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Zwei Wochen mit der Flip

Bewegtbild und ich, wir sind eigentlich keine Kumpels. Aus meiner Kindheit gibt es einige, liebevoll geschnittene Super-8-Filme. Und weil ich die schon sehr süß finde, wollte ich sowas auch immer machen. Natürlich nicht auf Super 8, wäre auch schwer zu bekommen, sondern auf Video. Doch der Camcorder und ich, wir sind nie warm miteinander geworden. Die Kombination aus billigem Material (Videokassetten) und kein Drehbuch im Kopf (wie drehe ich den Spielfilm einer Kindheit?) war immer eine Katastrophe. In irgendeiner Kiste verstauben deshalb ein paar Kassetten – und in der Ecke einer Festplatte Daten in Gigabyte-Größe.

Ein ganz bisschen Hoffnung hat mir dann Flickr geschenkt, als sie die langen Fotos eingebaut haben: 90 Sekunden Video und Schluss. Das ist ein Format, das bei mir zumindest keinen Angstschweiß und auch keine Verkrampfungen auslöst. Auf die ersten Schnipsel (aufgenommen mit einer Lumix, also einer kompakten Digitalkamera) war ich zwar nicht gerade stolz. Doch zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, wenigstens einen Moment (einer Kindheit) eingefangen zu haben, der auch in einigen Jahren noch eine Bedeutung hat (Radfahren lernen).

Seit zwei Wochen nun verfolge ich eine neue Spur. Die Kombination aus Lust auf ein neues Spielzeug und zwei Wochen Urlaub hat mich mit einer Flip zusammen gebracht. Und wir, also die Flip (eine Mino HD) und ich sind auch gleich miteinander verreist: nach Kroatien in das Dörfchen Orašac zwölf Kilometer nördlich von Dubrovnik. Dort wollte ich (neben ein paar weiteren Dingen) vor allem eines tun: mit bewegten Bildern spielen, mit kurzen Sequenzen (beim ersten Ausflug mit dem Camcorder war ein ganzer Urlaubsfilm der Plan – und das ging natürlich schief).

Me and my Flip

Me and my Flip

Wichtigste Quelle meiner Inspiration, für das, was ich tun wollte, ist Fabian Mohr (der eben ein paar Erfahrungen mit der Flip gebloggt hat). Denn mit seinen „Living Pictures“ kultiviert Fabian das Format langer Fotos. Er filmt Motive, die auch als Foto funktionieren würden, die durch Bewegung und/oder Geräusche aber eine eigene Ästhetik ausstrahlen. Wenn ich eine Chance habe, eine Beziehung zu Bewegtbild zu entwickeln, dann auf diesem Weg. Also hieß der Plan: 20-Sekunden-Fotos (Fabian macht gerne 60 Sekunden).

Und solche Dinge sind entstanden:

Dubrovnik

Austern

Shoreline

Mehr gibt es an diesem Ort.

Ein paar Dinge habe ich sehr schnell gelernt:

Die Flip ist toll. Denn sie ist kaum größer als ein aktuelles Smartphone, ich kann sie also wirklich immer dabei haben (habe ich das Handy ja auch).

Ohne Stativ geht es nicht. Sobald ein Teil des Bildes nicht bewegt ist, ist ein fester Stand für die Flip (fast immer) ein Muss. Sonst wackelt das (lange) Foto. Ich hatte ein Stativ im Hosentaschenformat dabei. Ein größeres wäre manchmal praktisch, dann könnte ich aber auch wieder mit dem Camcorder losziehen.

Die Flip ist kein digitaler Fotoapparat. Die Qualität der Videos ist gut, keine Frage. Doch die Auflösung kommt nicht an die handelsüblicher Kameras heran (logisch). In extremen Lichtsituationen (Gegenlicht) kann schon mal was verschwimmen.

Auf den Ton kommt es an. Die Geräuschkulisse ist für ein langes Foto ebenso wichtig, wie das Motiv selbst. Das heißt vor allem: Was ich höre, muss zum Motiv passen. Wenn ich Meer sehe, dann muss ich auch Meer hören – und keine Lkw, die direkt hinter mir die Küstenstraße entlang fahren. Auf einem Spielplatz dürfen auch Kinder auf der Tonspur vorkommen, die nicht im Bild sind.

FlipShare ist perfekt. Die kleine Software, die auf der Flip abgelegt ist, ist mit ihren wenigen Funtionen ideal für mich Video-DAU (für den Moment zumindest).

20 Sekunden sind gut, passen aber nicht immer. Wenn ich das Gefühl habe, 20 Sekunden tragen nicht, dann taugt das Motiv eher nicht. Doch manche Dinge brauchen mehr Zeit (auch wenn es kein Aktion-Film ist).

Ein Beispiel (am besten groß angucken):

Peace, war game, peace again

Ein paar Wünsche an die nächste Flip hat Fabian ja bereits formuliert. Mir sind zwei weitere Dinge aufgefallen:

– Die Flip besitzt eine Zoom-Funktion. Zwar verbietet sich der Einsatz (fast), weil es ein digitaler Zoom ist und damit die Qualität der Aufnahme deutlich schlechter wird. Doch hin und wieder mag man ihn brauchen (wo er doch schon da ist). Was ich nicht verstehe: Wieso lässt sich der Zoom nur während der Aufnahme bedienen? Warum kann ich nicht vor dem Start an mein Motiv heranzoomen? Natürlich kann ich das Filmchen hinterher schneiden, aber das ist nur eine eigentlich überflüssige Umgehungslösung.

