DJV antwortet auf offenen Brief

In der vergangenen Woche habe ich mich über diese Äußerungen von DJV-Chef Michael Konken aufgeregt und ihm einen offenen Brief geschrieben (zu Kartellrecht und Google hatte ich dann noch ein ausführlicheres Posting verfasst). Seine Stellvertreterin Ulrike Kaiser antwortet nun. Da mir an einer öffentlichen Diskussion liegt, veröffentliche ich ihr Schreiben an dieser Stelle – mit ihrem Einverständnis und zunächst unkommentiert.

Lieber Kollege Sievers,

danke für Ihren Offenen Brief, den Sie an den DJV-Vorsitzenden Michael Konken gerichtet haben. Da dieser in Urlaub ist, möchte ich Ihnen als seine Stellvertreterin antworten und greife damit gerne das Angebot zum Dialog auf.

Was den DJV betrifft, freue ich mich, dass Sie Mitglied sind (und hoffentlich bleiben), weil wir nach meiner festen Überzeugung den argumentativen Diskurs pflegen müssen, der häufig viel zu kurz kommt. Und da sind uns alle willkommen, die sich für den Journalismus, für die Zukunft der Medien, für berufsethische Fragen engagieren und in diesem Sinne äußern.

Zum konkreten Anlass: Auch Sie betonen eingangs die Ausnahmestellung von Google, die für mich weit über die Online-Werbung hinausreicht. Google hat sein erfolgreiches Geschäftsmodell auf der systematischen Auflistung und Verlinkung zu Beiträgen Dritter aufgebaut, für die das Unternehmen keinen Cent bezahlt. In Google News wird dieses Modell aktuell ausgeweitet.

Von diesen Modellen profitieren vordergründig alle: der Konzern selbst unmittelbar durch Werbung, die (Online-) Medien durch publizitäts- und damit werbewirksame Zugriffsraten (welches Medium wollte darauf verzichten?), wir Journalisten – wie die jüngste Studie (M. Machill) ergeben hat – handwerklich in der Recherche (manchmal auch nicht) und die nichtjournalistischen Internet-Nutzer ganz allgemein im Zugang zu weltweitem Wissen. Das alles ist unbestritten. Und der DJV wäre der Letzte, der die Vorzüge von Suchmaschinen im Speziellen und dem Internet im Allgemeinen nicht erkennen und in seine Überlegungen einbeziehen würde. So von Gestern sind wir nun wirklich nicht …

Aber neben den Vorteilen sehen wir Gefahren, auf die auch Sie aufmerksam machen. Die eine besteht darin, dass hier gutes Geld verdient wird, ohne die eigentlichen Urheber am Geschäft zu beteiligen. Die andere besteht in einer Machtballung, deren medien- und gesellschaftspolitischen Folgen erst in Konturen zu erkennen sind; denken Sie nur an die Frage, welche Anbieter und Themen (künftig) berücksichtigt werden, wer das Ranking beeinflusst etc…

Mit beiden Problembereichen muss sich der DJV als Vertreter von journalistischen Urheberinnen/Urhebern und als Verfechter publizistischer Vielfalt befassen. Letztere wird trotz der, von Ihnen zu Recht betonten, allgemeinen Meinungsvielfalt per Netz im professionell-journalistischen Bereich gerade auf lokaler Ebene erheblich eingeschränkt (nicht nur die WAZ mit ihren Einsparungen lässt grüßen). Und wenn der DJV dann – wie im Fall Google – weder durch Selbstkontrolle (die uns immer lieber als gesetzliche Regulierung ist) noch durch tarifliche Vereinbarungen weiterkommt, dann wird ein Gesetzgeber regulierend eingreifen müssen. Wie in der Vergangenheit auch. Ich nenne nur die Stichworte Urheberrecht, Pressefusionskontrolle, Leiharbeit etc. Auf welcher Grundlage arbeiteten sonst Urheberorganisationen wie die GEMA oder die Verwertungsgesellschaften Wort bzw. Bild. Wie sonst wäre es zu einer Kopierabgabe gekommen, von der noch heute Journalistinnen und Journalisten profitieren. Vergleichbares ist auch in Sachen Internet denkbar.

