonist auf den ersten Blick vermuten mag. Pflegte das jonet dereinst – in der Frühzeit der populären Version des Netzes – schon eine rege Stammtischkultur (damals rauchte man zum Bier in der Kneipe noch Zigaretten), so ist heute jedes Twittagessen ein Familientreffen. Wer sich liest – auf Twitter, Facebook und Friendfeed -, der kennt sich. Und der sieht sich auch gern mal in die Augen beim Reden. Erst in den vergangenen Wochen habe ich bei solchen Gelegenheiten Menschen erstmals getroffen, die mein Denken schon lange bereichern. Das ist jedes Mal großartig.

Und doch: Irgendwann ist Buzz! Denn was passiert, wenn jemand dort draußen im Digitalen eine neue Tür für soziale Interaktion aufstößt? Sie strömen. Alle. Alle, die sowieso schon twittern, facebooken, flickrn und friendfeeden. Vor einigen Monaten bevölkerten wir Posterous, seit einigen Wochen Foursquare – und seit gestern Abend Google Buzz. Nichts gegen einen gesunden Spieltrieb. Aber bringt uns das wirklich weiter? Zu früh, das zu sagen. Aber eines ist gewiss: Bei Buzz treffe ich kaum jemanden, mit dem ich nicht nicht twittere, facebooke oder flickre. Wer bisher draußen blieb, tritt vermutlich auch jetzt nicht in die soziale Stube. Das ist schade. Irgendwie. Am Ende aber die Realität, mit der wir leben.

Ich werde Buzz wohl noch eine zweite und vielleicht auch eine dritte Chance geben. So bin ich. Doch für den Moment weiß ich: Buzz nicht sein.

Damals, das ist schon ein bisschen länger her, da bediente man eine Waschmaschine noch per Hand. Also zum Beispiel die Rührflügelmaschine von Jacob Christian Gottlieb Schäffern (1767) oder die erste Trommelwaschmaschine von Hamilton Smirt (1858). Irgendwann kam dann die Elektrizität in die Maschine (1901) und die Dinger begannen sich von selbst zu drehen. Die erste vollautomatische Waschmaschine (1946) war dann irgendwie ein logischer Schritt. Und seither waschen wir unsere Hemden und Hosen mit kleinen Computern. Die Maschinen spulen ihre Programme ab (die in meinem Haushalt nimmt diese noch von Lochstreifen und knackt dabei auf ihre ganze eigene Weise).

Mit der Waschmaschine ist es heute wie mit dem Auto der Jetztzeit: vollgestopft mit Elektronik. Und mit Software. In einschlägigen Foren in diesem Internet wurden deshalb auch schon Einträge wie dieser gesichtet: „Weiss jemand wie man die Software der Waschmaschine überprüfen kann, bzw. wie man sie updaten kann?“ Nein, weiß ich leider nicht. Und ehrlich gesagt, würde ich nicht versuchen. Beim Auto fiele mir das ja auch nicht ein. Ich will, dass es fährt, wenn es soll, und vor allem will ich, dass es bremst, wenn ich will. Funktioniert die Elektrik im Auto mal nicht wie sie sollte, dann gibt es ein Riesengeschrei zu Recht.

Mit Computern, zumindest mit den Mehrheitsrechnern, war das jahrzehntelang anders. Ein großer Softwarehersteller ließ gerne mal die Beta-Version seines Betriebssystems auf die Verbraucher los. Die konnten sich (kaum) nicht wehren, wir hatten ja (kaum etwas) nichts anderes. Irgendwann ist den Damen und Herren zum Glück die Vista aufgegangen und jetzt geht es wohl einigermaßen (ich höre hier und da, dass das Vor-Vorgänger-System aus dem Jahre Anno-Dazumal jetzt nach und nach aufs Altenteil geschoben wird).

Ja, wir haben gelitten. Aber es war trotzdem eine schöne Zeit. Irgendwie. Die Bastelarbeiten haben uns schließlich so manchen Abend davon abgehalten, uns vor dem Fernseher zu langweilen. Deshalb kann ich es ja verstehen, dass sich einige dort draußen jetzt beschweren, dass damit endgültig Schluss sein soll. Schließlich hat unser aller Steveness gerade das iPad vorgestellt, einen Kleincomputer, den meine ganzen Geek- und Nerd-Kumpels in diesem Twitter jetzt ihren Offline-Eltern schenken wollen. Warum? Weil er (sehr wahrscheinlich) funktioniert. Kein Kabelsalat, keine Tastatur, keine Maus – und keine Software, die seine Steveness nicht für gut und würdig befunden hat.

