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	<title>Björn Sievers</title>
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	<description>Berater &#124; Dozent &#124; Radfahrer</description>
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		<title>Der entfesselte Skandal – eine neue Typologie von (Online-) Aff&#228;ren</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 11:27:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Der Nutzer]]></category>
		<category><![CDATA[Die Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Lewinsky-Aff&#228;re, der Folterskandal von Abu-Ghuraib und die Kampagne gegen Palm&#246;l in Nestlé-Schokoriegeln von Greenpeace – auf den ersten Blick haben diese drei Geschichten nichts gemein. F&#252;r die beiden Medienforscher Hanne Detel und Bernhard P&#246;rksen von der Uni T&#252;bingen geh&#246;ren &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2012/05/06/der-entfesselte-skandal-eine-neue-typologie-von-online-affaren/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Lewinsky-Aff&#228;re, der Folterskandal von Abu-Ghuraib und die Kampagne gegen Palm&#246;l in Nestlé-Schokoriegeln von Greenpeace – auf den ersten Blick haben diese drei Geschichten nichts gemein. F&#252;r die beiden Medienforscher Hanne Detel und Bernhard P&#246;rksen von der Uni  T&#252;bingen geh&#246;ren sie dennoch zusammen. Es sind drei der 15 Aff&#228;ren und Skandale der vergangenen Jahre, die sie in ihrem gerade erschienen Buch „Der Entfesselte Skandal“ sezieren.</p>
<p>Ihre These: Es ist unendlich leicht geworden, sich zu emp&#246;ren. Der Skandal ist allgegenw&#228;rtig, er ist zu einer Art „Medium der Medien“ geworden. Gleichzeitig k&#246;nnen nicht mehr nur traditionelle Medien Skandale aufsp&#252;ren und &#246;ffentlich machen. Das Netz gibt heute jedem die M&#246;glichkeit, den Skandal-Scoop zu landen.</p>
<p><strong>Skandale lauern scheinbar &#252;berall</strong></p>
<p>Man k&#246;nnte meinen, Detel und P&#246;rksen h&#228;tten absichtlich auf einen H&#246;hepunkt in der Ausmerksamkeit f&#252;r ihr Thema hingearbeitet. Schlie&#223;lich sind die Skandale im Netz, die Shitstorms unserer Zeit, gerade erst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Auch weniger netzaffine Menschen haben verstanden, dass es dieses Ph&#228;nomen gibt. Allerdings konnten die Forscher kaum wissen, dass die Debatte gerade jetzt anziehen w&#252;rde, als sie ihre zweifellos akribische Arbeit begonnen haben.</p>
<p>Shitstorms k&#246;nnen jeden treffen. Die INGDiba dachte vermutlich, dass sie einen (hoffentlich) wirkungsvollen, im Kern aber harmlosen Werbespot drehte, als sie den Baskettballer Dirk Nowitzki in eine Metzerei schickte und ihm eine Scheibe Wurst zu essen gab. Ein paar Vegetarier interpretierten die Botschaft (vermutlich Tradition und Bodenst&#228;ndigkeit) auf ihre Weise und &#228;u&#223;erten ihr entsetzten, dass die Bank zum Tiere essen aufrufe. Und sie taten dies &#246;ffentlich, vor einem potenziell weltweiten Publikum. Im Netz, vor allem auf Facebook.</p>
<p><strong>Skandale jenseits des banalen Shitstorms</strong></p>
<p>Was dieses Beispiel zeigt: Der n&#228;chste Shitstorm und damit der n&#228;chste Skandal oder die n&#228;chste Skandalisierung lauert hinter (fast) jeder Aktion, die ein Unternehmen oder eine einzelne Person unternimmt. Shitstorms sind Teil unserer Online-Welt. F&#252;r Detel und P&#246;rksen sind sie gleichwohl nur ein kleiner Teil der entfesselten Skandale unserer Zeit. Ihre Analyse ist breiter, sie greift tiefer. Im Mittelpunkt ihres Interesses steht der Kontrollverlust – ausgel&#246;st durch mangelnde Medienkompetenz, Unachtsamkeit, absichtliche Indiskretion oder schlicht Datendiebstahl.</p>
<p>“Man kann sich (…) beim besten Willen nicht vorstellen, was mit den eigenen Daten geschieht, wer sie pl&#246;tzlich zu sehen bekommt, in welchen Kombinationen und Kontexten sie eines Tages auftauchen“, schreiben Detel und P&#246;rksen. Das wissen wir wirklich nicht. Vermutlich haben noch nicht einmal Google und Facebook eine Vorstellung davon, was sie mit den Datenbergen, die sie anh&#228;ufen, in drei oder f&#252;nf Jahren werden anfangen k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Ordnung f&#252;r eine Welt des Kontrollverlusts</strong></p>
<p>Detel und P&#246;rksen gehen in ihrer Betrachtung weit &#252;ber das blo&#223;e Nachzeichnen von Shitstorms und anderen Skandalen hinaus. Sie ordnen ein. Dabei zeigen sie weder mit dem Finger auf die Akteure oder Opfer (wie es die vermeintliche digitale Elite mit ihren „selbst Schuld“-Postings zuweilen tut), noch reihen sie sich ein in das Wehklagen der Digitalverweigerer, die nicht nur Shitstorms, sondern am besten gleich das ganze Internet abstellen w&#252;rden. Damit ist „Der entfesselte Skandal“ ein wichtiger Beitrag zur Debatte um unsere Daten und den Kontrollverlust, den das Internet automatisch mit sich bringt.</p>
<p>Wir werden die Kontrolle nicht wieder erlangen, soviel ist sicher. Wir m&#252;ssen lernen, auch ohne sie auszukommen – auch und gerade wir in der Kommunikation. Vielleicht ist dies die einzige Schw&#228;che des Buchs von Detel und P&#246;rksen: Die beiden Forscher analysieren die Skandale umfassend und sie finden Muster in vermeintlich unzusammenh&#228;ngenden Ereignissen, Muster des Kontrollverlustes in der digitalen Welt. Was fehlt, sind Handlungsanweisungen. Was k&#246;nnen wir tun, um auch ohne Kontrolle leben zu k&#246;nnen? M&#252;ssen wir uns mit den entfesselten Skandalen schlicht arrangieren, werden sie gar weniger wichtig, weil es so viele, ja zu viele Aff&#228;ren gibt? Vermutlich trifft beides zu.</p>
<p><em>„Der entfesselte Skandal – Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ von Bernhard P&#246;rksen und Hanne Detel ist im Herbert von Halem Verlag erschienen und kostet 19,80 Euro. Die Autoren waren so freundlich, uns vorab ein Exemplar zuzusenden.</em></p>
<p>(Zweitverwertung: Der Beitrag ist zuerst auf dem deutschen <a href="http://www.public-engagement.de/2012/05/der-entfesselte-skandal-eine-neue-typologie-der-online-affaren/">Edelman-Blog erschienen</a>.)</p>
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		<title>iPad, Fire und der m&#252;ndige Nutzer</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 06:20:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Der Nutzer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Gest&#228;ndnis gleich am Anfang: Ich bin Anh&#228;nger der Konsumentenethik. (F&#252;r die drei treuen Leser dieses Blogs ist das nicht neu.) Die Konsumentenethik ist ein Teilgebiet der Wirtschaftsethik. Grob gesprochen geht die Theorie davon aus, dass wir Menschen durch unser &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2011/10/19/ipad-fire-und-der-mundige-nutzer/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Gest&#228;ndnis gleich am Anfang: Ich bin Anh&#228;nger der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsethik#Konsumentenethik">Konsumentenethik</a>. (F&#252;r die drei treuen Leser dieses Blogs ist das <a href="http://bjoern-sievers.de/2009/04/27/kosumentenethik-und-das-internet/">nicht neu</a>.) Die Konsumentenethik ist ein Teilgebiet der Wirtschaftsethik. Grob gesprochen geht die Theorie davon aus, dass wir Menschen durch unser Kaufverhalten die Wirtschaft beeinflussen. Auf den Punkt gebracht, k&#246;nnte man formulieren: &#220;ber Erfolg oder Misserfolg eines Produktes oder eines Unternehmens entscheidet eine Abstimmung mit den F&#252;&#223;en: Kaufen oder nicht kaufen, das ist die Frage. Was nicht gef&#228;llt, bleibt liegen. Punkt.</p>
<p>Ein h&#252;bsches Lehrst&#252;ck in Sachen der Konsument und die Ware hat uns gerade das iPhone 4S beschert. Auf die Vorstellung des neuen Apple-Telefons folgte dieses Mal nicht der Jubel der Fanboys und Fanzines. Die Reaktionen reichten in der Mehrheit von Zur&#252;ckhaltung bis Entt&#228;uschung: Sieht aus wie 4 und steht auch ‘ne 4 drauf. Trotzdem ist das 4S das iPhone mit den meisten Bestellungen in den ersten 24 Stunden: <a href="http://www.apfeltalk.de/forum/content/2623-million-iphone-vorbestellungen.html">Eine Millionen St&#252;ck hat Apple mit einem Fingerschnipp verkauft</a>. Eine Abstimmung per Kreditkarte. Die K&#228;ufer haben entschieden, dass sie das Telefon haben wollen &#8211; und eben nicht auf die Ausgabe 5 warten. (Inzwischen gibt es die ersten Tests, und die fallen <a href="http://www.google.de/search?sourceid=chrome&#038;ie=UTF-8&#038;q=iphone+4s+test">deutlich positiv aus</a>.)</p>