In unserem Rechtsstaat ist – wenn Grundrechte dabei nicht eingeschränkt, sondern im Gegenteil gestützt werden – genau dieser gesetzliche Weg der angemessene und legitime, vor allem, wenn es um weitreichende Strukturveränderungen in der Medienlandschaft geht. Diese ausschließlich dem angeblich freien Spiel der Kräfte zu überlassen wäre nicht im Sinn der demokratischen, kulturellen Funktion von Medien, wie sie nach 1945 bewusst organisiert wurden.

Dass wir dabei das Schlagwort von der „Gratiskultur“ (besser: „Gratis-Unkultur“?) aufgreifen, richtet sich selbstverständlich nicht gegen das Geschäftsmodell von focus online oder anderer Gratis-Angebote im Netz, erst recht nicht gegen Blogger. Wir greifen damit aber die berechtigten Bedenken der Medienmacher/innen auf, die inzwischen selbst problematisieren, ob es der richtige Weg war, den Gratis-Gedanken für professionelle journalistische Arbeit im Internet wie selbstverständlich nachzuvollziehen. Inzwischen scheinen damit Fakten geschaffen worden zu sein, die als beinahe unumstößlich gelten. Aber sind sie es? Das ist die Frage an die Geschäftsmodelle von morgen, von denen dann auch wiederum Journalisten profitieren könnten.

Sie beschreiben das Dilemma der Medien treffend. Auf der einen Seite müssen sie Google den Datenzugang gestatten, um auffindbar zu sein und weltweit Gehör zu finden (das allein ist schon auf die Machtposition von Google zurückzuführen). Auf der anderen Seite wollen sie das nicht gratis erlauben, sondern am Geschäft partizipieren. Kommen wir also noch mal zu den Urheberrechten. Die Urheber sind, wie Sie zu Recht feststellen, die Journalisten. Und die sind von ihren eigenen Auftrag- bzw. Arbeitgebern ziemlich gebeutelt. Denn häufig sollen sie Rechte abtreten, die sie von weiteren Einnahmen aus der Verwertung ausschließen. Das weiß gerade der DJV, und er kämpft auf allen möglichen Gebieten dagegen, individuell durch Rechtsschutz, tariflich, juristisch (die Axel Springer AG oder der „Nordkurier“ können da aktuell Auskunft geben) und auch politisch (wieder Richtung Gesetzgeber übrigens!).

Der DJV weiß, welch schwache Karten Urheber gegenüber ihren Auftrag-/Arbeitgebern haben, wie Urheberrechte mit Füßen getreten, wie freie Journalistinnen und Journalisten mit Billighonoraren abgespeist werden. Deshalb haben wir uns auch (übrigens ausführlich begründet!) so wohlfeilen Verleger-PR-Aktionen wie jüngst zum Leistungsschutzrecht nicht angeschlossen. Der DJV-Bundesvorstand singt zwar überzeugt das Hohe Lied auf die geistigen Leistungen und die Kreativen – aber nicht unbedingt im Chor mit Medienunternehmern, die sich in der Praxis weigern, diese geistigen Leistungen und diese kreativen Freien angemessen zu bezahlen und sie an Weiterverwertung zu beteiligen.

Wir haben allerdings noch Hoffnung auf „gemeinsame Sache“ zwischen Urhebern und Medienunternehmern. Durch Tarifverträge, durch Verwertungsgesellschaften, durch die noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen über gemeinsame Vergütungsregeln für Freie. Wenn wir die Hoffnung aufgegeben hätten, dass Urheber und Verleger zu gemeinsamen Lösungen finden könnten (und sei es durch Arbeitskampf oder gesetzlich bewirkt!), könnten wir einpacken. Als Gewerkschaft und als Berufsverband.

Nein, es ist nicht alles schwarz-weiß, weder im DJV noch anderswo. Deshalb, lieber Kollege Sievers: Bleiben Sie dabei, und gestalten Sie mit. Manchmal an Grautönen. Aber auch die sind wichtig in einem stimmigen Medienbild.

