Archiv der Kategorie: Der Mac

Waschmaschinen zu Computern, Computer zu Waschmaschinen

Damals, das ist schon ein bisschen länger her, da bediente man eine Waschmaschine noch per Hand. Also zum Beispiel die Rührflügelmaschine von Jacob Christian Gottlieb Schäffern (1767) oder die erste Trommelwaschmaschine von Hamilton Smirt (1858). Irgendwann kam dann die Elektrizität in die Maschine (1901) und die Dinger begannen sich von selbst zu drehen. Die erste vollautomatische Waschmaschine (1946) war dann irgendwie ein logischer Schritt. Und seither waschen wir unsere Hemden und Hosen mit kleinen Computern. Die Maschinen spulen ihre Programme ab (die in meinem Haushalt nimmt diese noch von Lochstreifen und knackt dabei auf ihre ganze eigene Weise).

Mit der Waschmaschine ist es heute wie mit dem Auto der Jetztzeit: vollgestopft mit Elektronik. Und mit Software. In einschlägigen Foren in diesem Internet wurden deshalb auch schon Einträge wie dieser gesichtet: „Weiss jemand wie man die Software der Waschmaschine überprüfen kann, bzw. wie man sie updaten kann?“ Nein, weiß ich leider nicht. Und ehrlich gesagt, würde ich nicht versuchen. Beim Auto fiele mir das ja auch nicht ein. Ich will, dass es fährt, wenn es soll, und vor allem will ich, dass es bremst, wenn ich will. Funktioniert die Elektrik im Auto mal nicht wie sie sollte, dann gibt es ein Riesengeschrei zu Recht.

Mit Computern, zumindest mit den Mehrheitsrechnern, war das jahrzehntelang anders. Ein großer Softwarehersteller ließ gerne mal die Beta-Version seines Betriebssystems auf die Verbraucher los. Die konnten sich (kaum) nicht wehren, wir hatten ja (kaum etwas) nichts anderes. Irgendwann ist den Damen und Herren zum Glück die Vista aufgegangen und jetzt geht es wohl einigermaßen (ich höre hier und da, dass das Vor-Vorgänger-System aus dem Jahre Anno-Dazumal jetzt nach und nach aufs Altenteil geschoben wird).

Ja, wir haben gelitten. Aber es war trotzdem eine schöne Zeit. Irgendwie. Die Bastelarbeiten haben uns schließlich so manchen Abend davon abgehalten, uns vor dem Fernseher zu langweilen. Deshalb kann ich es ja verstehen, dass sich einige dort draußen jetzt beschweren, dass damit endgültig Schluss sein soll. Schließlich hat unser aller Steveness gerade das iPad vorgestellt, einen Kleincomputer, den meine ganzen Geek- und Nerd-Kumpels in diesem Twitter jetzt ihren Offline-Eltern schenken wollen. Warum? Weil er (sehr wahrscheinlich) funktioniert. Kein Kabelsalat, keine Tastatur, keine Maus – und keine Software, die seine Steveness nicht für gut und würdig befunden hat.

Das ist – im besten wie im schlechtesten Sinne – das Ende des Computers, wie wir ihn kannten. Wir waren es gewohnt, die Betriebssysteme, die nicht wirklich funktionierten, mit allerlei Programmen (heute sagt man Apps) zu füttern, von denen viele auch nicht richtig funktionierten. All das soll vorbei sein. Und wahrscheinlich können wir nicht mal etwas dagegen tun. Das ist umso ärgerlicher, als dass die Masche, mit der seine Steveness uns auf seine Seite gelockt hat, nicht eben fair war.

Er gab uns das iPhone. Vom ersten Moment an war es so viel schicker, als all die Dinge, die sich die Ingenieure in Finnland und anderswo ausgedacht hatten. Dann öffnete er es sogar noch für Entwickler. Seither sind die Apps das, was dereinst Klingeltöne waren. Nur viel, viel praktischer. Hier und da gab es zwar mal Einwürfe, seine Steveness gebärde sich sehr restriktiv an der Ladentheke und lasse nicht alles in den App-Store, was Mensch programmieren kann. Aber alles in allem gab es keine Grund sich zu beschweren. Mehr als das iPhone kann bis heute kein Taschencomputer.