<p><strong>M&#252;ndigkeit und der B&#252;rger</strong></p>
<p>Als Anh&#228;nger der Konsumentenethik vertraue ich auf die M&#252;ndigkeit des B&#252;rgers. Die meisten Menschen wissen, was gut f&#252;r sie ist. Am Ende muss doch jeder von uns seinen eigenen Weg gehen. Und selbst dann, wenn ich das Gef&#252;hl habe, jemand wei&#223; vielleicht gerade mal nicht, was ihm gut tut, dann liegt das vermutlich an meinen eigenen Ma&#223;st&#228;ben. Die eigenen Ma&#223;st&#228;be, das ist immer nur etwas f&#252;r einen selbst. </p>
<p>Als sehr schade empfinde ich es deshalb, wenn Menschen anderen Menschen die F&#228;higkeit zum Denken absprechen. Das Gef&#252;hl hatte ich j&#252;ngst zum Beispiel bei <a href="https://twitter.com/#!/PatrickBeuth" title="Patrick Beuth bei Twitter">Patrick Beuth</a> von ZEIT ONLINE. Er schreibt unter der &#220;berschrift <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-10/amazon-walled-garden/seite-1">“Der &#8216;Walled Garden&#8217; ist kein Garten”</a> &#252;ber Apples iPad und Amazons Kindle Fire: <em><br />
<blockquote>“Die Ger&#228;te werden nicht gebaut, um ihren Besitzern einen mobilen Zugang zum Internet zu erm&#246;glichen. Vielmehr sollen die Nutzer in der Welt der beiden Unternehmen verbleiben und dort konsumieren.”</p></blockquote>
<p></em></p>
<p>In diesen beiden S&#228;tzen steckt vermutlich ebenso viel Wahrheit wie Quatsch. Vor allem aber stellen sie die K&#228;ufer (Disclaimer: Ich besitze ein iPad.) als entweder willenlos oder eindimensional dar.</p>
<p><strong>Die Wahrheit:</strong> Ja, mit dem iPad kann man Musik, B&#252;cher und seit iOS auch Zeitschriften (oder wie hei&#223;t das auf elektronisch?) kaufen. Die T&#252;ren zu Apples Medienwelten: vorinstalliert. Bei Amazon: das gleiche Vorgehen. Fire-Besitzer, so w&#252;nscht es sich Amazon, kaufen bei Amazon ein, am besten nicht nur digitale Produkte. (Dass das auch tats&#228;chlich so kommen k&#246;nnte, beweisen ein paar <a href="http://www.nytimes.com/2011/10/16/technology/default-choices-are-hard-to-resist-online-or-not.html?_r=3&#038;partner=rss&#038;emc=rss">Studien</a>.)</p>
<p><strong>Der Quatsch:</strong> Die Ger&#228;te sind weit mehr als Fernbedienungen f&#252;r Vertriebsplattformen. Das iPad w&#228;re sonst nicht so erfolgreich (ob der Kindle Fire ein Erfolg wird, wissen wir ja noch nicht).</p>
<p>Wie viel Quatsch in diesen beiden S&#228;tzen steckt, kann jeder anhand des eigenen Verhaltens &#252;berpr&#252;fen. Ich kaufe hin und wieder Musik bei iTunes. H&#228;ufiger jedoch bei Amazon. Und manchmal sogar noch auf CD. Das iPad hat mich noch nie daran gehindert bzw. in den iTunes-Store gezwungen. Beim iPad spricht au&#223;erdem die Marge gegen das Argument, das Ger&#228;t sei nur eine &#214;llampe neuen Typs. </p>
<p>Einen weiteren Beweis daf&#252;r, dass die Argumentation von Patrick Beuth mindestens einseitig ist, liefert uns die real existierende App-Kultur: Warum basteln Tausende Unternehmen Anwendungen f&#252;rs iPad, wenn das Ger&#228;t am Ende doch nur eine T&#252;r zu Apples Konsumwelt ist?</p>
<p><strong>Das iPad ist keine &#214;lkanne</strong></p>
<p>Das Prinzip, das Apple und Amazon anwenden (ohne es den K&#228;ufern ihrer Ger&#228;te aufzuzwingen), ist so alt wie die popul&#228;re Version des Netzes (wenn wir das Prinzip &#214;llampe mal au&#223;en vorlassen). AOL h&#228;tte neue Kunden gerne ins AOL-”Internet” eingeschlossen, die Mobilfunkbetreiber bauten ihr mobiles “Internet”, Microsoft installierte den Internet Explorer als Standard-Browser und integrierte ihn so fest ins Betriebssystem, dass man ihn kaum deinstallieren konnte, ohne den eigenen Rechner zu schrotten.</p>
<p>Und, was ist daraus geworden? Microsoft hatte den Browser-Krieg gewonnen, dann aber &#252;ber Jahre Entwicklungen verschlafen, Marktanteile verloren und erst j&#252;ngst technisch wieder aufgeschlossen. AOL ist tot, mehr oder minder. Und wer surft heute eigentlich noch auf Vodafone live? Gibt es das noch?</p>
<p>Was diese und viele andere Beispiele zeigen: Aussagen &#252;ber das Netz (und seine Konsumwelten) k&#246;nnen sich immer nur auf eine Momentaufnahme beziehen. Kurze Zeit sp&#228;ter hat sich das ganze Spiel vielleicht schon wieder gedreht haben. Au&#223;erdem sind die Menschen nicht doof. Nur weil iTunes oder der Amazon-Store vorinstalliert ist, hei&#223;t das noch lange nicht, dass ich bevorzugt oder gar nur dort kaufe.</p>
<p><strong>Schussendlich: </strong>Die App, die ich auf meinem iPad am meisten liebe, ist der Browser. Vermutlich h&#228;tte ich das Ding sogar gekauft, wenn es nur diese eine App g&#228;be (dann w&#228;ren wir in Sachen HTML5 wohl auch schon weiter und h&#228;tten uns diesen App-Umweg gespart). Und &#252;brigens: Mit dem Browser, auch mit dem Safari auf dem iPad, kommt man, oh Wunder, ins Internet. Das soll ja auch mit dem Fire gehen, sehr schnell sogar, weil Amazon die Anfragen &#252;ber die eigenen Server leitet und dort das (halbe) Internet im Cache hat. Aber das ist eine andere (Datenschutz-) Geschichte&#8230;</p>
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		<title>Gl&#252;ckliche Zuf&#228;lle im Netz &#8211; eine Erwiderung auf Miriam Meckel</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 06:23:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Der Nutzer]]></category>
		<category><![CDATA[Algorithmen]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<description><![CDATA[Algorithmen spielen eine gro&#223;e Rolle in unserem Alltag. Amazon schl&#228;gt uns B&#252;cher oder Haushaltselektronik vor, Apple Musik und die Singleb&#246;rse den potenziellen Traumpartner f&#252;rs Leben. Nicht zu vergessen nat&#252;rlich: Googles Algorithmus, der f&#252;r jeden Nutzer induviduelle Ergebnisse ausspuckt (vorausgesetzt, die &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2011/10/17/gluckliche-zufalle-im-netz-eine-erwiderung-auf-miriam-meckel/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Algorithmen spielen eine gro&#223;e Rolle in unserem Alltag. Amazon schl&#228;gt uns B&#252;cher oder Haushaltselektronik vor, Apple Musik und die Singleb&#246;rse den potenziellen Traumpartner f&#252;rs Leben. Nicht zu vergessen nat&#252;rlich: Googles Algorithmus, der f&#252;r jeden Nutzer induviduelle Ergebnisse ausspuckt (vorausgesetzt, die Suchmaschine erkennt ihn). Unser Leben, mathematisch genau berechnet. Im Voraus. Welche Bedeutung die angewandte Computermathematik hat, kann man zum Beispiel in der “Welt am Sonntag” nachlesen: Thomas J&#252;ngling schreibt &#252;ber <a href="http://www.welt.de/wissenschaft/article13660447/Die-unheimliche-Macht-der-Algorithmen.html">“Die unheimliche Macht der Algorithmen”</a>.</p>
<p>Fast scheint es, als h&#228;tte das Nachdenken &#252;ber Algorithmen gerade Kultur. Denn warum sonst h&#228;tte die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel gleich ein ganzes Manifest zum Thema geschrieben: Unter dem Titel <a href="http://digitalserendipity.org/">“Rettet den Zufall”</a> warnt sie vor einer Welt, in der Algorithmen zu viel oder sogar alle Macht &#252;ber uns haben. Die &#220;berschrift der englischen Version, die Meckel in der vergangenen Woche &#8211; etwas nach dem deutschen Text &#8211; auf ihrem Blog gepostet hat, klingt noch ein bisschen eleganter: <a href="http://www.miriammeckel.de/2011/10/11/sos-save-our-serendipity/">SOS &#8211; Save Our Serendipity</a>.</p>
<p><strong>Welt ohne Zufall</strong></p>
<p>Folgt man Meckel, dann gehen uns in einer zunehmend digitalisierten Welt die gl&#252;cklichen Zuf&#228;lle, die unerwarteten Entdeckungen und die unvorhergesehenen Begegnungen verloren: das Buch, das man im Buchladen zuf&#228;llig aufnimmt, die Reportage in der Zeitung, die man liest, nicht ahnend, dass einen das Thema interessieren w&#252;rde. Vielleicht verschlie&#223;en wir sogar unsere Augen vor dem potenziellen Lebenspartner, nur weil er uns nicht auf einem Bildschirm pr&#228;sentiert wird, sondern im Café am Nachbartisch sitzt.</p>