Das ist – im besten wie im schlechtesten Sinne – das Ende des Computers, wie wir ihn kannten. Wir waren es gewohnt, die Betriebssysteme, die nicht wirklich funktionierten, mit allerlei Programmen (heute sagt man Apps) zu füttern, von denen viele auch nicht richtig funktionierten. All das soll vorbei sein. Und wahrscheinlich können wir nicht mal etwas dagegen tun. Das ist umso ärgerlicher, als dass die Masche, mit der seine Steveness uns auf seine Seite gelockt hat, nicht eben fair war.

Er gab uns das iPhone. Vom ersten Moment an war es so viel schicker, als all die Dinge, die sich die Ingenieure in Finnland und anderswo ausgedacht hatten. Dann öffnete er es sogar noch für Entwickler. Seither sind die Apps das, was dereinst Klingeltöne waren. Nur viel, viel praktischer. Hier und da gab es zwar mal Einwürfe, seine Steveness gebärde sich sehr restriktiv an der Ladentheke und lasse nicht alles in den App-Store, was Mensch programmieren kann. Aber alles in allem gab es keine Grund sich zu beschweren. Mehr als das iPhone kann bis heute kein Taschencomputer.

Und jetzt kommt das iPad. Es sieht nicht nur aus wie ein zu groß geratenes iPhone. Es ist auch noch genauso verschlossen. Die ehemaligen Offline-Eltern werden nicht einfach mit Software aus dem Internet spielen können auf ihrem Weihnachtsgeschenk. Alles, was sie nach Meinung seiner Steveness brauchen, finden sie im App-Store. Dem einen oder anderen schmeckt das nicht (zum Beispiel der Free Software Fundation aus politischen und Adobe aus wirtschaftlichen Gründen). Ich kann das verstehen. Aber ist das schlimm?

Der App-Store für das iPad hat den unschätzbaren Vorteil, dass sich die ehemaligen Offline-Eltern der Geeks und Nerds einfach bedienen können. Angst vor Viren und Trojanern? Quatsch! Abstürzende Programme? Kann sein. Macht aber vermutlich nichts. Und wird nicht von Dauer sein. Der iPad ist eine Waschmaschine mit Internetanschluss. Nichts für Schrauber, weil zu komplex und vor allem zu verschlossen. Perfekt für jeden, der einfach nur seine Wäsche waschen im Netz hin und her surfen will (ja, erst wenn alle auf HTML5 umgesattelt haben, ich weiß).

An dieser Stelle – und ich komme damit auch zum Schluss – betritt ein (nicht so furchtbar populäres) Konzept aus der Wirtschaftswissenschaft die Bühne dieses Blogs: die Konsumentenethik. Die Idee ist mir zum ersten Mal 1998 begegnet, als ich das Vergnügen hatte, die Diplomarbeit meines lieben Freundes Kai kritisch zu würdigen. Extrem verkürzt geht es darum, dass Konsumenten ja auch die Wirtschaft in der Hand haben, nämlich durch ihre Kaufentscheidungen. Voraussetzung: Man gibt ihnen ausreichend Informationen an die Hand, um mündig und gern auch ethisch zu entscheiden).

Zum iPad – das ist ja das Schöne an dieser Welt des Überflusses – gibt es mehr als genug Informationen (und Meinungen) da draußen. Es wird eine Schwemme an Testberichten geben. Dann kann jeder selbst entscheiden, ob das Ding gut (und ethisch) ist oder nicht. Wem das geschlossene System seiner Steveness nicht passt, der kann sich ja einfach einen richtigen Computer kaufen. Die wird es ja auch noch nach April 2010 geben, hört man. Das gilt übrigens auch für den B2B-Bereich: Mal die Musikindustrie fragen wie es ist, wenn man verschläft und plötzlich feststellt, an Apple kommt keiner mehr vorbei.

