Medienwandel in einem Zitat

Um den Medienwandel zu erklären, den das Internet uns bringt, braucht es kaum mehr als ein paar Sätze. Zum Beispiel diese hier von Marcel Weiß auf netzwertig.com:

Wenn in den USA etwas passiert, was ich online auf den jeweiligen Newsdiensten zeitnah erfahre, kann ich die Artikel dazu direkt auf den Websites der New York Times, der Washington Post oder auch der Huffington Post nachlesen. Ich kann die Meinungen von Allerweltsamerikanern auf FriendFeed oder über die Twittersuche in Erfahrung bringen. Wenn ich dann in der Tagesschau die vereinfachte Sicht der Dinge vom Auslandskorrespondent aus Washington näher gebracht bekommen soll, ist das vor allem ein bisschen absurd.

Das klingt aussichtslos. Für die traditionellen Mediengattungen. Und doch steckt in den Sätzen auch eine ganze Menge Hoffnung.

Denn 60 Prozent der Deutschen sprechen kein Englisch, von den restlichen 40 Prozent kann die Mehrheit vermutlich kaum mehr als ein Bier, ein Essen oder ein Taxi bestellen. Das schreibt zumindest Wolf Schneider in „Speak German!“ (bin mir nicht mehr ganz sicher, ob er seine Angaben belegt, aber schlüssig klingen sie allemal). Damit hat die Mehrheit der Menschen in Deutschlang nicht die Möglichkeit, über Vorgänge in den USA auf dortigen Websites oder gar in Tweets zu recherchieren.

Mit den Tweets kommt neben der Sprache eine weitere Kompetenz ins Spiel, ohne die es nicht geht in der neuen Welt: die Medienkompetenz. Twitter und Blogs sind noch lange nicht massentaugisch (im Sinne der „Bild“-Zeitung). Selbst einige Medienmenschen – also solche, die ihre Familien mit dem Medienmachen ernähren – fällt es schwer, diese und andere Primärquellen anzuzapfen (und manchmal passt das auch einfach nicht in den hektischen Alltag). Schließlich ist es allemal einfacher, sich bei Agenturen zu bedienen. Da weiß man, was man hat. Im besten wie auch im schlechtesten Sinne.

Für Journalisten bedeutet das nichts anderes als: Sie werden gebraucht. Dingend. Nur sollten sie die neue Welt der Blogs, Tweets und den ganzen Social-Media-Krams ein bisschen herzlicher umarmen als bisher. Denn sonst wird die Medienwelt am Ende zu einer Parallelwelt ohne Verbindungstür zum wahren Leben – im Netz.

Auch dafür hat Marcel Weiß zwei gelungene Sätze parat:

„Das Internet ist nicht die digitale Fortsetzung der analogen Medienwelt. Es ist eine neue Welt mit neuen Spielregeln.“

Über Björn Sievers

Director @ Edelman | PR for telco and internet companies | lecturer from time to time | (lazy) part-time blogger | cyclist (not lazy at all)
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2 Antworten auf Medienwandel in einem Zitat

  1. Komisch, dass da immer die USA als Beispiel herhalten müssen, wie schön es mit der neuen Medienwelt läuft. Was ist mit Ereignissen in Japan, China, oder auch nur Russland? Japan hat mehr Blogs als die deutschsprachigen Länder zusammen. Die Informationskompetenz darauf zu reduzieren, dass man englischsprachige Quellen im Netz anschauen kann, ist genau so blöd, als wenn man nur Zeitungen im Tabloid-Format lesen würde. Aber so was wird bei diesen Beispielen ja nie erwähnt.

  2. bjoern sagt:

    Eben. Auch für Japan, China und Russland brauchen wir Journalisten. Wie war noch gleich Dein Russisch?

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