<p>Meckels These lautet im Kern: Algorithmen machen unser Leben eindimensionaler, sie schreiben unsere Vorlieben bis in die Ewigkeit fort, sie reduzieren uns auf eine einzige Identit&#228;t und sie machen uns am Ende zu Produkten.</p>
<p>Ist das wirklich so? Nimmt das Netz uns (alle gewohnten) &#220;berraschungen im Leben? Und bietet es uns keine neuen? Eine Erwiderung.</p>
<p><strong>Ein Leben ohne Algorithmen</strong></p>
<p>Erinnern wir uns an die Zeit vor dem Netz, den Alltag ohne Computer und Algorithmen: Das Leben war, um es auf den Punkt zu bringen, &#252;berschaubar. Wer wie ich in einer typischen deutschen Stadt mittlerer Gr&#246;&#223;e aufgewachsen ist, der hatte eine oder zwei Lokalzeitungen, zwei bis drei Plattenl&#228;den, noch einmal so viele Buchl&#228;den, ein paar Kinos, davon nur ein Programmkino, das anders sein wollte &#8211; und ein Theater. Neue Musik kam aus dem Radio, manchmal auch als unbekannte Vorgruppe auf die B&#252;hne. Wir waren also immer und &#252;berall darauf angewiesen, dass jemand, ein Mensch, der einen Beruf gelernt hatte, die Welt f&#252;r uns vorsortierte: der Buchh&#228;ndler, der Konzertveranstalter, der Redakteur. Es gab gl&#252;ckliche Zuf&#228;lle, die Neues ins eigene Leben schaufelten, sicher mehr als in der Kindheit und Jugend meiner Eltern oder Gro&#223;eltern. Es war wie es war, kein Grund, sich zu gr&#228;men, aber auch keiner, die Vergangenheit zu glorifizieren.</p>
<p><strong>Und heute?</strong> Das Netz hat das Leben ver&#228;ndert, vor allem, indem es mehr M&#246;glichkeiten, mehr Vielfalt gebracht hat. Grenzen gibt es kaum noch. Allein die Festplatte kann voll laufen, dann kaufen wir eben eine neue. Manchmal entdecke ich Musik auf meinem Rechner, von der ich nicht wusste, dass ich sie habe. Wenn ich bei Dussmann in Belin bin (ja, ich kaufe gelegentlich dort Tontr&#228;ger), habe ich meinen iPod dabei, das ist so ein klobiger mit Festplatte, wie sonst sollte ich sicherstellen, dass ich nicht eine CD kaufe, die ich schon l&#228;ngst digital besitze. In diesen Momenten w&#252;rde ich mir w&#252;nschen, dass mich ein Algorythmus an die Hand nimmt und mir bedeutet, dass ich die Platte l&#228;ngst habe und sie nun doch endlich ausreichend w&#252;rdigen sollte.</p>
<p>Wir leben in einer Welt, in der die Vielfalt uns zu &#252;berfordern, ja manchmal zu erschlagen droht. Da kann es nicht schaden, wenn hin und wieder ein Algorithmus eingreift, um die eine oder andere Farbschattierung auf der Palette auszublenden. Wie sollte ich mich bei iTundes oder Amazon zurecht finden, wenn ich nur einen Suchschlitz und keine Vorschl&#228;ge h&#228;tte? Im Laden gibt es doch auch Regale und nicht nur einen Tresen mit Verk&#228;ufer, der W&#252;nsche entgegen nimmt. Als es diese L&#228;den noch gab, stand Tante Emma hinter dem Tresen, und die wusste sehr genau, was ich immer kaufte.</p>
<p><strong>Die Digitalisierung als Vernichter des Zufalls?</strong></p>
<p>Das Argument, durch die Digitalisierung ginge der gl&#252;ckliche Zufall verloren, ist eines von Zeitungsmachern, die mit der Vielfalt ihres Blattes argumentieren, das liefert, was andere f&#252;r mich ausgesucht haben &#8211; und mich allein deshalb zu Dingen geleitet, f&#252;r die ich mich ohne Zeitung nicht interessiert h&#228;tte. Kein schlechtes Konzept. Ich liebe Zeitungen. Sonntags. Dass das Argument in der Realit&#228;t keine Bedeutung hat, belegen Untersuchungen, nach denen das Feuilleton nur von einer sehr kleinen Gruppe Leser zur Kenntnis genommen wird. Eine Zeitung ist die Chance auf eine Begegnung mit dem gl&#252;cklichen Zufall, die in den meisten F&#228;llen ungenutzt im Altpapier endet.</p>
<p>Ich behaupte, so ganz subjektiv, dass ich ihn heute h&#228;ufiger treffe als fr&#252;her, den gl&#252;cklichen Zufall. Im Netz, ganz oder halb digital. Er kommt als Link zum Video eines Vortrags, den ich sonst nicht geh&#246;rt h&#228;tte, er kommt als Text in einem Blog, &#252;ber den ich gestolpert bin, obwohl ich weder Blog, noch Autor kannte. Er kommt als reale Begegnung mit einem Menschen, den ich nur aus dem Netz kannte und vor dem ich unerwartet stehe &#8211; typischerweise erkennen wir uns, weil wir uns schon auf Twitter “gesehen” haben. Das Netz hat mir in den bald zwei Jahrzehnten, die ich es nutze, gef&#252;hlt deutlich mehr gl&#252;ckliche Zuf&#228;lle beschert als mein analoges Leben dereinst.</p>
<p><strong>Vielfalt und Bindung</strong></p>
<p>Eines aber hat sich sicher nicht zum Besseren ver&#228;ndert: In meiner Jugend musste ich k&#228;mpfen f&#252;r die Musik, die ich h&#246;ren wollte. Ich habe meine Eltern w&#228;hrend eines London-Besuchs irgendwann in den 1980er Jahren extrem genervt, weil ich in jeden Plattenladen musste, um Singles und LPs zu kaufen, die ich daheim nicht bekommen konnte. Zu dieser Musik habe ich heute noch eine sehr emotionale Beziehung, intensiver alls zu den meisten St&#252;cken, die ich sp&#228;ter entdeckt habe.</p>
<p>Die Schlussfolgerungen von Miriam Meckel kann ich &#252;brigens unterschreiben: Wir brauchen definitiv eine fundiertere Debatte &#252;ber das Netz und seinen Einfluss auf unseren Alltag. Und ganz bestimmt brauchen wir auch Ungewissheit und Zweifel sowie Medien, die von Redaktionen und nicht von Computern gemacht werden. Ungewissheit und Zweifel sehe ich derzeit mehr denn je. Algorithmen haben ihren Teil dazu beigetragen, zur Finanzkrise zum Beispiel. Die traditionellen Medien haben wir (noch), sie brauchen nur dringend eine neue Finanzierungsgrundlage.</p>
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		<title>Der Tod in der Timeline</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 06:30:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Der Nutzer]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Timeline]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
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		<description><![CDATA[“Robin ist der dritte Tote in meiner Timeline.” Ein Satz in einem Gespr&#228;ch in der vergangenen Woche, nicht einfach so dahin gesagt, im Gegenteil. Aufgeladen mit Trauer, Demut, Unverst&#228;ndnis und vor allem vielen Fragezeichen. Ein Satz, der mich sehr nachdenklich &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2011/09/26/der-tod-in-der-timeline/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>“Robin ist der dritte Tote in meiner Timeline.” Ein Satz in einem Gespr&#228;ch in der vergangenen Woche, nicht einfach so dahin gesagt, im Gegenteil. Aufgeladen mit Trauer, Demut, Unverst&#228;ndnis und vor allem vielen Fragezeichen. Ein Satz, der mich sehr nachdenklich gemacht hat.</p>
<p>Wir haben in dem Gespr&#228;ch schnell festgestellt, dass wir die drei Toten beide kannten, zumindest im digitalen Sinne. Der erste war ein entfernter digitaler Bekannter von mir, der zweite ein digitaler Weggef&#228;hrte (fast) meiner ersten Stunden im Netz, getroffen in einer Mailingliste in den 1990er Jahren, der immer &#252;berall diskutierte, wo ich debatierte oder las. Und nun <a href="http://www.faz.net/artikel/C30833/zum-tod-des-netzpublizisten-robin-meyer-lucht-meister-der-debatte-30690497.html">Robin Meyer-Lucht</a>, der erste Tote in meiner Timeline, den ich nicht nur digital, sondern auch pers&#246;nlich kannte &#8211; und dessen Tod mich auch deshalb sehr ber&#252;hrt. Ich habe Robin sehr gesch&#228;tzt, seine Arbeit bewundert. Au&#223;erdem waren wir verabredet, aber er ist nicht gekommen. Inzwischen wei&#223; ich, dass er nicht mehr kommen konnte.</p>
<p><strong>Der erste Tote</strong></p>
<p>Alle drei Toten eint eines: Sie waren j&#252;nger als ich, als sie gestorben sind. Das ist das Verst&#246;rende an ihrem Tod. Er ist anders als der des ersten Toten in meiner Timeline &#8211; zu einer Zeit, da wir das noch nicht Timeline nannten. W. war pensionierter Redakteur einer Zeitung in Norddeutschland, und er diskutierte mit uns, mit all den Medienmenschen, die sich in einer Mailingliste trafen. Er war einer der Exoten unter uns, denn die meisten Mitglieder der Liste hatten allenfalls ein paar Jahre gearbeitet. W. hatte sein Berufsleben bereits hinter sich. Verabschiedet hat er sich mit einer E-Mail. Er hatte den Text vorbereitet und jemand verschickte ihn in seinem Namen, nachdem er gestorben war. W. sagte &#8220;leise tsch&#252;ss&#8221;.</p>
