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Mediengattungen aus der Journalisten-Ausbildung streichen

13. Januar 2009 von Björn Sievers

Studierende des Fachbereichs Media der Hochschule Darmstadt laden dieser Tage zur “mediale“, einer Werkschau mit Kurzfilmen, Animationen, Internet, Gaming, Software und ein wenig Journalismus. Quasi als Rausschmeißer – unmittelbar vor der Abschlussparty – steht am frühen Mittwochabend ein Panel zum Thema „Die neue Medienkompetenz – Aufträge an Politik, Bildung und Wirtschaft“ auf dem Programm. Unter dem etwas sperrigen Titel wird sich vermutlich eine Diskussion um die heutige und künftige Journalistenausbildung entspinnen. Da ich das Vergnügen haben werde, eben dort ein paar Gedanken zu äußern, schon einmal an dieser Stelle mindestens eine steile These, gerne zum Fraß und zum Zerpflücken, denn sonst macht diskutieren ja keinen Spaß.

Die These: Mediengattungen haben in der Journalistenausbildung nichts (mehr) verloren.

Die heutige Journalistenausbildung geht – soweit ich die Curricula der einschlägigen Institute überblicke – an den Bedürfnissen mindestens des künftigen Arbeitsmarktes Medien vorbei. Exemplarisch ein kurzer Blick in den Ausbildungsplan der Deutschen Journalistenschule in München. Die Kompaktausbildung ist wie folgt gegliedert:

- fünf Monate Print
- zwei Monate Hörfunk
- zwei Monate Fernsehen
- drei Monate Praktikum in einer Zeitung
- drei Monate Praktikum nach Wahl

Nun nehme ich an, dass in den ersten fünf Monaten auch ein paar Grundlagen besprochen werden, dass es zum Beispiel mal ein paar Tage um Recherche geht. Und natürlich werden die jungen Kollegen im Rahmen der Hörfunkausbildung mit dem Mikrofon hantieren und im Fernsehseminar mit der Kamera. Gundlegendes Handwerk eben. Doch reicht das wirklich aus? Und vor allem: Verankert es nicht ein Denken, das von der Medienrealität längst überholt ist? Mediengattungen sind meiner Ansicht nach heute das denkbar schlechteste Kriterium, um die Ausbildung junger Journalisten zu gliedern.

Was (nicht nur junge) Journalisten brauchen ist vor allem eines: Handwerk. Außerdem gut und wichtig: Handwerk und Handwerk. Sie müssen lernen, Themen zu erkennen und zu gewichten, den richtigen Menschen die richtigen Fragen bei der Recherche und im Interview zu stellen, Quellen einzuordnen. Außerdem müssen sie schreiben, schreiben, schreiben. Sie müssen Nachrichten erkennen und verstehen lernen, wann es sich lohnt, hinter die blanke Meldung zu schauen, tiefer einzusteigen, um zur eigentlichen Geschichte vorzudringen.

Erst darauf folgt die Entscheidung, welche Darstellungsform die richtige ist. Und in diesem Moment – und eben erst jetzt – kommen – in der Medienwelt von spätestens morgen – die Mediengattungen ins Spiel. Ein Journalist – und zwar (fast) jeder – muss erkennen können, ob das Netbook als Werkzeug reicht, oder ob nicht vielmehr auch der Fotograf oder/und der Videomensch mit einsteigen sollte. Für diese Entscheidungskette brauchen Journalisten vor allem eines – ich habe das schon erwähnt: Sie müssen ihr Handwerk beherrschen.

Einwände? Vermutlich eine ganze Menge. Schließlich sind weder Print noch TV von uns gegangen, und das werden sie auch nicht. Damit brauchen wir auch in Zukunft z.B. Blattmacher für Zeitungen und Magazine. Doch – und jetzt wage ich noch eine steile These – die gattungsspezifischen Besonderheiten zu lernen, ist vermutlich kaum schwieriger, als das, was man lernen muss, wenn man von einer Zeitung zur nächsten oder einem Onlinemedium zum nächsten wechselt (und bereits die Praktika in einer jeden Journalistenausbildung bieten erste Erfahrungen in diesem Bereich; womit klar wird, dass die Überschrift übertreibt). Einzige Voraussetzung: Das Handwerk muss stimmen.

Soweit vom Sofa. Ich freue mich auf Darmstadt und biete diese zwei, drei Gedanken bereits an dieser Stelle feil, gerne auch zum Zerreißen.

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Tags: Medien, Journalismus, Journalistenausbildung, mediale

Geschrieben in Die Medien | 5 Kommentare

5 Reaktionen zu “Mediengattungen aus der Journalisten-Ausbildung streichen”

  1. am 14 Jan 2009 um 12:281Christiane

    Stimme Dir vollkommen zu. Wenn man den Ausbildungsplan liest, könnte man meinen, das Internet sei noch gar nicht erfunden.
    Ich stelle lieber Leute ein, die 2 Jahre bei einer Lokalzeitung über Ortsvereine und Kommunalpolitik geschrieben haben, auch mal der Onlineredaktion zugearbeitet haben etc. als Leute, die einen ganz tolles Abschlusszeugnis irgendeiner Schule haben. Handwerk lernt man durch Übung, nicht durchs Diskutieren.

  2. am 24 Jan 2009 um 17:092Pflichtlektüre für Nachwuchsjournalisten » texterblog.de

    [...] von ihren Möglichkeiten Gebrauch machen.«Dazu müssten aber jetzt auch endlich die Journalistenschulen aus ihrem Tiefschlaf aufwachen und diese neuen Möglichkeiten in ihre Lehrpläne integrieren. Ansonsten wird [...]

  3. am 22 Feb 2009 um 19:423Der Online-Journalismus ist am Ende - Björn Sievers

    [...] (Für Journalistenausbilder heißt das natürlich, dass sie das Gattungsdenken ablegen müssen. Aber darauf verwies ich ja unlängst schon einmal.) [...]

  4. am 30 Jul 2009 um 15:394Warum Journalisten drei Dinge lernen sollten | PRlen

    [...] filmen, schneiden und fotografieren sowieso. Das glaube ich nicht. Ich glaube sogar, dass es Onlinejournalisten bald nicht mehr geben wird. Die Gattungen werden verschwinden unwichtiger. Für Journalisten aber wird es essenziell, den [...]

  5. am 01 Aug 2009 um 22:255DJV hält sich Onliner als Statisten | Björn Sievers

    [...] schwachsinniger beginnen kann, muss ich dennoch zwei Dinge vorwegschicken: Wie ich bereits schrieb, halte die das Gattungsdenken in Mediendingen für überholt. Und wie ich bei einer weiteren Gelegenheit schrieb, hat mich der DJV als Onlinejournalist noch nie [...]

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