– Ein Verwacklungsschutz wäre sehr fein. Denn manchmal kann man das Stativ nicht dorthin stellen, wo es für ein Motiv stehen müsste.

Sonntagsrunde


Größere Kartenansicht

Mal wieder um den See geschraubt. Bei Kilometer 25 nette Plauderei mit einer Dame. Sie jenseits der 60, seit 40 Jahren auf dem Rad. Allerdings nicht auf dem, auf dem sie saß; das war maximal aus der vergangenen Saison.

Update: Herr Kaliban ist der Meinung, dass ich hier zu viel übers Radfahren schreibe. Ich denk drüber nach. Eigentlich will ich ja nur, das mal jemand mitkommt; dann bin ich still.

Gesine Schwan zu Besuch

Ehrlich gesagt, ich mag sie nicht. Diese Der-Promi-und-der-Wurm-Fotos. Doch jetzt mache ich mal eine Ausnahme. Und dann auch noch für mich. Für dieses Bild:

Gesine Schwan und ich haben uns vor gut zehn Jahren zum letzten Mal getroffen. Damals sprachen wir „Über die Demokratie in Amerika“ und Alexis de Tocqueville – es war meine Magisterprüfung in Politikwissenschaft. Uff, ist das lange her.

Heute war Gesine Schwan zu Besuch bei FOCUS Online, und es ging um die Demokratie in Deutschland sowie ihre Bewerbung um das Amt des Bundespräsidenten. Und auch wenn seit der Prüfung viel Zeit vergangenen ist, eines hat sich nicht geändert: ihre Herzlichkeit. Auch ihr theoretisches Fundament ist nach wie vor sehr, sehr fest.

Das Interview, das auf dieses Foto folgte, hat meine Kollegin Iris Mayer geführt. Ich war nur Beiwerk.

Danke, Martin Vogt, für das Foto. Vor allem dafür, dass ich erst hinterher gemerkt habe, dass Du fotografiert hast.

GEZ für Blogger

Vor nicht allzu langer Zeit saß ich als Gutachter in einem Gremium, das darüber zu befinden hatte, ob ein bestimmter Studiengang einer deutschen Hochschule eine sinnvolle Investition von Geld (des Landes) und Zeit (der Studenten) sein könnte. Dafür habe ich mich durch einen mehrere 100 Seiten starken Akkreditierungsantrag gefräst, ein paar Seiten Stellungnahme verfasst, bin gereist und habe mir die Hochschule höchstselbst angesehen, mit Professoren und Studenten gesprochen, um dann eine abschließende Beurteilung zu formulieren.

Ziemlich aufwendig, könnte ein spontaner Gedanke sein. Doch im Prozess an sich, der mit Bologna über die deutschen Hochschulen gekommen ist, war ich nur ein winziges Rädchen. Denn zuvor hatte die Professorenschaft 100 Seiten Antrag verfasst (die internen Korrekturschleifen mag ich mi nicht vorstellen), bei der Akkreditierungsagentur hat jemand das Werk gebrüft, es an Gutachter wie mich verschickt, hat die Begehung (so heißt der Besuch der Hochschule) organisiert und protokolliert – und zum Schluss wird sich noch eine Komission mit der Frage auseinandersetzen, ob der Studiengang wirklich anerkannt wird. Ja, so geht das heute.

Daran musste ich eben denken, als ich den Vorschlag des britischen Soziologen Richard Collins las. Er würde, wenn er dürfte, den öffentlich-rechtlichen Sendern Gebührengelder nehmen, um die an andere Medien zu verteilen, möglicherweise auch an Blogger. Sein Argument, wie es Carta zusammenfasst: Angesichts der wachsenden Bedeutung des Internets sei es an der Zeit, dass nicht mehr allein die Öffentlich-Rechtlichen von den Gebühren profitieren. Wer Qualität liefert, soll auch an den Trog, egal woher er kommt.

Klingt toll. Aber nur auf den ersten Blick. Denn wie könnte das praktisch funktionieren? Auch dazu hat Collins sich Gedanken gemacht; er schlägt eine Kommission vor, die das Geld verteilt.

Nun stelle ich mir gerade vor, ich wollte als Blogger an den Topf. Angesichts der schwachen Erlöslage in meinem Metier schlage ich mir also die Nächte um die Ohren und schreibe Anträge. Und solange ich das tue, leidet die Qualität, von der ich im Antrag behaupte, dass ich sie liefere. Antrag toll, Angebot vernachlässigt. Kein Geld für mich.

Und ich stelle mir vor, wie ich als Chefredakteur eines Onlinemediums merke, die Werbeerlöse reichen nicht mehr. Als Rettungsanker fällt mir der Collins-Topf ein. Ich schlage mir also die Nächte um die Ohren, um den Antrag zu schreiben und stelle mich der Kommission. Endlich die Entscheidung der Kommission, wir sind dabei. Also wir wären dabei, wenn wir nicht schon vor Monaten pleite gegangen wären.

Für Hochschulen mag so ein System funktionieren, ja es ist vermutlich sogar sinnvoll. Doch für den Journalismus, den das Internet in den vergangenen Jahren extrem beschleunigt hat, ist jede Kommission zu langsam.