<p>Ich wei&#223; nicht, wie alt W. war, als er starb. Aber als Rentner war er in einem Alter, in dem Menschen sterben. Wir haben um ihn getrauert in der Liste. Verst&#246;rt hat uns sein Tod nicht, soweit ich mich erinnere. Das ist jetzt anders.</p>
<p><strong>Tod als Missgeschick</strong></p>
<p>Der Tod ist nicht vorgesehen, nicht in der Timeline. Und eigentlich auch sonst nicht. Er passt nicht in dieses Leben mit seinen Sicherheitsgurten hier und dort &#8211; und eigentlich &#252;berall. Ja, ich finde es richtig, wass wir unsere Kinder im Auto heute anschnallen, anders als damals in den 1970ern, als ich zum ersten Mal im Auto herum gefahren wurde. Aber ich habe immer wieder den Eindruck, dass wir den Tod ausklammern, ihn nicht (mehr) als Teil des Lebens akzeptieren. Besonders gilt das f&#252;r unser virtuelles Leben.</p>
<p>Beispiel Facebook: Das gr&#246;&#223;te soziale Netzwerk hat erst in der vergangenen Woche verk&#252;ndet, dass es unser Lebensarchiv werden will. Spannend, sicher. Aber von einem Reset-Knopf f&#252;r den Fall des Todes habe ich nichts gelesen. (Erg&#228;nzung: Tats&#228;chlich hat Facebook einen solchen <a href="http://www.facebook.com/help/contact.php?show_form=deceased">Knopf</a>.) Ich glaube aber, genau diesen Knopf werden wir brauchen (nicht nur f&#252;r Facebook). Denn vielleicht war fr&#252;her doch etwas besser.</p>
<p><strong>Digitale Gedenkkultur</strong></p>
<p>Im Leben vor dem Internet haben in den meisten F&#228;llen die Angeh&#246;rigen entschieden, was von einem Menschen bleibt, es sei denn, der Verstorbene hat seine Angelegenheiten zu Lebzeiten geregelt, seine Memoiren verfasst und den Rest verbrannt. Das ist heute nicht mehr so einfach, besonders nicht f&#252;r Menschen, die viel digital unterwegs sind. Die meisten von ihnen sind jung und denken nicht jeden Tag an den Tod, schon gar nicht bei jedem Foto, jeder schnoddrigen Bemerkung und jedem Like, das sie im Netz hinterlassen. Und ja, das ist gut so. Aber nachdenken sollten wir irgendwann dar&#252;ber, wie wir gedenken wollen. </p>
<p>Die drei Toten aus meiner Timeline bekommen vermutlich auf Ewigkeit Spam, gewinnen Follower bei Twitter und sammeln Freundschaftsanfragen bei Facebook. Das h&#246;rt erst auf, wenn jemand die Accounts l&#246;scht, auf Gedenken umstellt oder die Community weiter zieht, zu einem Netzwerk, das es zu ihren Lebzeiten noch nicht gab. Mich macht das sehr nachdenklich. Nicht nur das, allerdings.</p>
<p><strong>Zu schnell f&#252;r den Tod</strong></p>
<p>Unser Leben hat sich &#8211; auch durch das Netz &#8211; erheblich beschleunigt, so sehr, dass uns kaum Zeit bleibt, wir uns selten Zeit nehmen, inne zu halten. Selbst wenn es um das Leben eines Menschen geht, das sein Ende gefunden hat. &#8220;Er ist tot?! Echt? Krass!&#8221; und weiter geht,s. Ich schlie&#223;e mich selbst mit ein. Meine vergangene Woche war so schnell, dass ich vergessen habe, etwas ins Kondolenzbuch f&#252;r Robin zu schreiben, das im BASE_camp von E-Plus ausliegt. Das macht mich traurig.</p>
<p>Rezepte wider der Geschwindigkeit und f&#252;r geregeltes Erinnern im Digitalen habe ich gerade nicht zur Hand. Ich bin nur nachdenklich. Deshalb bleibt mir nur, mich zu verneigen vor den Toten in meiner Timeline. Sie haben, jeder auf seine Weise, mein Leben bereichert. Daf&#252;r bin ich ihnen sehr dankbar.</p>
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		<title>App f&#252;r eine Splittergruppe</title>
		<link>http://bjoern-sievers.de/2011/09/10/app-fur-eine-splittergruppe/</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Sep 2011 12:10:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Die Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt &#220;berschriften, die lassen das Herz von Kommunikationsarbeitern nicht nur ein bisschen h&#246;her schlagen. Diese zum Beispiel: Welt HD” wird von kaufkr&#228;ftigen Entscheidern gelesen Ein toller Erfolg. F&#252;r die PR-Abteilung des Springer Verlags. Denn das ist DIE Zielgruppe. Das &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2011/09/10/app-fur-eine-splittergruppe/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt &#220;berschriften, die lassen das Herz von Kommunikationsarbeitern nicht nur ein bisschen h&#246;her schlagen. Diese zum Beispiel:</p>
<p><a href="http://mobilbranche.de/2011/09/welt-hd-wird-von-kaufkraftigen-entscheidern-gelesen/"><em>Welt HD” wird von kaufkr&#228;ftigen Entscheidern gelesen</em></a></p>
<p>Ein toller Erfolg. F&#252;r die PR-Abteilung des Springer Verlags. Denn das ist DIE Zielgruppe. Das sind die Menschen, die nicht nur Informationen wollen, sondern auch Werbung. Schlie&#223;lich verf&#252;gen sie &#252;ber ein &#252;berdurchschnittlich hohes Einkommen. Klingt nach einer runden Sache f&#252;r den Verlag. Aber ist die App tats&#228;chlich ein Erfolg? Vermutlich nicht.</p>
<p>Die Redaktion der Welt erreicht mit ihrer App 30.000 Leser pro Woche. Das ist traurig wenig, bedenkt man, dass die gedruckte Zeitung im ersten Quartal eine Auflage von gut 250.000 Exemplaren (pro Tag) ausgewiesen hat, mit der sie (angeblich) gut 700.000 Leser erreichte (pro Tag).</p>
<p>Noch ein bisschen trauriger werden die Zahlen zur iPad-App, wenn man bedenkt, dass nur 9100 Leser pro Woche die App tats&#228;chlich gekauft haben. Alle &#252;brigen Nutzer lesen die Zeitung im Abo und bekommen die App oben drauf oder probieren sie nur mal aus.</p>
<p>Bei sieben Ausgaben in der Woche lesen also vielleicht nur 1300 Menschen pro Tag “Die Welt” auf dem iPad und bezahlen daf&#252;r (das stimmt nat&#252;rlich nicht, denn der eine oder andere Leser greift sicher mehr als einmal pro Woche zu seiner iPad-Zeitung). Im schlechtesten Fall sind das nur knapp 0,2 Prozent der “Welt”-Printleser (auch diese Zahl stimmt nicht, weil wir Leser pro Tag und Leser pro Woche nicht vergleichen k&#246;nnen).</p>
<p>Nun habe ich nichts gegen Splittergruppen, auch nichts dagegen, dass Unternehmen sich um kleine Marktsegmente k&#252;mmern. Aber ich frage mich allen Ernstes: Wird diese iPad-App jemals zu einem &#246;konomischen Erfolg?</p>
<p>Meine Vermutung lautet: nein. Das legen auch die negativen Kommentare zur App dar. Die experimentierfreudigen und einkommensstarken App-Nutzer finden es vor allem sehr schade, dass sie die Inhalte nicht herunterladen k&#246;nnen &#8211; um sie im Flieger zu lesen.</p>
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		<title>Wiesenhof und die Zukunft der PR</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 12:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Journalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Die Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>
		<category><![CDATA[SWR]]></category>
		<category><![CDATA[Wiesenhof]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines vorweg: Ich esse Fleisch, auch Gefl&#252;gel. Und nicht immer stammt das, was auf meinem Teller liegt, aus einer Bioproduktion. So, das ist schon mal raus. Gut. Au&#223;erdem bin ich nicht naiv. Dass es Massentierhaltung gibt, dass die nicht wirklich &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2011/09/04/wiesenhof-und-die-zukunft-der-pr/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines vorweg: Ich esse Fleisch, auch Gefl&#252;gel. Und nicht immer stammt das, was auf meinem Teller liegt, aus einer Bioproduktion. So, das ist schon mal raus. Gut. Au&#223;erdem bin ich nicht naiv. Dass es Massentierhaltung gibt, dass die nicht wirklich toll ist f&#252;r die Tiere, all das ist mir klar. Auch, dass ich als Fleischesser den Markt und damit die Tierhaltung mitgestalte. Produziert wird, was ich kaufe. (Bei H&#228;hnchen habe ich ehrlich gesagt noch nie auf die Marke geachtet, h&#246;chstens auf das Biosiegel.)</p>
<p>Was aber nun sagt mir die Aufregung um den Gefl&#252;gelkonzern Wiesenhof? Mir als Verbraucher? Und mir als Berater?</p>
<p>Da ist zun&#228;chst die SWR-Reportage: Der Film hat eine klare Botschaft: Wiesenhof ist b&#246;se.</p>
