In der Publizitätsfalle

Das vergangene Jahr hat dieses Internet nicht eben einfacher gemacht. Also für mich nicht. Gestartet bin ich mit zwei Blogs (dieses und jenes, das grad wieder ein bisschen tot ist), einem Twitter-Account und ein bisschen Facebook hier und da (neben den Dingen, die mich schon seit vielen Jahren begleiten, so Sachen wie delicious, Flickr, Last.fm und so).

Irgendwann im Sommer 2009, es wurde vermutlich gerade heiß, lief das digitale Leben um mich herum schneller und schneller (oder ich wurde träger). In immer kürzeren Abständen, so schien es mir, hetzte die digitale Meute von einem neuen Ich-mach-Euch-noch-glücklicher-Ding zum nächsten. In Erinnerung geblieben sind mir: posterous, foursquare und formspring.me. Aber was davon bleibt wirklich hängen? Das meiste – jenseits der genannten drei – habe ich vermutlich jetzt schon vergessen.

Full stop! Ein Blick zurück in die Frühzeit meiner Internetpublizität. Damals, das war 2002, war die Welt irgendwie überschaubarer – und sah handgeschnitzt aus:

Dereinst dachte ich, das ist jetzt mein Ort im Netz – und da kommt alles hin, was ich digital so sein will. Ein wenig später schon, das war wohl 2004, habe ich gemerkt, dass alle ihre Fotos zu Flickr hochladen. Habe ich auch gemacht. Auf die erste, die zweite und die dritte Version meiner Homepage – selbst aus HTML geschöpft – folgte 2006 das erste und 2007 oder so das zweite Blog. Was war ich froh, als WordPress irgendwann Widgets einführte und ich endlich all die Dinge, die ich an anderen Orten im Netz so publizierte wieder an dieser Stelle, irgendwie ja immer noch mein Zuhause, zusammen führen konnte.

Und jetzt? Zwischen meine Blogs (von denen jenes mal wieder reanimiert werden will) und Twitter hat sich posterous geschlichen – und kann doch die Blogs nicht ersetzen. Foursquare ist eine nette Spielerei, vermutlich aber nur ein Übergangsdings, dessen wesentlicher Dienst es ist, uns die Richtung zu deuten, ein Twitter mit Lokalbezug für iPhone-Besitzer, also eine sehr spitze Zielgruppe (sowas ähnliches wird sicher groß, nur noch nicht jetzt). Formspring.me mach ich nicht mehr mit (ok, mich fragt halt keiner was).

Was bleibt? Das Bild wird immer diffuser. Ein paar Leute aus meiner digitalen Umgebung sind immer schon da, wenn ich in eine neue Site springe. Andere kommen nach wie vor nicht mit dem nicht-öffentlichen Teil meines Flickr-Feeds klar (das erste Foto habe ich am 1.1.2005 hochgelanden). Einige von denen fragen hin und wieder, wie ich das denn eigentlich alles mache. Ich denke dann immer: So viel mache ich doch gar nicht. Und sage: Ich habe keine Modelleisenbahn. Frage mich aber zugleich: Muss das? Und passt das (noch)?

Unterm Strich bleibt die Feststellung: Es wird nicht einfacher. Und: Nichts ist ewig. Aber haben wir eine Alternative? Nein. Zumindest diejenigen unter uns nicht, die nicht gelernt haben, mit ihren Händen zu arbeiten.

(Ich würde dann bei Gelegenheit auch mal wieder aufhören, mich um mich selbst zu drehen. Versprochen.)

Über Björn Sievers

Director @ Edelman | PR for telco and internet companies | lecturer from time to time | (lazy) part-time blogger | cyclist (not lazy at all)
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Eine Antwort auf In der Publizitätsfalle

  1. Lieber Björn,

    erstmal ein Frohes Neues!

    Mach Dir nichts draus. Ich kapiere auch vieles nicht und doch eins: Wir leben und wir kommunizieren.

    Ob wir uns verstehen, ob die Kommunikation klappt, ist ein anderes Ding.

    Genauso, wie die vielen neuen Dienste und Möglichkeiten.

    Letztlich setzt sich durch, was im Gedächtnis und Gefühl der Menschen bleibt.

    Menschen nutzen Technik, aber alle Technik ist emotional. Wenn sie es nicht ist, stirbt sie und wird vergessen.

    Alles andere bleibt.

    Ich werde nie, aber auch nie, meinen ersten Radiowecker vergessen.

    Auch nicht meinen ersten Fernseher.

    Wie der neue heißt, der gerade im Wohnzimmer steht, weiß ich nicht. Er berührt mich nicht.

    Den Kommentar schreibe ich an einem iMac 24-Zoll.

    Auch an den werde ich ewig denken, weil er mir nach 20 Jahren IBM-kompatibel und später Windows einfach nur gut gefällt.

    Ich mag meinen Skoda Octavia mit 260.000 Kilometern und denke eher wenig über andere, frühere Autos nach.

    Gerne aber an einen VW Käfer und einen Ford Konsul, die ich jeweils nur wenige Monate gefahren habe, bis der TÜV uns geschieden hat.

    Das Internet ist die beste Erfindung der Menscheit ever.

    Was fehlt dem Internet? Der Geruch. Die Berührung. Die Begegnung. Die menschliche Erfahrung.

    Wie kriegt man das da rein?

    Durch gute Texte, durch gute Bilder. Durch Emotion.

    Wer es schafft, die Menschen zu berühren, wird wahrgenommen werden.

    Da bin ich sicher.

    Hardy

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