Ich freue mich auf weitere Diskussionsbeiträge,

freundliche Grüße

Ulrike Kaiser
Stellvertretende Vorsitzende

Deutscher Journalisten-Verband
Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Zum Thema hat sich (neben vielen anderen) auch Thomas Knüwer geäußert – und seinen Austritt aus dem DJV begründet. Eine muntere Debatte läuft bei Twitter.

Über Björn Sievers

Director @ Edelman | PR for telco and internet companies | lecturer from time to time | (lazy) part-time blogger | cyclist (not lazy at all)
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16 Antworten auf DJV antwortet auf offenen Brief

  1. „… auf der systematischen Auflistung und Verlinkung zu Beiträgen Dritter aufgebaut, für die das Unternehmen keinen Cent bezahlt.“

    Seufz. Wenn man so anfängt, dann wirkt so etwas:

    „So von Gestern sind wir nun wirklich nicht …“

    nicht wirklich überzeugend.

  2. Ich wurde von ‘Redaktion’ aufgefordert hier weiter zu diskutieren, weil man es für angebracht hielt den Komentarstrang bei http://frei.djv-online.de/?p=515 zu schließen. Nun denn, dann werde ich das halt hier abladen :)

    –>

    Dass in dieser Diskussion ständig von Seiten der ‘Redaktion’ das Herausoptieren des Herausoptierens gefordert wird ist schon sehr gaga.

    Mein Aua des Tages war “Online-Anbieter können sich gar nicht mehr leisten, sich von Google auszuschließen, weil Google der Traffic gehört.” #DJV http://identi.ca/notice/6884874

    Aber Gesetze werden dann das Hineinoptieren des Leistungsschutzrechtsentgelts verbindlich hineininkludieren und das Herausoptieren kann dann unterbleiben? Fließt ja schließlich Geld an die Nichtherausoptierer dank der fremd geleisteten Dienstleistung. Will ich auch haben, so ein Perpetuum Mobile.

    Diese Schmerzen…

    <–

  3. > “Die andere besteht in einer Machtballung, deren medien- und gesellschaftspolitischen Folgen erst in Konturen zu erkennen sind”

    Warum fällt mir da nur als Erstes

    * Axels Springer
    * Heinrich Bauer
    * Burda
    * Gruner + Jahr

    ein?

    Ach ja, und Spiegel… und Murdoch…

    > “Google hat sein erfolgreiches Geschäftsmodell auf der systematischen Auflistung und Verlinkung zu Beiträgen Dritter aufgebaut, für die das Unternehmen keinen Cent bezahlt. In Google News wird dieses Modell aktuell ausgeweitet.”

    Ersetze ‘Google’ mit XYZ aus obiger Liste und die tropfenden Lefzen der Gier werden erkennbar. Erst recht, wenn ich an Buy-Out Verträge denke, wo es keine Möglichkeiten eines einfachen ‘Disallow’ gibt.

    Bei XYZ nennt man es auch gerne User Generated Content (UGC). Man liebt UGC. S.a. http://sankt-georg.info/tag/aal (Andere Arbeiten Lassen) speziell das Beispiel “Lifestyle-Magazin Max zahlt keine Foto-Honorare für Flickr Fotos” hat es mir in diesem Zusammenhang angetan.

  4. Pingback: Markus Merz (m1) 's status on Thursday, 23-Jul-09 16:07:30 UTC - Identi.ca

  5. Rainer Barg sagt:

    Die Sache mit dem Urheberrecht und Google News … ist so eine Sache. Warum mag da wohl niemand klagen? Weil es schon vor einigen jahren jemand versucht hat. Die Verlagsgruppe handeslblatt scheiterte damals grandios bis hoch zum BHG. Dieser urteilte am 17. Juli 2003 unter anderem mit diesem Leitsatz (der auf Google News passt wie Arsch auf Eimer):

