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App für eine Splittergruppe

10. September 2011 von Björn Sievers

Es gibt Überschriften, die lassen das Herz von Kommunikationsarbeitern nicht nur ein bisschen höher schlagen. Diese zum Beispiel:

Welt HD” wird von kaufkräftigen Entscheidern gelesen

Ein toller Erfolg. Für die PR-Abteilung des Springer Verlags. Denn das ist DIE Zielgruppe. Das sind die Menschen, die nicht nur Informationen wollen, sondern auch Werbung. Schließlich verfügen sie über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen. Klingt nach einer runden Sache für den Verlag. Aber ist die App tatsächlich ein Erfolg? Vermutlich nicht.

Die Redaktion der Welt erreicht mit ihrer App 30.000 Leser pro Woche. Das ist traurig wenig, bedenkt man, dass die gedruckte Zeitung im ersten Quartal eine Auflage von gut 250.000 Exemplaren (pro Tag) ausgewiesen hat, mit der sie (angeblich) gut 700.000 Leser erreichte (pro Tag).

Noch ein bisschen trauriger werden die Zahlen zur iPad-App, wenn man bedenkt, dass nur 9100 Leser pro Woche die App tatsächlich gekauft haben. Alle übrigen Nutzer lesen die Zeitung im Abo und bekommen die App oben drauf oder probieren sie nur mal aus.

Bei sieben Ausgaben in der Woche lesen also vielleicht nur 1300 Menschen pro Tag “Die Welt” auf dem iPad und bezahlen dafür (das stimmt natürlich nicht, denn der eine oder andere Leser greift sicher mehr als einmal pro Woche zu seiner iPad-Zeitung). Im schlechtesten Fall sind das nur knapp 0,2 Prozent der “Welt”-Printleser (auch diese Zahl stimmt nicht, weil wir Leser pro Tag und Leser pro Woche nicht vergleichen können).

Nun habe ich nichts gegen Splittergruppen, auch nichts dagegen, dass Unternehmen sich um kleine Marktsegmente kümmern. Aber ich frage mich allen Ernstes: Wird diese iPad-App jemals zu einem ökonomischen Erfolg?

Meine Vermutung lautet: nein. Das legen auch die negativen Kommentare zur App dar. Die experimentierfreudigen und einkommensstarken App-Nutzer finden es vor allem sehr schade, dass sie die Inhalte nicht herunterladen können – um sie im Flieger zu lesen.

Geschrieben in Die Medien, Die Ökonomie | 0 Kommentare

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