<p><iframe width="539" height="333" src="http://www.youtube.com/embed/uDIqiN49bmA" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Doch schon einen Klick weiter frage ich mich, haben die Reporter tats&#228;chlich sauber gearbeitet. Wiesenhof ist schon einmal ins Visier von SWR-Reportern geraten, vor gut anderthalb Jahren.</p>
<p><iframe width="539" height="333" src="http://www.youtube.com/embed/g2Fj06hEJgE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Nun bin ich kein Spezialist f&#252;r bewegte Bilder. Doch mein Eindruck ist, dass der SWR seine Argumentation damals wie heute nicht nur auf dieselbe Kronzeugin (eine ehemalige Wiesenhof-P&#228;chterin) gest&#252;tzt hat, sondern auch auf dieselben Bilder aus Wiesenhof-St&#228;llen. Was also an der neuen Reportage ist wirklich neu?</p>
<p>Und dann ist da nat&#252;rlich noch das “Gegenmedium”, Wiesenhof selbst. Die Reporter mit einem eigenen Kamera-Team zu filmen ist: sehr schlau.</p>
<p><iframe width="539" height="333" src="http://www.youtube.com/embed/UfM2r9xU514" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Der Beitrag ist (nein, ich bin kein Bewegtbild-Spezialist) gut gemacht. Er zeigt das SWR-Team aus Wiesenhof-Perspektive, auch den hilflosen Versuch des Reporters, den Titel der Reportage “Das System Wiesenhof – Wie ein Gefl&#252;gelkonzern Menschen, Tiere und die Umwelt ausbeutet” als Arbeitstitel zu verkaufen (wohlgemerkt, der Titel stand bereits fest, bevor die Dreharbeiten abgeschlossen waren). Diesen Teil zeigt der SWR-Film nicht.</p>
<p>Au&#223;erdem hat Wiesenhof eigene Kronzeugen befragt, die den Reportern eine unredliche Arbeitsweise vorwerfen (eigentlich allen Journalisten). Besonders geschickt sind zwei Kameraeinstellungen, in denen Wiesenhof zeigt, wie man H&#228;hnchenst&#228;lle filmen kann, um entweder Enge oder viel Platz zu zeigen (nein, der Wahrheitsgehalt dieser Einstellungen l&#228;sst sich nicht &#252;berpr&#252;fen).</p>
<p>Am Ende bleibe ich, der Verbraucher, ratlos zur&#252;ck. Ich habe immer schon, so seit meiner Jugend, angenommen, dass in der Massentierhaltung nicht immer alles fein ist. Ich wei&#223; auch, dass der Verbraucher als sparsames Wesen gerne billig einkauft und dass wir heute wesentlich weniger f&#252;r unser Essen ausgeben als noch vor ein paar Jahrzehnten. Daf&#252;r fahren wir h&#228;ufiger in den Urlaub und gerne weiter weg. </p>
<p>Wesentlich erhellender finde ich die Wiesenhof-Geschichte aus der Perspektive des Ex-Journalisten und Beraters, der ich bin. Denn Journalisten und PR-Leute k&#246;nnen eine ganze Menge lernen. Nicht mehr nur Reporter haben Kameras, nicht nur Redaktionen drehen Reportagen. Unternehmen k&#246;nnen das auch. Und sie brauchen keinen TV-Sender, um ihre Botschaft in die Welt zu bringen. YouTube und die eigene Website reichen v&#246;llig. Wer sich mit Wiesenhof besch&#228;ftigt, st&#246;&#223;t fast automatisch auch auf den Film des Unternehmens und damit dessen Version der Wahrheit. Am Ende steht Aussage gegen Aussage.</p>
<p>Und weil das so ist, nehme ich als Verbraucher nur eines mit: Weniger Fleisch ist kein Fehler.</p>
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		<title>Die Einsamkeit des Internetnutzers</title>
		<link>http://bjoern-sievers.de/2011/02/28/die-einsamkeit-des-internetnutzers/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 09:13:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Der Nutzer]]></category>
		<category><![CDATA[Freunde]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[Internetnutzer sind Nerds, und Nerds sind asozial. Au&#223;erdem dick, h&#228;sslich und allenfalls sehr einseitig interessiert. Statt am Leben teilzunehmen, schlie&#223;en sie sich weg und gucken nur in dieses Netz. Soziale Kontakte: Fehlanzeige. Von ein paar Internet-”Freundschaften” abgesehen. Aber was ist &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2011/02/28/die-einsamkeit-des-internetnutzers/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Internetnutzer sind Nerds, und Nerds sind asozial. Au&#223;erdem dick, h&#228;sslich und allenfalls sehr einseitig interessiert. Statt am Leben teilzunehmen, schlie&#223;en sie sich weg und gucken nur in dieses Netz. Soziale Kontakte: Fehlanzeige. Von ein paar Internet-”Freundschaften” abgesehen. Aber was ist schon ein “Freund” im Netz. So weit, so stereotyp.</p>
<p>Ein Interview in der “S&#252;ddeutsche Zeitung” (SZ) vom Samstag (leider nicht online) hat mein Denken angeregt, ein Nachdenken &#252;ber (digitale) Freundschaften und das Netz und das Leben. SZ-Redakteur Alex R&#252;hle hat Thorsten Sleegers befragt, den RTL-Reporter, der sich f&#252;r eine Arbeitswoche in einer kleinen Wohnung verkrochen und nur noch &#252;ber das Internet kommuniziert hat (<a href="http://www.rtl.de/medien/information/punkt12/13858-9bf1e-82c3-18/reporter-thorsten-sleegers-hat-es-geschafft.html">RTL berichtete</a>). Eine interessante Ausgangssituation, schlie&#223;lich ist das genau das Gegenteil dessen, was R&#252;hle im vergangenen Jahr getan hat: Er hat n&#228;mlich <a href="http://ohne-netz.de/ueber_alex_ruehle/">sechs Monate ohne Internet und Mobilfunk gelebt</a>.</p>
<p>Die wesentliche Erkenntnis des Gespr&#228;chs: Von zu viel Internet (also eigentlich Computerbildschirm) kriegt man rote Augen. Das soll aber an dieser Stelle nicht der Punkt sein. Viel spannender finde ich den Subtext, der sich durch das Gespr&#228;ch zieht, bevor er kurz vor Schluss an die Oberfl&#228;che gesp&#252;lt wird, als Sleegers sagt: “F&#252;r viele Leute ist das, was ich hier kurz teste, Alltag.” Stimmt. Vermutlich. Einen Beleg bleibt der Text schuldig. Wahrscheinlich aber ist das Internet nicht anders als die Eckkneipe. Oder der Fernseher. Oder der Alkohol. Oder der Job. Jedem Junkie seine Droge, das ist das Leben.</p>
<p>Trotzdem habe ich mich gefragt: Wie sieht das eigentlich bei Dir aus? 17 Stunden online schaffe ich nicht, aber zw&#246;lf sind nicht au&#223;ergew&#246;hnlich &#8211; an Arbeitstagen. Was macht das mit meinen Freundschaften? Ein Versuch in vier Kategorien.</p>
<p><strong>Alte Freunde</strong></p>
<p>Die gibt es. Wir haben die Schulzeit miteinander verlebt, Partys, das erste Bier, die erste Liebe und die erste Trennung. Das Studium brachte die Entfernung, die Feste wurden seltener, intensive Gespr&#228;che auch. Das Internet spielt noch heute kaum eine Rolle in unserer Kommunikation. Wir telefonieren zu selten. Aber wenn wir uns sehen, dann ist es innig wie dereinst. Freundschaft, wetterfest wie eine alte Eiche.</p>
<p><strong>Verlorene alte Freunde</strong></p>
<p>Die gibt es auch. Der verlorene alte Freund zeichnet sich dadurch aus, dass er eine Epoche mit gepr&#228;gt hat, bevor er oder ich in einem neuen Leben verschwand. Manchmal tat das weh, aber irgendwann lernt man, das ein Leben ohne Br&#252;che nicht denbar ist, ja dass es vermutlich nicht einmal erstrebenswert w&#228;re. Also: Schwamm dr&#252;ber und die sch&#246;nen Erinnerungen als das bewahren, was sie sind: sch&#246;ne Erinnerungen.</p>
<p>Jetzt kommt das Internet ins Spiel, meistens verkleidet als Facebook. Als kleiner Nerd war ich sehr fr&#252;h dort &#8211; und ich werde gefunden. Immer wieder tauchen alte Freunde auf und wollen Facebook-Freunde werden, und zwar nicht nur diejenigen, die Epochen gepr&#228;gt haben, sondern auch die, die eine zeitlang nur so mit im Klassenzimmer sa&#223;en. Ich freue mich jedes Mal und finde es spannen zu sehen, wie Lebenswege verlaufen. Gleichzeitig stelle ich fest: Nur selten haben wir uns heute noch etwas zu sagen. Wenn die Klammer fehlt, die Schule, Uni oder Sportverein bildeten, ist es schwierig.</p>
<p><strong>Neue “reale” Freunde</strong></p>
<p>Ich bin in der gl&#252;cklichen Lage, dass das Leben immer wieder Menschen meinen Weg kreuzen l&#228;sst, die mein Sein bereichern, die ich spannend finde, die mich m&#246;gen, mit denen ich “eine gute Zeit haben kann”. Manche wohnen im die Ecke, unsere Wege queren sich im Alltag &#8211; und schwups sitzen wir sommers an der Isar und grillen und reden. Herrlich, das Leben mit lieben “Nachbarn”. Von einigen dieser lieben Menschen habe ich keine E-Mail-Adresse, in mindestens einem Fall fehlt mir sogar die Handynummer. Auf die Idee, diese Freunde bei Facebook oder Twitter zu suchen, komme ich nicht.</p>
