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Twitter ist kein Second Life

Der geschätzte Kollege Christian Jakubetz ist Journalist, Dozent, Blogger – und er ist Twitterer. Das soziale Netzwerk für Kurznachrichten nutzt er jedoch eigentlich nur, weil er es gerne kritisiert. Das kann man hier und hier und hier lesen. Heute auch hier.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, es ist gut, dass Christian diese Rolle übernommen hat, denn irgendjemand muss das ja tun. Erstens. Und zweitens tut es ja auch gut, wenn in diesem ganzen Twitter-ist-toll-Gedudel wenigstens einer einen kühlen Kopf bewahrt und aufschreibt, warum Twitter nicht für die Ewigkeit gebaut sein könnte. Genau das hat Christian getan. Mal wieder.

Unter der Überschrift „Und alles gute noch bei der Revolution“ sammelt Christian eine ganze Menge Argumente, die gegen die Paarung Twitter und Ewigkeit sprechen. Twitter hat etwa bei beim Versuch einer Revolution im Iran eine Rolle gespielt, doch der Regimewechsel ist misslungen. Keine Erfolgsgeschichte für Twitter also.

Die Zahlen der neuen Twitterer stagnieren ausgerechnet jetzt. Und außerdem werden viele, viele (die meisten?) Twitter-Accounts gar nicht genutzt. Das sind, das stimmt, Anzeichen für einen Hype bzw. für das Ende desselben. Doch ist damit auch das Ende von Twitter so gut wie besiegelt? Ist Twitter damit das Second Life (remember?) des Jahres 2009? Ich glaube nicht. Und liefere ein paar Argumente frei Haus.

Twitter ist einfach. 140 Zeichen und Schluss. Dann muss man nur noch die Sache mit dem @ und dem RT verstehen und lernen, wie man einen Link verkürzt – und schon ist man drin. (Geständnis: Ich habe zwei oder sogar drei Anläufe gebraucht, hatte aber auch niemanden, der es mir erklärt hat.)

Twitter ist mobil. Während man für Second Life einen Rechner und einen ordentlichen Internetanschluss brauchte, reicht für Twitter ein handelsübliches Mobiltelefon und selbst die schlechteste Verbindung im ICE aus (ok, dann kann dieses Twitter schon mal quälen). Wie gut, dass das Netz ausgerechnet jetzt so richtig mobil wird.

Twitter ist überall. Twitter läst sich mit den sozialen Medien da draußen im Netz verbinden. Meine Tweets füttern Facebook und Friendfeed. Ich muss mich nicht entscheiden, Twitter oder was anders. Ich füge einfach alles zusammen. Und könnte ja auch noch alles von posterous aus füttern (Mag mir das jemand erklären? Ich jakubetze damit ein wenig rum.).

Twitter ist, was Du draus machst. Bei Twitter muss ich nichts tun, um dabei zu sein. Ich kann einfach lauschen. Oder ich twittere einmal in der Woche. Oder nur, nachdem ich im Kino war. Oder alle zwei Minuten. Über Schokoladeneis oder den Medienwandel. Wurscht. Alles geht.

Twitter ist das Leben. Bei Second Life haben sich die Menschen hinter Avataren versteckt. Twitter wird erst gut, wenn jeder mit seinem Namen und seinem Foto für seine Tweets einsteht. Und das passiert. Zumindest ich folge niemandem, der sich nicht zu erkennen gibt.

Der Hype mag vorbei sein. Doch Twitter bleibt.

Hab ich was vergessen? Bestimmt!

Und was uns zwei angeht, lieber Christian, vielleicht sollten wir das alles mal beim Bier besprechen. 🙂