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Was Journalisten und Schauspieler (doch) unterscheidet

3. Januar 2009 von Björn Sievers

In einem Gastbeitrag für Chris Andersons Long-Tail-Blog vergleicht Adam Gurri Journalisten mit Schauspielern – mit wenig einleuchtenden Argumenten.

Seine Analyse läuft in etwa so:

In New York gibt es zu viele Schauspieler oder zu wenige Theater-, Fernseh- und Filmproduktionen. Das Überangebot bzw. die zu geringe Nachfrage führe zu einem harten Wettbewerb unter den Schauspielern, der die Preise drücke. Teilweise würden Schauspieler sogar umsonst arbeiten und ihren Lebensunterhalt mit anderen Jobs verdienen.

Eine ähnliche Entwicklung macht Gurri in den Medien aus. Die Kosten für die Produktion von Inhalten seinen soweit gesunken, dass es inzwischen eine Menge Leute gebe, die umsonst Inhalte anbieten. Das Schicksal von Journalisten sei damit besiegelt, auch sie müssten ihren Broterwerb woanders suchen und den Journalismus unbezahlt und aus der Lust an der Sache betreiben.

Klingt auf den ersten Blick logisch. Doch die Argumentation hinkt gleich an mehreren Stellen.

Schauspieler, die (fast) ohne Gage in einem Film mitspielen, treibt vermutlich weniger die Lust am Spielen, als vielmehr die Hoffnung an, entdeckt zu werden und irgendwann die Gagen selbst bestimmen zu können. Denn Schauspieler (wie auch Journalisten) sind nicht einfach austauschbar. Es gibt gute und schlechte, bekannte und unbekannte, alte und junge, Frauen und Männer, dicke und dünne usw. Ergo: Nicht jeder Schauspieler könnte jede Rolle übernehmen (und nicht jeder Journalist kann jeden Job in einem Medium übernehmen). Der Schauspieler arbeitet also als Pizzabäcker und hofft, das irgendwann nicht mehr tun zu müssen.

Bei vielen neuen Inhalte-Produzenten, die mit ihren Texten, Bildern und Videos das Internet (und die Medien) wachsen lassen, sieht das hingegen anders aus. Nehmen wir zum Beispiel Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger des vergangenen Jahres. Krugman schreibt ein Blog für die New York Times. Von dem Honorar, das er dafür sicher bekommt, könnte er vermutlich nicht (gut) leben. Im Gegensatz zu den Schauspielern aus dem vorigen Absatz verbindet Krugman mit seinem Blog wahrscheinlich nicht die Hoffnung, irgendwann die Wissenschaft (also das Pizzabacken) an den Nagel zu hängen, weil er eigentlich nur Blogger sein möchte. Für ihn ist das Bloggen ein neuer Kanal, eine neue Möglichkeit, Einfluss auf die politische Diskussion zu nehmen und seinen Namen auch jenseits der Wissenschaft bekannt zu machen.

Fehlen uns noch die Journalisten. Was wird aus ihnen? Es gibt und gab schon immer Journalisten, die zu Honoraren arbeiten, von denen sie nicht leben können. Das sind zum Beispiel junge Kollegen, die (wie die Schauspieler) ihre eine Chance suchen, um irgendwann von ihren Texten, Bildern oder Videos leben zu können. Doch (noch) sieht der Markt für Journalisten (in Deutschland) insgesamt deutlich besser aus. Und das kann auch so bleiben.

Im Gegensatz zu Adam Gurri glaube ich nicht, dass die Krugmans dieser Welt Journalisten überflüssig machen. Nicht jeder Medienkonsument möchte auch sein eigener Gatekeeper sein. Damit spielen die neuen Inhalte-Produzenten (großen) Medien sogar in die Hände. Irgendjemand muss all diese Dinge ordnen, die nun so einfach und fast ohne Kosten publiziert werden.

Genau darin haben Journalisten eine große Menge Erfahrungen. Allerdings müssen wir lernen, uns diese neuen Quellen zu erschließen. Und in diesem Punkt bin ich eher pessimistisch. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Tags: Medien, Journalismus, Schauspieler, Journalisten

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