Und jetzt kommt das iPad. Es sieht nicht nur aus wie ein zu groß geratenes iPhone. Es ist auch noch genauso verschlossen. Die ehemaligen Offline-Eltern werden nicht einfach mit Software aus dem Internet spielen können auf ihrem Weihnachtsgeschenk. Alles, was sie nach Meinung seiner Steveness brauchen, finden sie im App-Store. Dem einen oder anderen schmeckt das nicht (zum Beispiel der Free Software Fundation aus politischen und Adobe aus wirtschaftlichen Gründen). Ich kann das verstehen. Aber ist das schlimm?

Der App-Store für das iPad hat den unschätzbaren Vorteil, dass sich die ehemaligen Offline-Eltern der Geeks und Nerds einfach bedienen können. Angst vor Viren und Trojanern? Quatsch! Abstürzende Programme? Kann sein. Macht aber vermutlich nichts. Und wird nicht von Dauer sein. Der iPad ist eine Waschmaschine mit Internetanschluss. Nichts für Schrauber, weil zu komplex und vor allem zu verschlossen. Perfekt für jeden, der einfach nur seine Wäsche waschen im Netz hin und her surfen will (ja, erst wenn alle auf HTML5 umgesattelt haben, ich weiß).

An dieser Stelle – und ich komme damit auch zum Schluss – betritt ein (nicht so furchtbar populäres) Konzept aus der Wirtschaftswissenschaft die Bühne dieses Blogs: die Konsumentenethik. Die Idee ist mir zum ersten Mal 1998 begegnet, als ich das Vergnügen hatte, die Diplomarbeit meines lieben Freundes Kai kritisch zu würdigen. Extrem verkürzt geht es darum, dass Konsumenten ja auch die Wirtschaft in der Hand haben, nämlich durch ihre Kaufentscheidungen. Voraussetzung: Man gibt ihnen ausreichend Informationen an die Hand, um mündig und gern auch ethisch zu entscheiden).

Zum iPad – das ist ja das Schöne an dieser Welt des Überflusses – gibt es mehr als genug Informationen (und Meinungen) da draußen. Es wird eine Schwemme an Testberichten geben. Dann kann jeder selbst entscheiden, ob das Ding gut (und ethisch) ist oder nicht. Wem das geschlossene System seiner Steveness nicht passt, der kann sich ja einfach einen richtigen Computer kaufen. Die wird es ja auch noch nach April 2010 geben, hört man. Das gilt übrigens auch für den B2B-Bereich: Mal die Musikindustrie fragen wie es ist, wenn man verschläft und plötzlich feststellt, an Apple kommt keiner mehr vorbei.

Zum Schluss eine persönliche Erklärung: Ich habe sie alle gehabt. DOS, Windows (in den Darreichungsformen 3.1, 95, 98, NT, 2000, XP, Vista (3 Tage) und 7), Linux (als Suse, Ubuntu und Moblin (drei Tage)), Mac OS (seit Tiger). Ich liebe Mac OS (privat und als Nutzer), ich liebe Linux (privat und politisch), ich lebe mit Windows (beruflich). Ach ja, ich liebe auch mein iPhone (beruflich und irgendwie auch privat).

(Die kleine Geschichte der Waschmaschine habe ich Wikibedia entliehen.)

Update: Martin macht sich drüben auf seinem posterous benachbarte Gedanken zu unserem und ihrem Web.

