Print gegen Online – Wie Apps die Grenzen aufweichen

Seit ein paar Wochen spiele ich mit der iPhone- und der iPad-App der “Zeit”. Die “Zeit” und ich, wir sind schon seit vielen Jahren gute Freunde, und die Apps finde sie wirklich gelungen. Das liegt auch daran, dass ich mir schon am Mittwochnachmittag die aktuelle Ausgabe auf mein iPhone (und mein iPad) laden kann – was zum Beispiel heute sehr praktisch war, denn ich saß am frühen Abend bei meiner Zahnärztin, die mich einen Moment warten ließ. Gleich neben der “Zeit” findet in der App “Zeit Online” statt. Gelungen integriert, ein “Zeit”-Gesamtpaket.

Als ich aber nun so dasaß im Wartezimmer meiner Zahnärztin, da habe ich ein wenig die Orientierung verloren. Ich habe mich gefragt, was ich denn jetzt eigentlich lese auf meinem Telefon. Es sind die Inhalte, die donnerstags immer auf Papier gedruckt vor meiner Wohnungstür liegen. Aber gedruckt sind sie nicht. Daraus ergeben sich ein paar Fragen. Zum Beispiel diese hier: Wenn ich nun von der Papier-”Zeit” komplett auf die App-”Zeit” umsteige (dazu neige ich gerade), bin ich dann noch Print-Abonnent? Was überhaupt ist dann noch Print? Und was ist Online, das ja gleich auf dem Reiter nebenan stattfindet.

Noch verwirrter bin ich, wenn ich an die gängige Publikationspolitik der Verlage denke. Um beim Beispiel “Zeit” zu bleiben: Die “Anklageschrift” von Sigmar Gabriel gegen Thilo Sarrazin, die die “Zeit” in der vergangenen Woche gedruckt (und auf mein iPhone gesendet hat), ist auch bei “Zeit Online” abrufbar http://www.zeit.de/2010/38/SPD-Sigmar-Gabriel). Ist dieser Text nun Print oder Online oder beides (abgesehen davon, dass er kein Journalismus ist). Ich bin verwirrt. Und damit es nicht zu Missverständnisse kommt: alle Portale veröffentlichen Texte der angeschlossenen Printredaktionen, auch FOCUS Online.

Was aber nun machen wir damit? Mein Vorschlag: Wir lassen uns von iPhone, iPad und der mit diesen Geräten verbundenen App-Ökonomie die Augen öffnen. Denn es geht nicht um Print und Online (wie auch Stefan Niggemeier aus anderer Perspektive und sehr treffend schreibt), auch nicht um Print gegen Online. Es geht um Journalismus. Und die Qualität von Journalismus ist nicht mit der Plattform verbunden, auf der er zufällig stattfindet. Allerdings: Qualität kostet Geld. Die eigentliche Debatte handelt also von der Frage der Refinanzierung. Ob wir dieses Problem mit Apps lösen? Ich zweifle. Any further ideas?

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Wie Google Instant SEO verändert (oder killt)

Google Instant ist eine tolle Sache: für die Nutzer. Schließlich erhalten sie schon beim Eintippen ihrer Anfrage nicht nur Vorschläge, wie sie die Suche verfeinern können (das geht ja schon seit einem Weilchen mit Google Suggest). Ab jetzt liefert Google schon beim Tippen Suchergebnisse. Ab dem ersten Buchstaben. Und mit jedem Buchstaben eine neue Liste. Der Konzern verspricht eine deutliche Beschleunigung von Suchen – und hat damit sicher Recht. Einwortsuchen? Vergangenheit! Deshalb ist Instant toll. Für die Nutzer.

Google Instant ist die Pest: für Suchmaschinenoptimierer. Steve Rubel wird da sehr deutlich: “Google Instant Makes SEO Irrelevant”. Mit Instant sieht jeder Google-Nutzer (endgültig) ein anderes Internet. Denn Google sucht nicht nur während der Nutzer tippt, sondern versucht auch zu erraten, was er tatsächlich finden will. Hier und jetzt bedeutet das für mich: Die Eingabe des Buchstabens “w” liefert mir unmittelbar das Wetter von München – weil ich gerade in München sitze. Meine Suchanfragen werden dadurch automatisch genauer. Bei einem bestimmten Suchwort auf der ersten Ergebnisseite gelistet zu sein, ist kaum noch etwas wert (die zweite Seite nutzlos). Denn die Einwortsuche ist: Vergangenheit.

