Die Sache mit den Filtern

Und ich lese schon wieder die These, dass Gatekeeper von gestern sind:

„In der klassischen Medienwelt gilt: erst filtern, dann publizieren. In der neuen Medienwelt ist es umgekehrt.“

Gesagt hat es diesmal Robin Meyer-Lucht im Interview mit der Netzeitung. Nur glauben mag ich es nach wie vor nicht.

Zur Begründung führt Meyer-Lucht ein Beispiel an: die 25 Pressemitteilungen, die die Berliner Polizei täglich verschickt:

Eine Tageszeitung nimmt sich die fünf wichtigsten, die restlichen 20 Meldungen fallen unter den Tisch. Diese sind zwar für weniger Menschen interessant, haben für diejenigen aber eine höhere Relevanz. Das Internet kann und muss alle Informationen aufsaugen und dann an die jeweilig interessierten Nutzergruppen weiterleiten.“

Dazu fällt mir zunächst ein, dass das Internet ja ein Haufen Rechner und Leitungen ist, die von sich aus weder etwas aufsaugen, noch etwas weiterleiten. Aber das nur am Rande.

Worum es eigentlich geht: Die Berliner Polizei stellt ihre Pressemitteilungen tatsächlich ins Netz (und bietet sogar einen Feed an). Damit sind erst einmal alle Texte publiziert. Soweit gebe ich Meyer-Lucht recht. Gefiltert hat allerdings dennoch jemand, und zwar vorab: Die Pressestelle gibt nicht für jeden Einsatz eine Pressemitteilung raus, sie behandelt auch nicht jeden Fall gleich ausführlich. Also: erst gefiltert, dann publiziert.

Und trotzdem macht das Netz natürlich einen Unterschied: Die Mitteilungen der Polizei gehen nicht mehr exklusiv per Fax an Redaktionen. Sie sind stattdessen für jeden in voller länge zu lesen. Jeder Internetnutzer hat somit die Wahl, wie viel er über die Berliner Polizei (und von ihr) lesen möchte.

Doch ich bleibe dabei: Es ist vorher gefiltert worden.

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Über Björn Sievers

Director @ Edelman | PR for telco and internet companies | lecturer from time to time | (lazy) part-time blogger | cyclist (not lazy at all)
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