<p><strong>Neue “digitale” Freunde</strong></p>
<p>Mein Kiez oder mein Beruf sind nicht die einzigen R&#228;ume, in denen Menschen meinen Weg kreuzen, die das Potenzial haben, wichtig zu werden. Das Internet ist auch so ein Raum, ein bedeutender. Im Netz habe ich Kollegen kennen und sch&#228;tzen gelernt, mit denen ich Stammtische und Kongresse organisiert habe und die zu “alten Freunden” geworden sind. Wir sehen uns selten, aber wenn wir uns treffen, dann ist es wie damals, als wir uns noch mit analogen Modems in dieses Internet einw&#228;hlten.</p>
<p>Auch heute funktioniert das noch, also mit DSL und den neumodischen Kommunikationswerkzeugen aus dem Netz. Ich habe in den vergangenen Jahren Menschen per Twitter getroffen, die ich aus vielerlei Gr&#252;nden sehr sch&#228;tze und die mir immer wieder &#252;ber den Weg laufen. Den Austausch mit ihnen m&#246;chte ich nicht missen &#8211; im Netz wie im stofflichen Leben.</p>
<p><strong>Ein Freund ist ein Freund ist auch ein Freund</strong></p>
<p>Die erstaunliche Erkenntnis meiner kleinen Selbstanalyse: Ohne meine guten alten Freunde w&#252;rde ich nicht leben wollen. Doch f&#252;r meinen Alltag haben sie keine gro&#223;e Bedeutung. Die wichtigste Rolle darin spielen die “Nachbarn” und meine “digitalen” Freunde. Die Nachbarn sind meine soziale Atemluft (RTL-Reporter Sleegers sagte im Interview, er freue ich riesig darauf, “einfach wieder durch die Stra&#223;e zu laufen”), sie bereichern mein (Offline-) Leben. Meine “digitalen” Freunde liefern mir jeden Tag eine gro&#223;en Teil des (fachlichen) Inputs, den ich brauche. Distanzen spielen f&#252;r den Diskurs keine Rolle mehr. Wir reden halt einfach miteinander.</p>
<p>Am Ende ist es wohl so: Das Internet ist in Sachen Freundschaft eine Einbahnstra&#223;e. Einige Netzfreunde werden Freunde, Freunde aber h&#246;chst selten Netzfreunde. Vielleicht ist das wie in der Liebe: Aus Freundschaft wird zuweilen Liebe, aus Liebe aber nur sehr selten Freundschaft.</p>
<p>Und was war noch gleich der Unterschied zwischen on und off, zwischen digitalem und realem Leben? Ok, nur vor dem Rechner sitzen macht wirklich dick und vermutlich auch Pickel.</p>
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		<item>
		<title>Internet, Algorithmen und die Wirklichkeit – Gedanken &#252;ber Manipulation</title>
		<link>http://bjoern-sievers.de/2011/01/30/internet-algorithmen-und-die-wirklichkeit-gedanken-ueber-manipulation/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 Jan 2011 10:54:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Der Nutzer]]></category>
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		<description><![CDATA[In den vergangenen Tagen ist eine Fliege durch die kleine deutsche Blogosph&#228;re geflogen. Und einige haben aus ihr einen Elefanten gemacht. Die wesentliche Erkenntnis: In Deutschland gibt es Unternehmen, die versuchen Links in Blogs zu kaufen, um Internetangebote in den &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2011/01/30/internet-algorithmen-und-die-wirklichkeit-gedanken-ueber-manipulation/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den vergangenen Tagen ist eine Fliege durch die kleine deutsche Blogosph&#228;re geflogen. Und einige haben aus ihr einen Elefanten gemacht. Die wesentliche Erkenntnis: In Deutschland gibt es Unternehmen, die versuchen Links in Blogs zu kaufen, um Internetangebote in den Indizes von Suchmaschinen ein paar Positionen nach oben zu schieben. So weit, so uninteressant. Denn dass es das gibt, wei&#223; jeder, der ein Blog betreibt. Nun, ich will die Geschichte nicht nacherz&#228;hlen, denn Versionen von ihr gibt es grad frisch an fast jeder Ecke des Netzes, unter anderem <a href="http://www.netbooknews.de/32977/basicthinking-onlinekosten-gmbh-und-der-keyword-spam/">hier</a>, <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bloggerszene-streitet-ueber-bezahlte-Links-Update-1179434.html">hier</a> und <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,741957,00.html">hier</a>.</p>
<p><strong>Google und unsere Wirklichkeiten</strong></p>
<p>Was mich nachdenklich gemacht hat, ist ein Posting von Mirko Lange zum Thema: <a href="http://blog.talkabout.de/2011/01/29/und-der-haifisch-der-hat-zahne-warum-sich-auf-einmal-ein-pr-mensch-zu-bloggergate-ausert/">“Und der Haifisch, der hat Z&#228;hne”</a>. Mirko will <em>“eine Debatte &#252;ber die SEO-Industrie und Google”</em> ansto&#223;en, einen Diskurs auch <em>“&#252;ber Manipulation und Meinungsbildung”</em>. Er schreibt: </p>
<blockquote><p><em>“Google gibt Wirklichkeiten wieder. Google gestaltet Wirklichkeiten. (&#8230;) Wir vertrauen Google, dass die Suchergebnisse und die Sortierung relevant sind. Die Links auf der ersten, vielleicht noch auf der zweiten Seite von Google bestimmen unsere Wirklichkeit! Und wer diese Ergebnisse manipuliert, manipuliert die Wirklichkeit der Menschen, und den Prozess einer angemessenen Meinungsbildung.”</em></p></blockquote>
<p>Das stimmt alles. Doch es erscheint mir deutlich zu kurz gesprungen. Es ist die Argumentation des scheuen Br&#228;utigams und der unsicheren Braut, die etwas versch&#252;chtert sagen: “Nein, einen Ehevertrag brauchen wir nicht.” Da m&#246;chte ich dann immer schreien: “Hey Baby, Du unterschreibst gleich einen, n&#228;mlich genau den Ehevertrag, den sich der Staat f&#252;r Dich ausgedacht hat.” Nicht dass man mit der Standardversion nicht leben k&#246;nnte, aber man sollte sich schon gefragt haben, ob sie tats&#228;chlich passt.</p>
<p><strong>Ein Ehevertrag mit Google</strong></p>
<p>Google ist &#8211; in Deutschland besonders &#8211; unser Standard-Ehevertrag. Wir fragen uns kaum mal, ob die Ergebnisse in Ordnung sind, wir nehmen sie hin, sie sind, in diesem Punkt hat Mirko recht, unsere Wirklichkeit. Aber sind sie deshalb die einzige Wirklichkeit? Gibt es Wirklichkeit &#252;berhaupt? Und wenn ja, was ist das? Ist die Wirklichkeit, die “saubere” Suchergebnisse schaffen, besser als eine “manipulierte”? Nicht dass wir uns falsch verstehen, ich bin weder ein Freund von Manipulation, noch von nicht gekennzeichneter Werbung. Doch das ist nicht der Punkt.</p>
<p>Entscheidend ist: Diese unsere Welt ist manipuliert. Manipulation ist ihr Normalzustand. Manipulation schafft unsere Wirklichkeiten. Um mal nur beim Internet und der Suche zu bleiben: Google bildet eine Wirklichkeit ab, und die Suchmaschine liefert jedem User, den der Werbekonzern mittels Cookie oder Account wiedererkennt, seine eigene Wirklichkeit. Website-Betreiber, die es sich leisten k&#246;nnen, besch&#228;ftigen Suchmaschinenoptimierer, die versuchen, die Google-Wirklichkeit zu manipulieren. Da mag es transparente und weniger transparente Wege geben. Vor allem aber ist eines klar: Wer sich keinen Suchmaschinenspezialisten leisten kann, hat in jedem Fall das Nachsehen. Da m&#246;gen seine Inhalte noch so einzigartig sein.</p>
<p>Und auch im Offline-Leben regiert Geld die Wirklichkeit: Wer PR-Leute wie Mirko Lange bezahlen kann, um seine Botschaft zu kommunizieren, verbessert seine Chancen, dass diese beim Empf&#228;nger ankommt und Teil von Wirklichkeit wird. Stell Dir vor es ist Journalismus und kein PR-Mensch ruft an. Unsere Wirklichkeit s&#228;he anders aus.</p>
<p><strong>L&#252;gen schaffen Wirklichkeiten</strong></p>
<p>Der Appell von diesem Sofa lautet deshalb: Wir sollten immer davon ausgehen, dass das, was uns als Wirklichkeit angeboten wird, das Ergebnis von Lug und Trug ist. Denn nur dann sind wir wachsam und entdecken vielleicht wenigstens die gr&#246;&#223;eren Versuche, unser Weltsicht nach den W&#252;nschen Dritter zu formen.</p>
<p>Was die Blogs angeht: Die waren wohl alle eher sehr unbedeutend. Viel spannender erscheint die Liste der Unternehmen, deren Websites mit Hilfe von Suchmaschinen-Spam hochgeschraubt werden sollten, ver&#246;ffentlicht <a href="http://www.netbooknews.de/32977/basicthinking-onlinekosten-gmbh-und-der-keyword-spam/">hier</a>. Ich merk sie mir f&#252;r den n&#228;chsten Einkauf. Und nicht nur f&#252;r den.</p>
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		<title>Digitale Daten und das Vergessen</title>