    “”Ein Internet-Suchdienst, der Informationsangebote, insbesondere Presseartikel, auswertet, die vom Berechtigten öffentlich zugänglich gemacht worden sind, handelt grundsätzlich nicht wettbewerbswidrig, wenn er Nutzern unter Angabe von Kurzinformationen über die einzelnen Angebote durch Deep-Links den unmittelbaren Zugriff auf die nachgewiesenen Angebote ermöglicht und die Nutzer so an den Startseiten der Internetauftritte, unter denen diese zugänglich gemacht sind, vorbeiführt. Dies gilt auch dann, wenn dies dem Interesse des Informationsanbieters widerspricht, dadurch Werbeeinnahmen zu erzielen, daß Nutzer, die Artikel über die Startseiten aufrufen, zunächst der dort aufgezeigten Werbung begegnen. Die Tätigkeit von Suchdiensten und deren Einsatz von Hyperlinks ist wettbewerbsrechtlich zumindest dann grundsätzlich hinzunehmen, wenn diese lediglich den Abruf vom Berechtigten öffentlich zugänglich gemachter Informationsangebote ohne Umgehung technischer Schutzmaßnahmen für Nutzer erleichtern.”

    Also bitte, auch von den Verbänden, nicht mehr urheberrechtlich herumjaulen. Dieser Drops ist rechtlich gelutscht.

  6. Wittkewitz sagt:

    Lieber DJV,

    vor einige Jahren war auch ich Mitglied. Was mich dort gestört hat und was sich noch immer nicht geändert hat, ist die Einstellung gegenüber den Verlagen. Es hat schon seit Jahren mehr oder weniger extreme Rechteübertragungen gegeben für externe Mitarbeiter – und Sie wissen besser als ich, wieviel Anteil die externe Zuarbeit von Freien an vielen Zeitungen beträgt. Es ist nicht selten so gewesen, dass nach einigen Jahren die externen Kräfte einfach neue Autorenvereinbarungen unterschreiben sollten, die keineswegs das Honorar erhöhten, aber den Leistungskatalog an Rechtübertragungen hinsichtlich der digitalen Distribution und Speicherung auffallend umfangreich neu gestalteten. Wer diese einseitig bevorteilenden neuen Vereinbarungen nicht unterschrieb, war draussen aus dem Boot.

    Ich habe zu jener Zeit wenig bis gar keine Interessenvertretung durch den DJV gegenüber den Verlagen erlebt.

    Es erscheint in der Folge sehr unglaubwürdig, wenn nun der DJV plötzlich die Urheber in den Mittelpunkt der Diskussion rückt. Noch seltsamer ist dies vor allem deshalb, weil Google diese Inhalte lediglich verlinkt und nicht unter seinem Label speichert – abgesehen vom kleinen Zitat in Form einer Zusammenfassung oder den ersten zwei Sätzen.

    Google ist sicher kein Beispiel für einen verantwortungsvolle Organisation, die die Sorgen der Menschen in Mittelpunkt der Firmenstrategie stellt. Dies ist aber eher Teil einer verfehlten Auffassung von Ökonomie, die seit einigen Jahren durch den Finanzkapitalismus, also durch Investmentstrategen, realisiert wird. Zu Recht gibt es mit Umair Haque und anderen Ökonomen neue Ideen, solchen mentalen Unflat in rationale Bahnen zu lenken.

    Wenn der DJV den Begriff der Selbstkontrolle ins Spiel bringt, möchte ich fragen, wo die Selbstkontrolle bei den Entwicklungen im redaktionellen Umfeld der letzten Jahre gewesen ist. Es erscheint reichlich bigott, wenn die Interessenvertretung der Geschädigten von verfehlten rückwärtsgewandten Verlagsstrategien (Zeitung als Investment) sich nun an die Seite der Täter stellen und mit ihnen gemeinsam ins Horn blasen: Haltet den Dieb.

    Der Dieb ist jemand, der dieselbe Strategie “Wir degradieren Gehalt erst zu Inhalt und dann zu Daten und Fakten und am Schluß der Qualitätskette zu Content” einfach schlauer ökonomisiert hat. Denn Google nutzt sowohl Netzwerk- als auch Skaleneffekte, was den Verlagen bis auf wenige Ausnahmen aufgrund fehlender Intelligenz bisher versagt blieb. Selbstkontrolle hätte sowohl Arbeitsplätze als auch mehrere Villen auf Sardinien retten können.