Kostenloskultur und das Missverständnis mit dem Preis

Immer wieder echauffieren sich Kollegen darüber, wie jetzt eben Hans-Peter Siebenhaar, dass es im Internet alles umsonst gebe, vor allem natürlich darüber, dass Journalismus kostenlos zu haben sei. Auf den erstenBlick ist das tatsächlich so. Wir lesen, lesen, lesen, ohne dafür einen Euro auszugeben, überall im Netz. Doch kostenlos sind die Inhalte deshalb trotzdem nicht. Denn jedes vermeintlich kostenlose Produkt im Netz setzt auf Werbung.Der Nutzer bezahlt also, indem er sich die Werbung ansieht – und auf Banner undTextanzeigen klickt.

Wenn nun Rupert Murdoch sich entschieden hat, sei „Wall Street Journal“ doch nicht komplett kostenlos ins Netz zu stellen, dann ist das – im Gegensatz zu Siebenhaars Vermutung – eine sehr, sehr schlechte Nachricht. Das liegt nicht daran, dass die Entscheidung nicht in die Zeit passt, weil „New York Times“ und „Focus“ ihre Archive gerade geöffnet haben, der „Spiegel“ das ebenfalls tun wird und ganz bestimmt weitere nachziehen werden.

Offenbar hat Murdoch festgestellt, dass sich Journalismus in der Qualität, wie ihn sein Journal liefert, nicht einmal für einen Markt wie die USA und den Rest der Englisch sprechenden Welt über Werbung finanzieren lässt. Da könnte man jetzt fragen: Und? Dann eben über Abos. Aber wird das gehen? Ich vermute: nein. Vielleicht gerade noch beim Journal, die meisten Medien werden jedoch mit Paid Content auch in Zukunft keine Chance haben. Ihnen bleibt allein Werbung.

In Deutschland wird es jenseits der Stiftung Warentest kaum Angebote geben, die mit ihren exklusiven Inhalten nennenswerten Umsatz im direkten Geschäft mit ihren Lesern machen. Selbst für Fachmedien dürfte das schwer werden. Damit stehen jedoch die Verlage vor einem echten Problem: Die Auflagen von Tageszeitungen und Fachmagazinen sind seit Jahren rückläufig, ein Trend, der sich kaum noch umkehren wird. Ersetzt das Netz mit seinen Werbemodellen den Erlöszweig Printwerbung also nicht – und eben das lässt Murdochs Entscheidung vermuten -, dann sieht es für Qualitätsjournalismus wirklich düster aus.

Bei Gelegenheit rechne ich dann mal aus, in welchem Verhältnis bei Holz- und Onlinemedien Herstellungskosten zu Vertriebs- und Anzeigenerlösen stehen. Mein Vermutung: Zumindest auf dem Berliner Zeitungsmarkt, wo „Tagesspiegel“ und „Berliner Zeitung“ nicht einmal einen Euro kosten, decken die Vertriebserlöse allenfalls die Kosten, die ein Onlinemedium gar nicht hat. Damit wären die Inhalte kostenlos, genau wie im Internet.

Nachtrag: Zum Thema, erst jetzt gelesen.

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Neue Abhängigkeit

Als ich neulich mal wieder Lust auf ein neues Betriebssystem bekam (und nebenbei beim vierten Defekt in zweieinhalb Jahren von diesem Notebook dann doch ziemlich enttäuscht war), begann die Idee eines Wechsels in mir zu wachsen – und ich geriet schnell in den Sog einer neuen Abhängigkeit.

Noch bevor er hier auf dem heimischen Schreibtisch Platz nahm, wurden Mac Essentials und die anderen Schmetterlingsgefühlmacher der Mac-Gemeinde zum Zentrum meines täglichen Nachrichtenhungers. Denn ein Wechsel ins Apple-Lager bot sich nur an, wenn es auch das passende Notebook gibt. Seitdem die MacBooks da sind, geht es schon ein bisschen besser. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass Apple mir eins zuteilt. Und suche täglich nach Hinweisen auf ein Ende der offensichtlichen Lieferengpässe.

Ich fürchte allerdings, dass das alles erst der Beginn einer neuen Sucht ist. Die Dinger sind nicht nur eingeschaltet furchtbar hübsch.