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Studie: Journalismus und Blogs ergänzen sich

Angesichts einer zuweilen etwas hitzig geführten Debatte über Journalismus, Medien und das Internet, in der nicht jeder Beitrag durch vollendete Sachkenntnis glänzt, tut es gut, wenn sich mal jemand so richtig intensiv mit dem Thema beschäftigt – und zu erstaunlichen Ergebnissen kommt.

Im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Journalismus im Internet: Zwischen Profession, Partizipation und Technik“ (Zusammenfassung in der Ausgabe 4/2009 von “Media Perspektiven” als PDF, 160 KB, via) haben die Studienautoren Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke Macher journalistischer Angebote im Netz befragt. Berücksichtigt haben sie dabei nicht allein die Netzableger traditioneller Medien, sondern auch ein paar Blogger.

Für den Aufwand, den die Autoren getrieben haben, erscheinen die Ergebnisse so: naheliegend. Die Studie gelangt zu dem Schluss,

„dass zwischen dem professionellen Journalismus sowie den partizipativen und technischen Angeboten im Internet vor allem eine vielschichtige komplementäre Beziehung besteht, weniger ein Konkurrenzverhältnis. Weblogs, Nutzerplattformen und (Nachrichten-)Suchmaschinen sind für die journalistische Recherche wichtig geworden. Darüber hinaus findet in partizipativen Angeboten die Anschlusskommunikation des Publikums der Massenmedien statt. Auch durch die wechselseitige Thematisierung und Kommentierung beeinflussen sich journalistisch-professionelle und partizipative Angebote.“

Anders formuliert: Der gemeine Nutzer/Leser diskutiert einfach mit und ergänzt. Das macht er nicht allein in Kommentaren, sondern im eigenen Blog und wer weiß wo noch überall.

Dieses Partizipationsdings spielt sich nicht nur im Bereich von Medien und Journalismus ab, stellen die Autoren fest:

„Ähnliche Auswirkungen der Partizipation am neuen Netzwerkmedium lassen sich auch in anderen Bereichen der Öffentlichkeit beobachten: Die kollaborative Produktion, Vervielfältigung und Verbreitung von Informationsgütern aller Art (Bildung, Beratung, Unterhaltung, Kunst, Software) durch unbezahlte Laien ist im und durch das Internet zu einem verbreiteten Phänomen geworden.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es für diese Erkenntnisse eine Studie gebraucht hätte. Ein bisschen Surfen hätte auch gereicht. Möglicherweise. Aber vielleicht trägt eine von der DFG finanzierte Untersuchung dazu bei, die Debatte zu versachlichen. Denn eine Studie ist eine Studie und eben kein Geschwätz von Internetverstehern.

Und noch ein Ergebnis liegt auf der Hand – und sollte doch Anlass zum Nachdenken geben:

„Die eigentliche Bedrohung des Internets für den professionellen Journalismus besteht nicht auf dem Publikums-, sondern auf dem Werbemarkt: Neue Werbeträger im Internet stellen die Querfinanzierung des Journalismus durch Werbeerlöse infrage.“

Wie wäre es denn, wenn wir (Journalisten) einfach mal anfangen, an einem Strang zu ziehen. Denn, finden sich keine Geschäftsmodelle jenseits des unsteten Werbemarkts, die Journalismus nachhaltig finanzieren, könnten wir alle noch zu Bloggern werden.

Web 2.0 und Social Media sind out

Diese Überschrift ist natürlich Quatsch. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall. Dabei geht es nicht so sehr darum, dass die Nutzerzahlen von Sozialen Netzwerken nach wie vor ziemlich rasant wachsen. Eine Studie des Hans-Bredow-Instituts kommt in der Studie „Heranwachsen mit dem Social Web“ (PDF) zu dem Ergebnis, dass:

„Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwar die Begriffe „Web 2.0“ oder „Social Web“ nicht geläufig sind, die Onlineangebote selbst – und insbesondere die Social Networking Sites – jedoch einen hohen Stellenwert in ihrem Medienrepertoire und ihrem Alltag haben.“

Das heißt nichts anderes: Soziale Netzwerke sind für Jugendliche inzwischen selbstverständlich geworden, sie sind einfach da – und deshalb braucht man auch keinen Oberbegriff, um sie zu Beschreiben. Was in meiner Kindheit Tempo (für Papiertaschentuch) und Nutella (für Schokoladenbrotaufstrich) war, ist heute SchülerVZ, StudiVZ und Wer-kennt-wen.

Die Überschrift stimmt also doch. Irgendwie. Denn die Begriffe sind tatsächlich out – bei den Jugendlichen.