    Wenn der DJV darauf hinweist, dass sie nicht das Lied der Verleger singen, dann verwundern sowohl Art als auch Zeitpunkt des Auftretens. Jetzt, wo weltweit kolportiert wird, dass als einziges der Search Advertising Markt zweistellig wachsen wird und in drei Jahren den Umfang des TV-Budgets überholen wird, da erreichen die Verantwportlichen plötzlich die schlechten Nachrichten über die einst in Stein gemeißelten die Finanzierungsmodelle der Zeitungen. Gratiskultur ist dann zufällig ein Schlagwort, das den DJV und die Verleger eint?

    Die Machtposition, die Google inne hat, besteht darin, anderen Inhalte zugänglich zu machen. Früher, als Inhalte gar nicht ohne Druckmaschinen verteilt werden konnten – als Inhalt und Papier noch ein zusammehängendes Produkt war – war so ein Geschäftsmodell nichtz denkbar. Die Inhalte die Google zugänglich macht, werden Google präsentiert per Content Management System. Wer es also geschafft hat, sich zu etablieren als NEUTRALER Ansprechpartner für Inhalte aller Art, der hat ein Geschäftsmodell erschaffen, das das Paper überflüssig macht. Trotzdem werden mehr Bücher verkauft als vor Google. Die Verwertungsgesellschaften sind mittlerweile in der Lage, Konzerte von Künstler zu verhindern, weil diese es sich nicht leisten können, ihre eigenen GEMA-Gebühren zu bezahlen für die eigenen Songs und die eigene Darstellungsleistung. Insofern sind Diskussionen über Verwertungsgesellschaften zwar schön, aber wenn ich bei Freunden betrachte, wo die 7 Milliarden EUR jedes Jahr an GEZ Gebühren landen, bin ich heilfroh seit einigen Jahren keinen Fernseher mehr zu besitzen.

    Kurz gesagt: Die Diskussion muss bei der Transparenz beginnen. Ich kann nur dringend raten, den folgenden Text von David Weinberger zu lesen über den Weg, genau im Netz die Objektivität über Transparenz zu erreichen, die uns die alte Schule des Journalismus immer über die Authorität des Journalisten verkaufen wollte und die mitnichten dem postmodernen Weltbild der Multi-Subjektivität entspricht.
    ( http://www.digitalpublic.de/qualitatsjournalismus-transparenz-ist-die-neue-objektivitat-von-david-weinberger

    Es ist absolut keine Zeit mehr für ein Wehklagen über Gratiskultur. Es sei denn man wollte den privaten Rundfunk abschaffen, denn auch dort wird nichts anderes getan: Externe Dienstleister produzieren Inhalte, die nach einem statistischen Algorithmus (Einschaltquote) nach Ranglisten auf die Sendeplätze verteilt werden.

    Google macht es weder anders noch besser noch schlechter. Sie streben an, mit ihrer Suchmaschine das größte Gehirn der Welt zu bauen und dann, wenn es endlich alles Wissen der Welt enthält, mit diesem Superhirn alle Probleme der Welt gegen Zahlung zu lösen.
    Die meinen das vollkommen ernst mit der Singularity. Wenn sie sich Sorgen machen wollen, dann reflektieren sie besser das Weltbild auf dem solches Gedankengut entstehen konnte. Ich verspreche Ihnen, dass das alte Selbstverständnis der Journalisten und Verleger einen großen Anteil an solch einer Hybris hat. Die Denktendenzen sind sehr ähnlich wenn sie die großen europäischen Verlage mit ihren Thinktanks als Berater für die europäischen Regierungen betrachten.

    Überlegen Sie genau, ob der DJV sich in diesem Krieg um das potentes Hirn wirklich richtig positioniert. Noch können wir reflektierten Menschen gegen solche Tendenzen angehen. Urheberrecht und Geistiges Eigentum sind allerdings Nebenkriegsschauplätze, die den falschen Kräften direkt in die Hände spielen.