Die Computerwoche mault schon:

Und Google erreicht noch etwas mit Instant: Das Unternehmen stärkt die eigene Homepage. Denn Instant funktioniert nur dort und nicht im Suchfeld des Browsers (bisher nicht einmal in Chrome). Will ich den Komfort, gehe ich also künftig auf die Homepage (zumindest ich war da in den vergangenen Jahren nur hin und wieder und meistens aus Versehen).

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Nachrichtenagenturen und das Missverständnis mit der Exklusivität

Lese eben das Interview von Daniel Bouhs mit Cord Dreyer zum siebten Neustart von ddp Start des neuen dapd-Dienstes – und darin diesen Satz:

“Es wird um Qualitätsjournalismus und Exklusivinhalte gehen.”

Da stecken zwei Dinge drin: eine Selbstverständlichkeit, denn natürlich erwarten die Kunden von Nachrichtenagenturen, dass diese Qualität liefern, also Inhalte, die deutlich über das Umschreiben von Pressemitteilungen hinaus gehen; und darin steckt eine Seltsamkeit, denn warum eigentlich wollen Agenturen Exklusivinhalte liefern, also Nachrichten, die nur sie haben?

Auf den ersten Blick mag das eine seltsame Frage sein, denn schließlich wollen alle Medien irgendwie exklusiv sein, sich durch die Inhalte, die sie darbieten, von den Mitbewerbern unterscheiden. Nur: Agenturen sind keine Medien. Sie sind Dienstleister. Medien leisten sich Agenturen, weil es der eleganteste und billigste Weg ist, sich Brot und Butter liefern zu lassen. Das Grundrauschen eben. Für Wurst, Käse, Honig und Marmelade, also die wirklich leckere Seite der eigenen Publikation, gebraucht aber niemand Agenturen. Das gilt umso mehr, seit das Internet das Mediengeschäft durchsichtig gemacht hat.

Was passiert also, wenn eine Agentur Exklusives liefert? Möglichkeit 1 (wenn der Inhalt nicht gar so brisant erscheint): Der diensthabende Nachrichtenredakteur rümpft die Nase und verwirft die Meldung. Hat schließlich nur eine Agentur berichtet, wer weiß, ob wirklich stimmt, was im Ticker steht. Und für eine eigene Recherche erscheint das Thema zu unbedeutend. Möglichkeit 2 (wenn die Exklusivmeldung nach einem echten Thema riecht): Der diensthabende Nachrichtenredakteur merkt auf und leitet die Meldung unverzüglich dem Fachkollegen zu, der zum Beispiel sein Telefonbuch bemüht, um die Geschichte selbst hart zu bekommen. Läuft es wirklich, wirklich gut für die Agentur, bringt die Redaktion die Meldung, bevor das eigene Stück steht.

An dieser Stelle treten wir einen Schritt zurück und betrachten das Geschehen aus der Distanz, vor allem die Frage: Welchen Nutzen hat die Agentur nun von ihrer Exklusivgeschichte? Wird sie nicht gebracht: keinen. Wird sie gebracht: auch keinen. Denn entscheidend ist, dass das, was die Agentur exklusiv herausgefunden hat, schon in dem Moment seine Exklusivität verliert, in dem der Slot-Redakteur auf den Senden-Knopf drückt. Für die Agenturkunden ist die Meldung nicht exklusiv, im Gegenteil, alle anderen Kunden haben sie auch. Und sie ist binnen Minuten überall online zu finden. Wer sich differenzieren will, muss selbst mindestens den Telefonhörer in die Hand nehmen.

Was an der ganzen Sache wirklich frustrierend ist – für die Agenturen: Nicht mal der diensthabende Nachrichtenredakteur wird sich daran erinnern, wo die neue Geschichte eigentlich hergekommen ist, aus der der neue Aufmacher wurde. Das hat er spätestens nach Feierabend vergessen.

Für Agenturen folgt daraus: Investiert in Brot und Butter!