		<link>http://bjoern-sievers.de/2011/01/04/digitale-daten-und-das-vergessen/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Jan 2011 14:22:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Der Nutzer]]></category>
		<category><![CDATA[Gedächnis]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Vergessen]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit der Industrialisierung &#252;bernehmen Maschinen Arbeiten, die der Mensch nicht, nicht so schnell, nicht so pr&#228;zise ausf&#252;hren kann. Die Maschinen des 21. Jahrhunderts sind Computer. Sie waren unsere Schreibmaschinen, sie sind unsere Kommunkationsger&#228;te &#8211; und sie werden zu unserem Ged&#228;chnis. &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2011/01/04/digitale-daten-und-das-vergessen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit der Industrialisierung &#252;bernehmen Maschinen Arbeiten, die der Mensch nicht, nicht so schnell, nicht so pr&#228;zise ausf&#252;hren kann. Die Maschinen des 21. Jahrhunderts sind Computer. Sie waren unsere Schreibmaschinen, sie sind unsere Kommunkationsger&#228;te &#8211; und sie werden zu unserem Ged&#228;chnis. Denn sie speichern unsere Fotos, E-Mails und Steuererkl&#228;rungen. Was das Notebook auf dem Wohnzimmertisch ist, ist das Internet f&#252;r uns alle. Ein gro&#223;es, kollektives Ged&#228;chnis, in dem jeder suchen kann. Jeder &#246;ffentlich formulierte Gedanke wird zum Allgemeingut &#8211; und kann doch wieder auf den Einzelnen zur&#252;ckwirken. Keine Geschichte &#252;ber das Netz und die Karriere kommt aus ohne das Beispiel des googelnden Chefs, der die Bilder vom Trinkgelage aus der Studienzeit findet. Doch das ist nicht alles.</p>
<p>In seinem lesenswerten St&#252;ck <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/verfallsdatum-fuer-daten-gluecklich-ist-wer-vergisst-1.1042384">“Gl&#252;cklich ist, wer vergisst?”</a> f&#252;hrt Niklas Hofmann heute in der “S&#252;ddeutschen Zeitung” ein weiteres Beispiel an: Dem kanadischen Psychotherapeuten Andrew Feldmar wird die Einreise in die USA verweigert &#8211; auf Lebenszeit &#8211; weil ein Grenzbeamter bei einer kurzen Internetrecherche einen Jahre alten Artikel in einer Fachzeitschrift &#252;ber die LSD-Experimente des Akademikers findet. Auch diese Dinge sind Folge des kollektiven Ged&#228;chnisses Internet.</p>
<p><strong>Alter Diskurs, ungel&#246;ste Probleme</strong></p>
<p>Die Frage, die sich daraus ergibt: Brauchen wir ein Verfallsdatum f&#252;r Daten, einen technisch gesteuerten und vom Nutzer beeinflussbaren Alterungsprozess f&#252;r das Internet? Sollen Fotos mit den Jahren vergilben wie ihre Ahnen auf Papier? Sollen die Hinweise auf eine Zeit in unserem Leben, in der es noch keine Lebensversicherung, keinen Immobilien- oder Autokredit und keine grauen Haare gab, nach und nach verschwinden?</p>
<p>Die Diskussion ist nicht neu. Der Internet-Forscher <a href="http://www.oii.ox.ac.uk/people/?id=174">Viktor Mayer-Sch&#246;nberger</a>, Professor am Oxford Internet Institute, hat Argumete f&#252;r das digitale Vergessen in seinem im September 2009 ver&#246;fentlichten Buch “Delete: The Virtue of Forgetting in the Digital Age” zusammengetragen. Zu den M&#246;glichkeiten, die er aufz&#228;hlt, geh&#246;ren digitale Abstinenz, neue Gesetze und &#8211; eben &#8211; technische L&#246;sungen &#252;ber ein digitales Rechtemangement, Daten bek&#228;men ein Verfallsdatum oder w&#252;rden langsam altern, k&#246;nnten also immer schlechter gefunden werden.</p>
<p>Kein neuer Diskurs also, gleichwohl gibt es bislang weder einen Konsens, noch eine L&#246;sung. Doch wie gro&#223; sind sie wirklich, die Probleme. Wie viele Personalchefs bewerten Kandidaten f&#252;r eine Job tats&#228;chlich nach dem Muster: Party gleich raus? Und sind das nicht am Ende die gleichen Vorurteile wie: lange Haare gleich raus? Braucht es tats&#228;chlich eine technische L&#246;sung, weil wenig selbstbewusste Staaten in Einzelf&#228;llen ein seltsames Sittenw&#228;chtergehabe offenbaren? Oder sollten wir uns alle einfach nur raushalten aus diesem Internet?</p>
<p><strong>Ein Leben ohne Netz?</strong></p>
<p>Sowohl Abstinenz als auch der Vorschlag eines Verfallsdatums f&#252;r digitale Daten erscheinen mir wenig zielf&#252;hrend. Das Netz existiert, Menschen nutzen es, und es werden immer mehr. Unsere Wirtschaft, ja unsere ganze Gesellschaft digitalisiert sich. Aus gutem Grund, denn bisher &#252;berwiegt der Nutzen. Ein technisches Verfallsdatum erscheint auf den ersten Blick logisch, k&#246;nnte man doch, so auch die Argumentation von Niklas Hofmann, am ehesten das menschliche Ged&#228;chnis nachbilden, das ja auch nach und nach vergisst und lang zur&#252;ckliegende Ereignisse oder gelerntes Wissen nicht oder nur noch mit M&#252;he bereitstellen kann.</p>
<p>Nur: Wie soll das praktisch funktionieren? Wie soll ich wissen, dass ich dieses Blogposting in sp&#228;testens f&#252;nf Jahren werde vergessen haben wollen, sodass es dann bitte &#252;ber Google nicht mehr auffindbar ist? Oder besser schon im n&#228;chsten Jahr? Ich w&#252;sste nicht, wie ich das heute festlegen sollte &#8211; f&#252;r Blogpostings, journalistische Artikel, Tweets, Facebook-Postings, Bilder bei Flickr, Videos und Pr&#228;sentationen.</p>
<p><strong>Aus Menschen werden Netzmenschen</strong></p>
<p>Bleibt nur eine L&#246;sung: Gesetze. Und diesen Begriff w&#252;rde ich in diesem Fall nicht eng juristisch, sondern vielmehr gesamtgesellschaftlich verstehen. Nat&#252;rlich kann man per Gesetz regeln, dass Internetinhalte, die ein bestimmtes Alter &#252;berschritten haben, nicht mehr ber&#252;cksichtigt werden d&#252;rfen, etwa in einem Bewerbungsverfahren. Doch das allein bringt uns kaum einen Vorteil. Wir m&#252;ssen vielmehr lernen, mit unserer digitalen Historie umzugehen &#8211; und vor allem mit der unserer Mitmenschen.</p>
<p>Menschen &#228;ndern sich. Die Interessen eines Kindes sind nicht die eines jugendlichen Sch&#252;lers, sind nicht die eines Studenten, sind nicht die eines Berufseinsteigers, sind nicht die eines Vaters, sind nicht die eines Gro&#223;vaters. Was mir mit 20 etwas bedeutet hat, muss mir mit 30, 40, 50 oder 60 nicht das Gleiche bedeuten. Muss ich mich mit 50 sch&#228;men f&#252;r die Musik, die ich mit 15 geh&#246;rt habe? F&#252;r die Freunde von damals? F&#252;r die dereinst lustigen Bilder von der ersten Party mit einer Kiste Bier? Nein, nat&#252;rlich nicht. Das Leben hatte schon immer nur eine Konstante: den Wandel. Was sich ge&#228;ndert hat: Vieles ist heute transparent und &#246;ffentlich, von vielen von uns auch ein geh&#246;riges St&#252;ck Vergangenheit. Damit m&#252;ssen wir umzugehen lernen.</p>
<p><strong>Geschichtswissenschaft f&#252;r alle</strong></p>
<p>Vermutlich m&#252;ssen wir einfach alle Historiker werden. Die Geschichtswissenschaft lebt von &#252;berlieferten Daten, sie sind ihr Rohstoff, nicht mehr. Ohne die richtige Einordnung sind &#252;berlieferte Dokumente wertlos. Erst mithilfe der Quellenkritik &#8211; wer hat etwas wann und vor allem warum dokumentiert und warum ist es &#252;berliefert &#8211; k&#246;nnen wir uns den Wert einer &#220;berlieferung erschlie&#223;en. Das gilt auch f&#252;r digitale Fundst&#252;cke. Der amerikanische Grenzbeamte h&#228;tte auf das Datum der Ver&#246;ffentlichung des Psychotherapeuten Andrew Feldmar sehen sollen und er h&#228;tte sie lesen m&#252;ssen. Dann h&#228;tte er festgestellt, dass es keinen Grund gibt, dem &#228;lteren Herren, er war immerhin schon 70 Jahre alt, die Einreise zu verweigern, nur weil er Jahrzehnte zuvor mit einer Droge experimentiert hat, die l&#228;ngst aus der Mode ist.</p>
<p>Eher als die Technik des Internets sollten wir also unsere F&#228;higkeit in der Bewertung &#252;berlieferter Informationen ausbauen. Ansetzen m&#252;ssen wir bei unseren Kindern. Sie werden einen noch weit gr&#246;&#223;eren Teil ihres Lebens &#252;ber das Netz organiseren &#8211; und ihr Leben dort abbilden. Darauf sollten wir sie vorbereiten. Und daf&#252;r m&#252;ssen wir, die wir dereinst noch mit W&#228;hlscheibe Telefonnummern eingegeben haben, uns vorbereiten. Einige m&#252;ssen erst mal akzeptieren, dass das Netz ist und bleibt.</p>
