Ferienflieger zweckentfremdet

Ferienflieger sind eine feine Sache. Keine Leute, die bis zum letzten Moment telefonieren oder E-Mails checken, die in Gedanken schon beim übernächsten Termin oder dem Alibi-Geschenk für Herzdame und Kinder sind. Im Ferienflieger sitzen Menschen, die sich auf ihren Ulriab freuen, die „schönste Zeit des Jahres“, einige suchen ein bisschen verwirrt nach ihrem Platz – und als der Pilot die Turbinen anwirft raunt jemand ein angespanntes: „Jetzt gehts los…“

Das geht es. Kurz nach dem Start meldet sich der erste Offizier, begrüßt alle noch einmal an Bord und stimmt seine Gäste auf den Urlaub ein: „Wir fliegen Sie jetzt nach München, da mixen wir sie eimal kräftig durch (*harharhar*, der Säzzer) und bringen sie dann in alle Welt.“ Nur um gleich anzuschießen: „Wenn sie zu den zwölf Passagieren gehören, die mit uns nach Lanzarote fliegen, dann erwarten sie dort bereits 21 Grad. Und es wird noch wärmer.“

Danke, nein nach Lanzarote kann ich grad nicht. Ich muss in München aussteigen.

Doch der erste Offizier will ja noch Kapitän werden und deshalb denkt er auch an mich – morgens gegen kurz nach sechs Uhr: „Wenn sie uns München verlassen, weil sie dort shoppen gehen wollen, dann haben Sie nur fünf Grad.“

Danke, nicht einmal zum Shoppen fliege ich. Ich muss ins Büro. Mit dem Ferienflieger an den Schreibisch.

Über Björn Sievers

Director @ Edelman | PR for telco and internet companies | lecturer from time to time | (lazy) part-time blogger | cyclist (not lazy at all)
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