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Staunen über die Generation @

Generation Golf, Generation Praktikum, Generation C64 – seit Douglas Couplands “Generation X” (das war 1991) gab es zahlreiche Versuche, das Lebensgefühl einer Altersgruppe mit einem Schlagwort zu beschreiben. Der aktuelle “Spiegel” (Nr. 31, Seite 120-123) fügt der langen Reihe der Generationen eine weitere hinzu: die Null-Blog-Generation. Es sind die Jugendlichen im Jahr 2010. Sie sind online, aber sie nutzen die Möglichkeiten des Internets nur selten aus. Und vor allem: Ihr eigentliches Interesse gilt dem Offline-Leben.

Ein Missverständnis

Was auf den ersten Blick nach einer erstaunlichen Erkenntnis klingt – denn wer heute noch nicht erwachsen ist, für den war das Internet schon immer da -, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Missverständnis. War doch das Netz immer schon vor allem das, als was es Jugendliche heute benutzen: ein Kommunikationskanal. Aber der Reihe nach.

Zunächst: Einen Teil der These des Artikels kann ich aus meiner subjektiven und nicht repräsentativen Erfahrung bestätigen. Junge Menschen haben im Schnitt weniger Ahnung vom Netz, als man ihnen gemeinhin zutraut. Unter den Kollegen, denen ich hin und wieder (z.B. hier) etwas übers Netz erzählen darf, ist nur selten jemand, der schon mal gebloggt hat (und wenn, dann meist nur während eines Auslandsaufenthalts, als Ersatz für Rundmails gewissermaßen). Auch Social Bookmarking, RSS und Twitter ist den meisten fremd.

Aber: Fast alle Kollegen in den frühen 20ern sind bei Facebook (kaum noch jemand übrigens bei StudiVZ). Sie alle organisieren ihr soziales Leben mithilfe sozialer Netzwerke. Und genau hier beginnt das Missverständnis von “Spiegel”-Autor Manfred Dworschak. Er lässt einen Gesamtschullehrer sagen: “Für sie (die Jugendlichen) ist das (Internet), wie ein Auto, es soll fahren.” Und genau das ist der Punkt, vermutlich der zentrale Punkt, um die Generation der Digital Natives zu verstehen.

Das Internet hören

Wer mit dem C64 aufgewachsen ist, der konnte die Datenströme von der Datasette hören, der hat irgendwann an einem alten Rechner herumgeschraubt, um eine größere Festplatte oder mehr Arbeitsspeicher einzubauen, der hat das Internet aus seinem 56K-Modem (und das war dann schon schnell) rauschen gehört. Online gehen war ein Weg, der in vielen Fällen schon das Ziel war.

Die Kinder aus der Wendezeit und danach sind in eine andere Welt geboren. Die DDR war Geschichte, Internet und Mobilfunk schon immer da. Zu Hause gab es immer mindestens einen Rechner und der war immer online, wenn er eingeschaltet war (die Generation iPad spart sich heute auch noch das Booten). Deshalb ist Facebook für Schüler und Studenten heute das, was Telefon und Anrufbeantworter in den 1980ern (in Westdeutschland) waren: die Medien, mit denen man sein Sozialleben organisiert, z.B. den Weg zur Schule oder das gemeinsame Bier am Abend in der Kneipe.

Das Netz und das reale Leben

Wenn Manfred Dworschak staunt, dass es für die Jugendlichen von heute wichtiger ist, sich mit Freunden zu treffen, als sich in virtuellen Welten (an dieser Stelle fällt irgendwann der Name Second Life, dieser dereinst von Medien hochgeschrieben virtuellen Welt), dann liegt auch hier ein großes Missverständnis vor: Schon immer haben sich Menschen, die im Netz unterwegs waren, auch im richtigen Leben getroffen. Die Mitglieder von Mailinglisten haben Stammtische (in echten Kneipen) organisiert, Hacker treffen sich auf Konfrenzen und Twitterer zu Twittagessen in München, Berlin oder Hamburg.

Die Konstante des Internets seit E-Mail und Usenet heißt: Kommunikation. Die jeweilige Anwendung mag sich ändern, doch das Internet in schon immer ein soziales Netz gewesen. Für viele stellt es seit jeher eine Bereicherung des eigenen sozialen Lebens dar. Für mich übrigens auch. Und daran ist nichts virtuell.

