Archiv der Kategorie: Alles und nichts

Sonntagsrunde


Größere Kartenansicht

Mal wieder um den See geschraubt. Bei Kilometer 25 nette Plauderei mit einer Dame. Sie jenseits der 60, seit 40 Jahren auf dem Rad. Allerdings nicht auf dem, auf dem sie saß; das war maximal aus der vergangenen Saison.

Update: Herr Kaliban ist der Meinung, dass ich hier zu viel übers Radfahren schreibe. Ich denk drüber nach. Eigentlich will ich ja nur, das mal jemand mitkommt; dann bin ich still.

Gesine Schwan zu Besuch

Ehrlich gesagt, ich mag sie nicht. Diese Der-Promi-und-der-Wurm-Fotos. Doch jetzt mache ich mal eine Ausnahme. Und dann auch noch für mich. Für dieses Bild:

Gesine Schwan und ich haben uns vor gut zehn Jahren zum letzten Mal getroffen. Damals sprachen wir „Über die Demokratie in Amerika“ und Alexis de Tocqueville – es war meine Magisterprüfung in Politikwissenschaft. Uff, ist das lange her.

Heute war Gesine Schwan zu Besuch bei FOCUS Online, und es ging um die Demokratie in Deutschland sowie ihre Bewerbung um das Amt des Bundespräsidenten. Und auch wenn seit der Prüfung viel Zeit vergangenen ist, eines hat sich nicht geändert: ihre Herzlichkeit. Auch ihr theoretisches Fundament ist nach wie vor sehr, sehr fest.

Das Interview, das auf dieses Foto folgte, hat meine Kollegin Iris Mayer geführt. Ich war nur Beiwerk.

Danke, Martin Vogt, für das Foto. Vor allem dafür, dass ich erst hinterher gemerkt habe, dass Du fotografiert hast.

GEZ für Blogger

Vor nicht allzu langer Zeit saß ich als Gutachter in einem Gremium, das darüber zu befinden hatte, ob ein bestimmter Studiengang einer deutschen Hochschule eine sinnvolle Investition von Geld (des Landes) und Zeit (der Studenten) sein könnte. Dafür habe ich mich durch einen mehrere 100 Seiten starken Akkreditierungsantrag gefräst, ein paar Seiten Stellungnahme verfasst, bin gereist und habe mir die Hochschule höchstselbst angesehen, mit Professoren und Studenten gesprochen, um dann eine abschließende Beurteilung zu formulieren.

Ziemlich aufwendig, könnte ein spontaner Gedanke sein. Doch im Prozess an sich, der mit Bologna über die deutschen Hochschulen gekommen ist, war ich nur ein winziges Rädchen. Denn zuvor hatte die Professorenschaft 100 Seiten Antrag verfasst (die internen Korrekturschleifen mag ich mi nicht vorstellen), bei der Akkreditierungsagentur hat jemand das Werk gebrüft, es an Gutachter wie mich verschickt, hat die Begehung (so heißt der Besuch der Hochschule) organisiert und protokolliert – und zum Schluss wird sich noch eine Komission mit der Frage auseinandersetzen, ob der Studiengang wirklich anerkannt wird. Ja, so geht das heute.

Daran musste ich eben denken, als ich den Vorschlag des britischen Soziologen Richard Collins las. Er würde, wenn er dürfte, den öffentlich-rechtlichen Sendern Gebührengelder nehmen, um die an andere Medien zu verteilen, möglicherweise auch an Blogger. Sein Argument, wie es Carta zusammenfasst: Angesichts der wachsenden Bedeutung des Internets sei es an der Zeit, dass nicht mehr allein die Öffentlich-Rechtlichen von den Gebühren profitieren. Wer Qualität liefert, soll auch an den Trog, egal woher er kommt.

Klingt toll. Aber nur auf den ersten Blick. Denn wie könnte das praktisch funktionieren? Auch dazu hat Collins sich Gedanken gemacht; er schlägt eine Kommission vor, die das Geld verteilt.

Nun stelle ich mir gerade vor, ich wollte als Blogger an den Topf. Angesichts der schwachen Erlöslage in meinem Metier schlage ich mir also die Nächte um die Ohren und schreibe Anträge. Und solange ich das tue, leidet die Qualität, von der ich im Antrag behaupte, dass ich sie liefere. Antrag toll, Angebot vernachlässigt. Kein Geld für mich.

Und ich stelle mir vor, wie ich als Chefredakteur eines Onlinemediums merke, die Werbeerlöse reichen nicht mehr. Als Rettungsanker fällt mir der Collins-Topf ein. Ich schlage mir also die Nächte um die Ohren, um den Antrag zu schreiben und stelle mich der Kommission. Endlich die Entscheidung der Kommission, wir sind dabei. Also wir wären dabei, wenn wir nicht schon vor Monaten pleite gegangen wären.

Für Hochschulen mag so ein System funktionieren, ja es ist vermutlich sogar sinnvoll. Doch für den Journalismus, den das Internet in den vergangenen Jahren extrem beschleunigt hat, ist jede Kommission zu langsam.

Viele Medien heißt nicht Vielfalt

Der Medienforscher Stephan Ruß-Mohl weist nochmal auf den Jahresbericht zum Zustand der amerikanischen Medien des Project for Excellence in Journalism hin. Und diese Sätze seiner kurzen Analyse machen mich sehr nachdenklich:

„Spannend an dem Bericht ist vor allem, wie sich der drastische Schrumpf-Prozess der Redaktionen auf die journalistische Qualität auswirkt. Die Forscher beobachten eine „deutliche Verengung“ der Berichterstattungs-Agenda. Paradoxerweise erhielten in einer „sich fragmentierenden Medienkultur“ immer weniger Themen Medienaufmerksamkeit, obschon sich die Zahl der Anbieter dank des Internets vervielfältige.“

Im Klartext heißt das: Die neuen Anbieter (im Internet) schreiben voneinander ab oder bedienen sich (automatischer) Agenturfeeds. Eigenständige Berichterstattung wird seltener. Zunächst in den USA, die in Sachen Zeitungskrise bekanntlich schon deutlich weiter sind als wir – selbst die Großstadtzeitungen verschwinden dort, in diesen Tagen geht es zum Beispiel ums Überleben des „Boston Globe“.

Über den zitierten Jahresbericht haben auch bereits FAZ-Netzökonom Holger Schmidt und Medienforscher Robin Meyer-Lucht geschrieben.