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		<title>&#220;ber das Dilemma der Journalistenausbildung</title>
		<link>http://bjoern-sievers.de/2010/09/23/ueber-das-dilemma-der-journalistenausbildung/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 08:35:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Die Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Die Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistenausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor ein paar Monaten sa&#223; ich im kleinen Kreis mit ein paar Kollegen zusammen. Das Institut zur F&#246;rderung journalistischen Nachwuchses hatte uns gebeten, miteinander und mit den Studienleitern &#252;ber die Journalistenausbildung und das Curriculum zu sprechen. Das Ergebnis lautete kurz &#8230; <a href="http://bjoern-sievers.de/2010/09/23/ueber-das-dilemma-der-journalistenausbildung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor ein paar Monaten sa&#223; ich im kleinen Kreis mit ein paar Kollegen zusammen. Das <a href="http://www.ifp-kma.de/">Institut zur F&#246;rderung journalistischen Nachwuchses</a> hatte uns gebeten, miteinander und mit den Studienleitern &#252;ber die Journalistenausbildung und das Curriculum zu sprechen. Das Ergebnis lautete kurz zusammen gefasst: Handwerk, Handwerk, Handwerk. Denn wer nicht gelernt hat zu recherchieren oder seine Darstellungsformen nicht beherrscht, der kann kein guter Journalist sein. <strong>Aber: Reicht das heute noch?</strong> Ich f&#252;rchte nein. </p>
<p><strong>Das mittelgro&#223;e Problem: </strong>Alles, was fr&#252;her in der Journalistenausbildung gut und richtig war, ist auch heute noch wichtig, ja unumg&#228;nglich. Doch es kommen noch ein paar Dinge hinzu, die Journalisten heute dringend k&#246;nnen oder mindestens verstehen sollten. Die Debatte, die der gesch&#228;tzte Kollege Matthias Spielkamp vor einigen Tagen mit <a href="http://immateriblog.de/in-eigener-sache/funf-thesen-zur-journalistenausbildung/">seinen Thesen zur Journalistenausbildung</a> begonnen hat und die der ebenso gesch&#228;tzte Kollege <a href="http://www.blog-cj.de/blog/2010/09/19/ein-buch-eine-idee-und-ihre-hilfe/">Christian Jakubetz mit seinem Buchprojekt</a> weiterf&#252;hrt, ist dringend notwendig. </p>
<p>Das Handwerk steckt in <strong>Matthias erster These</strong>: “Es geht um Journalismus &#8211; nicht Online-Journalismus”. Anders formuliert: Die Plattform hat nichts mit der Qualit&#228;t des Produkts zu tun. Oder wird ein “Zeit”-Essay anderer Journalismus, nur weil die Kollegen von “Zeit Online” es auch im Netz ver&#246;ffentlicht haben?</p>
<p>Die <strong>vier weiteren Thesen</strong> zeigen, dass es mit Handwerk nicht getan ist: Matthias fodert “digital residents” als Ausbilder in den Verlagen, eine produktive “Fehlerkultur”, Freude am Widerspruch des Lesers und die Bereitschaft, von Volont&#228;ren zu lernen. <a href="http://twitter.com/marcuslindemann">Marcus Lindemann</a>, ebenso gesch&#228;tzt, erg&#228;nzt in den Kommentaren, auch von den Lesern, Zuschauern, Grafikern, IT-Leuten, Fotografen und Sekret&#228;rinnen m&#252;ssten wir lernen.</p>
<p>Das alles ist richtig. Und doch ist es nur ein Teil des Dilemmas, in dem wir alle stecken &#8211; und das auch das Dilemma der Journalistenausbildung ist. Denn die Ausbildung m&#252;sste noch so viel mehr vermitteln. Darunter:</p>
<p><strong>Publikationstechniken:</strong></p>
<p>Dereinst &#8211; als es noch kein Internet gab &#8211; war der Verlag oder Sender daf&#252;r zust&#228;ndig, die Plattform zu stellen. Der Journalist recherchierte, schrieb seinen Text, als Redakteur baute er die Zeitungsseite; im Radio oder im Fernsehen wurde sein Beitrag geschnitten und gesprochen. Die Ressourcen f&#252;r die Publikation stellte indes die Organisation. Nat&#252;rlich gibt es dieses Modell nach wie vor, aber wir k&#246;nnen uns nicht mehr darauf verlassen, dass es in jedem Fall ewig funktioniert. Und vor allem: Es ist nicht mehr das einzige Modell. Publizit&#228;t kann jeder herstellen, ein Blog und ein Twitter-Account sind ebenso leicht (und kostenlos) einzurichten wie ein E-Mail-Postfach beim Anbieter der Wahl. Wenn aber jeder publizieren kann, dann wird Publizit&#228;t zu einer Kulturtechnik. Und die sollten Journalisten unbedingt beherrschen. Sie sollten bloggen, twittern und bei Facebook sein. Wie sollen sie sonst ihren Lesern aus Augenh&#246;he begegnen?</p>
<p><strong>Kommunikationstechniken:</strong></p>
<p>Dereinst &#8211; als es noch kein Internet gab &#8211; war die Leserbrief- oder Zuschauer-Redaktion f&#252;rs Publikum zust&#228;ndig, sie war der R&#252;ckkanal. Der Redakteur bekam nur das geliefert, was ihn betraf (Unsinn, Beschimpfungen und Niveauloses wurde ausgefiltert). Auch heute gibt es dieses Modell noch, sogar in der Online-Welt. Community-Abteilungen k&#252;mmern sich um Leserzuschriften per Mail, in Foren und in Kommentaren, sie filtern, sie ver&#246;ffentlichen, werfen weg &#8211; und sie liefern dem Redakteur sein P&#228;ckchen mit Zuschriften, die ihn betreffen. Aber das ist mehr das einzige Modell: Reaktionen auf die eigene Arbeit finden auch auf Blogs und in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook statt. Online-Kommunikation auf den unterschiedlichsten Kan&#228;len ist l&#228;ngst eine Kulturtechnik geworden. Journalisten m&#252;ssen sie beherrschen, wollen sie ihren Lesern auf Augenh&#246;he begegnen.</p>
<p><strong>Recherchetechniken</strong> (besser bekannt als Datenjournalismus)<strong>:</strong></p>
<p>Dereinst &#8211; als es noch kein Internet gab &#8211; ging der Journalist auf eine Pressekonferenz, griff zum Telefon und recherchierte so seine Geschichte, die er anschlie&#223;end aufschrieb. Auch dieses Modell gibt es heute noch, es ist sogar im Online-Journalismus weit verbreitet. Aber es ist nicht mehr das Einzige. Journalisten, zum Beispiel die <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog">Kollegen vom Guardian</a>, spielen mit Daten, visualisieren sie, motivieren ihre Leser, ihnen bei der Recherche zu helfen. Aber Journalisten sind auch auf diesem Spielfeld nicht allein, wie zum Beispiel das Projekt <a href="http://bund.offenerhaushalt.de/">Offener Haushalt</a> zeigt. Journalisten oder besser Redaktionen sollten sich jedoch mit diesen Methoden vertraut machen, sonst werden sie von anderen Akteuren abgeh&#228;ngt.</p>
<p>Das Dilemma der Journalistenausbildung ist: Journalisten sollten Physiker, Biologen, Wirtschaftswissenschaftler, Juristen, Politologen oder Historiker sein, die das traditionelle Handwerk ebenso wie die neuen Kulturtechnik der Medien- und Kommunikationswelt beherrschen. Nur das ist kaum in einer Ausbildung zu vermitteln. Und angewandt widerspricht es dem an sich ja sehr erfolgreichen Prinzip der Arbeitsteilung &#8211; gegen das auch nichts spricht, au&#223;er der Personalabbau in den Medien.</p>
<p>Der Vollst&#228;ndigkeit halber: Die <strong>Folien von Matthias</strong>, auch ohne Tonspur aufschlussreich.<br />
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<div style="width:425px" id="__ss_5221904"><strong style="display:block;margin:12px 0 4px"><a href="http://www.slideshare.net/spieli/fuenf-thesen-zur-journalistenausbildung" title="Fuenf Thesen zur Journalistenausbildung">Fuenf Thesen zur Journalistenausbildung</a></strong><object id="__sse5221904" width="425" height="355"><param name="movie" value="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=fuenf-thesen-zur-journalistenausbildung-100917051522-phpapp02&#038;stripped_title=fuenf-thesen-zur-journalistenausbildung&#038;userName=spieli" /><param name="allowFullScreen" value="true"/><param name="allowScriptAccess" value="always"/><embed name="__sse5221904" src="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=fuenf-thesen-zur-journalistenausbildung-100917051522-phpapp02&#038;stripped_title=fuenf-thesen-zur-journalistenausbildung&#038;userName=spieli" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="355"></embed></object>
<div style="padding:5px 0 12px">Weitere Pr&#228;sentationen von <a href="http://www.slideshare.net/spieli">Matthias Spielkamp</a>.</div>
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