  7. Inge Seibel sagt:

    @Wittkewitz
    “…Wenn der DJV den Begriff der Selbstkontrolle ins Spiel bringt, möchte ich fragen, wo die Selbstkontrolle bei den Entwicklungen im redaktionellen Umfeld der letzten Jahre gewesen ist. Es erscheint reichlich bigott, wenn die Interessenvertretung der Geschädigten von verfehlten rückwärtsgewandten Verlagsstrategien (Zeitung als Investment) sich nun an die Seite der Täter stellen und mit ihnen gemeinsam ins Horn blasen: Haltet den Dieb…”

    Danke für dieses und viele weitere wichtige Argumente in Ihrem Kommentar. Es würde mich sehr freuen, wenn die Diskussion sich wieder mehr um die Belange und die Interessen derer drehen würde, die der DJV wirklich zu vertreten hat. Richtig ist, dass man als – vor allem freier – Journalist heutzutage nach Ablieferung des Textes, O-Tons oder Bild- und Videomaterials im Prinzip alle Rechte abgibt. Da kann es im Grunde genommen gleich sein, was Google damit macht. Im Gegenteil: Gefunden zu werden kann dem Einzelnen nur helfen, seine Reputation zu erhöhen und vielleicht auf diesem Weg zu neuen Aufträgen zu gelangen. Der DJV hat mit seinem Kreuzzug gegen Google also eher die Verteidigung der Verwertungsrechte der Verlage als der Journalisten im Visier. Das ist doch absurd.

  8. Pingback: Christian Spließ (prospero) 's status on Thursday, 23-Jul-09 19:46:24 UTC - Identi.ca

  9. Thorsten sagt:

    Ich finde es auch eine eher müßige Diskussion. Ob Google oder what ever im Web, News verlinkt, stört in der Regel ja wohl nicht die Autoren, sondern lediglich die Verlage.

    Stierte man bis vor kurzem noch geil auf die Online Zugriffszahlen, wobei man sich wohl nicht fragte, oder zu fragen wagte wo die herkamen, bricht nun Panik aus. Das Anzeigengeschäft bricht weg und die Verlage/Konzerne haben ein Problem. Das gleiche nämlich was auch die meisten Web-Startups besitzen: Keine Idee wie man etwas monetisieren kann.

    Weil man kein anderes Feindbild als Google hat, sorry kennt, stürzt man sich nun darauf. Davon wird in Wahrheit kein Autor satt, selbst wenn die Verlage dafür entlohnt werden würden.

    Ach ja, das scannen der Bücher war ja auch ein ganz großes Thema im DJV Bericht. Ich wundere mich nur, warum ich das Gejammer nicht aus dem Mund bzw. der Feder der Autoren selbst höre. Oder kennt hier jemand wirklich Autoren die dagegen den Aufstand proben. Und wenn ja, ein kleiner Tipp von mir. Schreibt auf die erste Seite:Disallowed for Google Scan ;-)

  10. Schreibmaschine -> Computer
    Plattenspieler -> CD Player -> mp3
    Journalismus -> ???

    Neigt sich der Produktlebenszyklus des Journalismus dem Ende?

    Das Problem des Journalismus ist ganz offensichtlich: das Wertschöpfungskettchen will nicht mehr surren. Wie schön war es doch in der der Prä-Internet-Ära, als Monopolist mit der Lizenz zum (Geld) drucken. Die Zusammenstellung relevanter Informationen geht heute meist mit einigen Klicks und eine journalistische Ausbildung ist dafür nicht immer notwendig.

    Das der Ausgangspunkt für die Zusammenstellung des Informationsmixes noch in Redaktionen liegen muss ist ein Irrtum, denn bestenfalls liegt dieser beim Leser selbst.

    Ob nun Google davon profitiert oder nicht spielt dabei keine Rolle, denn der Grund dafür ist das Internet oder weiter gefasst der technische Fortschritt.

    Wenn der DJV eine “konzertierte Aktion” gegen Google fordert, scheint das so vielversprechend wie eine Aktion der Schreibmaschinen gegen die Tastatur.

    “Kopf” bekommt die Chance “Kapital” zu schlagen:

    Es ist Zeit für den Journalismus sich neu zu erfinden und wie bei Computern oder mp3 werden dabei die Karten neu gemischt. Und das ist gut so.

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  13. Bjoern Richter sagt:

    Wahnsinn, und solche Leute wollen zukünftige Medienpolitik mitgestalten? Das ist nur noch witzig!

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