Zum Schluss eine persönliche Erklärung: Ich habe sie alle gehabt. DOS, Windows (in den Darreichungsformen 3.1, 95, 98, NT, 2000, XP, Vista (3 Tage) und 7), Linux (als Suse, Ubuntu und Moblin (drei Tage)), Mac OS (seit Tiger). Ich liebe Mac OS (privat und als Nutzer), ich liebe Linux (privat und politisch), ich lebe mit Windows (beruflich). Ach ja, ich liebe auch mein iPhone (beruflich und irgendwie auch privat).

(Die kleine Geschichte der Waschmaschine habe ich Wikibedia entliehen.)

Update: Martin macht sich drüben auf seinem posterous benachbarte Gedanken zu unserem und ihrem Web.

Das vergangene Jahr hat dieses Internet nicht eben einfacher gemacht. Also für mich nicht. Gestartet bin ich mit zwei Blogs (dieses und jenes, das grad wieder ein bisschen tot ist), einem Twitter-Account und ein bisschen Facebook hier und da (neben den Dingen, die mich schon seit vielen Jahren begleiten, so Sachen wie delicious, Flickr, Last.fm und so).

Irgendwann im Sommer 2009, es wurde vermutlich gerade heiß, lief das digitale Leben um mich herum schneller und schneller (oder ich wurde träger). In immer kürzeren Abständen, so schien es mir, hetzte die digitale Meute von einem neuen Ich-mach-Euch-noch-glücklicher-Ding zum nächsten. In Erinnerung geblieben sind mir: posterous, foursquare und formspring.me. Aber was davon bleibt wirklich hängen? Das meiste – jenseits der genannten drei – habe ich vermutlich jetzt schon vergessen.

Full stop! Ein Blick zurück in die Frühzeit meiner Internetpublizität. Damals, das war 2002, war die Welt irgendwie überschaubarer – und sah handgeschnitzt aus:

Dereinst dachte ich, das ist jetzt mein Ort im Netz – und da kommt alles hin, was ich digital so sein will. Ein wenig später schon, das war wohl 2004, habe ich gemerkt, dass alle ihre Fotos zu Flickr hochladen. Habe ich auch gemacht. Auf die erste, die zweite und die dritte Version meiner Homepage – selbst aus HTML geschöpft – folgte 2006 das erste und 2007 oder so das zweite Blog. Was war ich froh, als WordPress irgendwann Widgets einführte und ich endlich all die Dinge, die ich an anderen Orten im Netz so publizierte wieder an dieser Stelle, irgendwie ja immer noch mein Zuhause, zusammen führen konnte.

Und jetzt? Zwischen meine Blogs (von denen jenes mal wieder reanimiert werden will) und Twitter hat sich posterous geschlichen – und kann doch die Blogs nicht ersetzen. Foursquare ist eine nette Spielerei, vermutlich aber nur ein Übergangsdings, dessen wesentlicher Dienst es ist, uns die Richtung zu deuten, ein Twitter mit Lokalbezug für iPhone-Besitzer, also eine sehr spitze Zielgruppe (sowas ähnliches wird sicher groß, nur noch nicht jetzt). Formspring.me mach ich nicht mehr mit (ok, mich fragt halt keiner was).

Was bleibt? Das Bild wird immer diffuser. Ein paar Leute aus meiner digitalen Umgebung sind immer schon da, wenn ich in eine neue Site springe. Andere kommen nach wie vor nicht mit dem nicht-öffentlichen Teil meines Flickr-Feeds klar (das erste Foto habe ich am 1.1.2005 hochgelanden). Einige von denen fragen hin und wieder, wie ich das denn eigentlich alles mache. Ich denke dann immer: So viel mache ich doch gar nicht. Und sage: Ich habe keine Modelleisenbahn. Frage mich aber zugleich: Muss das? Und passt das (noch)?

Unterm Strich bleibt die Feststellung: Es wird nicht einfacher. Und: Nichts ist ewig. Aber haben wir eine Alternative? Nein. Zumindest diejenigen unter uns nicht, die nicht gelernt haben, mit ihren Händen zu arbeiten.

(Ich würde dann bei Gelegenheit auch mal wieder aufhören, mich um mich selbst zu drehen. Versprochen.)

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