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Warum das Dilemma der Nachrichtenagenturen in die Zukunft der Medien weist

Nachrichtenagenturen stecken in der Klemme. Ihr Geschäftsmodell ist fast zwei Jahrhunderte alt – der französische Publizist Charles-Louis Havas gründete die erste Agentur bereits 1835 – und das Internet, natürlich wieder dieses Internet gräbt ihnen nun das Wasser ab. Reuters, dpa, ddp und all die anderen sind eingekeilt zwischen ihren Kunden auf der einen Seite – vor allem Zeitungen finanzieren ihre Arbeit – und dem Netz – diesem unendlichen Informationsspeicher, den nicht mehr nur Journalisten durchpflügen und sortieren – auf der anderen.

Einen Teil des Dilemmas brachte ddp-Chefredakteur Joachim Widmann (mein geschätzter Ex-Chef) während einer Diskussionsrunde am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München auf seine Weise den Punkt: Agenturen müssten überlegen, ob sie mindestens einen Teil ihres Dienstes, vor allem Analysen und Feature, erst mit einer Zeitverzögerung an Onlinemedien senden sollten. Erst dann, wenn Zeitungen sie gedruckt haben. Aus Sicht der Agentur ist diese Überlegung verständlich. Zeitungen sind nach wie vor die wichtigeren Kunden, sie zahlen deutlich höhere Preise für die Agenturdienste als Onlinemedien. Eine Analyse aber, die schon am Tag zuvor auf Nachrichtenportalen zu lesen war, ist für die Zeitung wertlos. Schließlich gibt niemand Geld für Papier aus, auf dem (fast) nur steht, was er bereits aus dem Netz gefischt hat. Das ist die eine Seite des Problems.

Die andere Seite heißt Google News (neben anderen News-Aggregatoren). Diesen Nachrichten-Sammelmaschinen steht Widmann – wie dem Netz insgesamt – kritisch gegenüber. Aus seiner Sicht folgerichtig: Aggregatoren sortieren das Netz und machen riesige Mengen Informationen, darunter Agenturmaterial, überhaupt erst zugänglich. Die Agenturen bekommen dafür keinen Cent, es sei denn, sie schließen Verträge mit den Aggregatoren, wie es AP in den USA mit Google getan hat (die Lage ist zurzeit allerdings ein wenig diffus). Wenn aber sagen wir mal Google News gegen Entgelt AP-Nachrichten hostet, also nicht nur Anreißer, sondern die Volltexte auf den eigenen Seiten auszuspielt, dann könnte das der letzte Vertrag sein, den die Agentur abschließt. Warum sollten andere (Online-) Medien Agenturdienste abonnieren, wenn Google doch nur die eigenen Seiten ausliefert und nicht mehr auf identische Inhalte anderswo im Netz verweist. Klar, oder? (Und trotzdem hat ddp einen Vertrag mit nachrichten.de, den mein Arbeitgeber TOMORROW FOCUS Portal betreibt.)

Damit sind wir beim Kern des Problems: Das Geschäftsmodell der Agenturen basiert darauf, dass Korrespondenten Informationen sammeln, diese verarbeiten, also Texte schreiben, fotografieren, Videos produzieren, eine Redaktion all das zu Diensten zusammenstelllt und an die Kunden verteilt. In der analogen Medienwelt dereinst war das ein formidables System, schließlich ersparte es der Zeitung in Ulm, einen eigenen Korrespondenten in Hamburg zu haben und umgekehrt. Doch diese Welt ist Vergangenheit. Heute ist die Information aus Hamburg auch für die Redaktion in Ulm nur einen Klick entfernt.

An dieser Stelle kommt Jeff Jarvis ins Spiel. Der US-Blogger, Medienprofessor und Berater wiederholt schon seit Jahren sein Mantra: “Cover what you do best. Link to the rest.” Sieht man sich im (deutschen) Internet um, hört ihm jedoch kaum jemand zu. Lokal- und Regionalzeitungen verlinken für Geschichten aus Berlin nicht etwa auf den “Tagesspiegel” oder die “Berliner Zeitung”. Stattdessen fluten sie die eigenen Seiten mit dpa-Meldungen, wie mein erster Arbeitgeber “Die Glocke” (ich war so um 1990 freier Mitarbeiter). Ist das sinnvoll? Nein. Es führt dazu, dass 80 Prozent der Inhalte im deutschen Internet austauschbare Agenturtexte sind (das sagt nachrichten.de- und mein Chef Jochen Wegner, der mit Widmann auf dem Podium saß). Aber es hat Tradition. Schließlich bedient sich die Mantelredaktion auch bei den Agenturen und bastelt aus ihren Dienste große Teile des ersten Buchs einer typischen deutschen Zeitung.

