Lehrbeispiel zum Thema „Löschen im Internet“

Im Mai 2007 war ich dem Springer-Verlag sehr dankbar. Ich bereitete gerade ein kleines Seminar zu Internetdingen vor, in dem ich unter anderem erklären wollte, wie Konversation im Internet so funktioniert. Die Kollegen aus Berlin hatten damals gerade ihre Debatte gestartet und taten mir den Gefallen, ein Posting von Alan Posner zu löschen. Der Kommentarchef der „Welt am Sonntag“ hatte darin „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann attakiert.

Es kam wie es kommen musste: Die kleine deutsche Blogosphäre schnappte zu, auf ein knappes Dutzend Blogeinträge folgten mindestens ein halbes Dutzend Artikel in Mainstream-Medien. Für viele hatte sich Springer böse blamiert. Nachzulesen ist die ganze Geschichte zum Beispiel hier, hier und hier.

Unter den Bloggern, die den Fall zumeist genüsslich auseinander nahmen, war auch Thomas Knüwer, First Mover beim „Handelsblatt“. Er schrieb:

„Wäre der Eintrag stehen geblieben, hätte er die Blog-Szene eine gewisse Zeit erheitert und hätte für mächtig Links auf Poseners Blog gesorgt, was ja vielleicht auch nicht übel gewesen wäre. Doch die nächste Affäre hätte das schnell aus den Köpfen gepustet. (…) Durch seine Extremreaktion schüttete der Verlag Benzin ins brennende Haus. (…) Bei Springer aber ist die Internet-Kompetenz nicht sonderlich ausgeprägt …“

Die Diskussionsplattform Welt-Debatte war gerade ein paar Wochen alt – und quasi vernichtet. Auch von Knüwer.

Umso unverständlicher ist mir, warum Kollege Knüwer das Schwert der Selbstvernichtung, das er damals beschrieb, jetzt gegen sich selbst richtet, indem er einen – bis an die Substanz kritschen – Kommentar löscht. Knüwers „Handelsblatt“-Kollege Sönke Iwersen hatte ihm – grob zusammengefasst – vorgeworfen, andere Journalisten auseinander zu nehmen, selbst aber prächtig von ihrer Arbeit zu leben – denn sonst gäbe es ja nichts mehr zu kommentieren (konkret ging es um dieses Posting). Nachzulesen bei Stefan Niggemeier hier.

Nun ist Thomas Knüwer nicht der Springer-Verlag. Deshalb werden die Kreise, die seine Aktion zieht kleiner sein. Vielleicht wird es bei ein paar Blogpostings und diesem Meedia-Artikel bleiben. Aber Spaß wird Knüwer nicht haben, zumal Iwersen schon den nächsten Kommentar gepostet hat.

Ein Leser erinnert Knüwer außerdem daran:

„Was wurde hier schon darüber gelästert, wenn Menschen dachten, sie könnten Informationen aus dem Web entfernen.“

Update: Der Kommentar von Iwersen ist wieder online. Puh.

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Über Björn Sievers

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