Twitter in der großen Glaskugel

Wer solche Sätze schreibt:

„Und wer sich für das – schon aus Platzgründen – meist inhaltsarme Gezwitscher interessiert, kann sich in den Kreis der „Follower“ einreihen, die der Absender mit seinen „Tweets“ bedient (…)“

der hat Twitter (vermutlich) noch nie genutzt.

Und wer solche Sätze schreibt:

„Geld verdienen lässt sich mit Twitter bislang nicht – und ein tragfähiges Geschäftsmodell ist mit bestem Willen kaum auszumachen.“

der muss eigentlich nicht mehr schreiben, weil die Glaskugel ihn schon reich gemacht hat.

Das ganze Stück von Matthias Lambrecht und Helene Laube aus der „Financial Times Deutschland“ gibt es hier (ich habe es in der Druckausgabe entdeckt).

In der ganzen Aufregung um Twitter vergessen viele ein paar grundlegende Dinge. Zum Beispiel, dass Google in den ersten Jahren nur Geld verbrannt hat und erst 2001 – im vierten Jahr nach Firmengründung – den ersten (mageren) Gewinn eingefahren hat. Zum Beispiel auch, dass Wagniskapital-Geber, also solche Firmen wie die Twitter-Financiers Benchmark Capital und Institutional Venture Partners, nicht nur Leute haben, die sehr gut rechnen können, sondern auch kein Interesse, ihr Geld zu verbrennen (wenngleich sie es manchmal natürlich tun).

Natürlich kann es sein, dass Twitter das neue Second Life ist. Vielleicht aber auch Google. Vermutlich etwas dazwischen. In jedem Fall muss man Twitter weder hoch noch runter schreiben. Twitter ist und – vor allem – wird ganz von allein das, was es ist und sein wird. Dafür sorgen die Nutzer schon. Und genau deshalb kann es nicht schaden, den Dienst selbst zu nutzen, bevor man über ihn schreibt – aber das erwähnte ich ja bereits.

Disclaimer: Ich habe Twitter auch erst im zweiten Anlauf verstanden, also zumindest den Teil, der für mich sinnvoll ist.

Über Björn Sievers

Director @ Edelman | PR for telco and internet companies | lecturer from time to time | (lazy) part-time blogger | cyclist (not lazy at all)
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