Das ganze System funktioniert so lange wie Zeitungen noch funktionieren (und die Onlineportale von den meisten lokalen und regionalen Medien eher Feigenblätter als erst gemeinte Versuche mit Onlinejournalismus sind). Das mögen sie bitte auch gerne noch sehr lange, denn Papier ist ja ein sehr schönes Medium. Aber nach allem was man so hört und liest, geht es mit der (Gesamt-) Auflage der deutschen Zeitungen Jahr für Jahr bergab. Und auch der Werbemarkt hat seine besten Zeiten im Printgeschäft wohl hinter sich gelassen.

Nun setzen wir mal voraus, dass die etablierte Medienwelt eher so denkt wie Joachim Widmann, das alte System also bewahren möchten, so lange wie es Gewinne abwirft (und das tut es ja in den meisten Verlagen noch). Vermutlich passiert dann auch in den kommenden zehn Jahren das, was schon in den vergangenen 15 Jahren passiert ist: nichts. Ok, wenig. Statt über neue Geschäftsfelder nachzudenken, bleibt der traditionsbewusste Medienmensch bei den Dingen, die er kennt. Bis es nicht mehr geht. Und ganz bestimmt wird es bei einigen Verlagen irgendwann nicht mehr gehen.

So lange Zeitungen (und andere) ihr angestammtes Geschäft verfolgen, können aber Entdecker Neues ausprobieren, Leute wie Hardy Prothmann mit seinem Heddesheimblog (Hardy saß mit Widmann und Wegner auf dem Podium im ifp). Der Journalist bastelt seit rund einem Jahr an einem kleinen Blognetzwerk für seinen Heimatort Heddesheim und die umliegenden Gemeinden. Platz dafür lässt ihm der “Mannheimer Morgen”, ist Prothmann überzeugt. Schließlich betreibe der überwiegend “Bratwurstjournalismus”, gefällige Lokalberichterstattung, die das Objekt der Berichterstattung ernster nehme als den Leser (und den Leser somit an der Nase herumführe).

Nun könnte es ja sein, dass das Heddesheimblog ein Erfolg wird und Hardy ein Leben finanziert. Und dann könnte es ja sein, dass es weitere ähnliche Projekte gibt, also noch mehr Blogs über Orte wie Heddesheim (die Gemeinde hat 10.000 Einwohner) und Publikationen wie die Ruhrbarone. In einer idealen Welt könnten all diese Nischenmedien sich zusammenschließen, ein gemeinsames Netzwerk bilden und so auf eine nennenswerte Reichweite kommen, um auch jenseits der lokalen Anzeigenakquise am Werbekuchen zu knabbern.

Was die Medien dieser neuen Welt sicher nicht brauchen, sind Agenturen. Prothmann sagt ganz klar, er fliege deutlich unter dem Radar von Agenturdiensten, er berichtet detaillierter und kleinteiliger als das selbst die dpa mit ihrem engen Korrespondentennetz je leisten könnte. Was die neuen hyperlokalen Medien allerdings gebrauchen könnten, wäre ein Aggregator, eine intelligente Maschine, die aus den einzelnen Nachrichtenströmen ein auf die Bedürfnisse einzelner Nutzer oder regional sortiertes Netz spinnt. Dann würde das Heddesheimblog auf das Berlinblog verlinken und eben kein ddp-Feature kopieren.

Natürlich könnte es auch ganz anders laufen. Schließlich hätten Zeitungen mit ihren Portalen heute schon die Möglichkeit, sich zu vernetzen. Sie müssten sich nur mal auf den Weg machen. So langsam. Doch egal wie die Entwicklung weitergeht: Die Agenturen stecken in der Klemme. Medien brauchen sie zwar noch, aber von Jahr zu Jahr ein bisschen weniger.

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