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Autorisierung in der Qualitätspresse

Da draußen regen sich gerade ein paar Leute über die „Süddeutsche Zeitung“ auf, die ihre Medienseite heute mit folgendem Satz verziert:

„Bei Interviews in Printmedien haben die Politiker weitreichende Möglichkeiten zur Korrektur, weil ihnen der gedruckte Wortlaut zur Autorisierung vorgelegt werden muss.“

In diesem Zusammenhang wollte ich nur mal kurz anmerken, dass es dazu ein Positionspapier gibt: vom Bundesverband deutscher Pressesprecher (PDF). Darin heißt es zum Beispiel:

„Die in Deutschland bei Interviews geltende Grundregel der Autorisierung des Interviews durch den Interviewten hat sich bewährt und bedarf keiner Änderung.“

Und:

„Das Interview lebt von der persönlichen Note des Interviewten – nicht des Interviewers. (…) Diese gewünschte Personalisierung und Akzentuierung setzt allerdings voraus, dass der Interviewte tatsächlich das letzte Wort über seine eigenen Aussagen hat.“

Und:

„Autorisierung verhindert Verzerrungen und unzulässige Verkürzungen.“

Diese Sicht der Dinge kann sich Journalist zu eigen machen, muss er aber nicht. Vom DJV oder Ver.di ist mir ein entsprechendes Papier nicht bekannt. Der DJV hat sich 2003 für das Gegenteil ausgesprochen.

Und weil es dazugehört: Ja, auch ich habe Interviews schon zur Autorisierung an Gesprächspartner gesandt. Ich biete das allerdings nie von mir aus an. Denn das Misstrauen zu formulieren, das aus der Bitte um eine Autorisierung spricht, ist nicht meine Aufgabe.

Hacker machen das Internet untauglich

In der vergangenen Woche gab es ein wenig Wirbel um zwei Hacker-Angriffe auf Websites. Im ersten Fall hatte jemand auf der Homepage von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble einen Link zum Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hinterlassen. Im zweiten Fall verkündete die Website des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, Kevin Kuranyi sei entlassen. In beiden Fällen öffnete eine bekannte Sicherheitslücke im Content-Management-System Typo3 den Hackern die Tür. So weit, so normal. Die Nachlässigkeit von Website-Administratoren ist: menschlich.

Weil die Nachricht von Kuranyis angeblicher Entlassung von der Website in die Welt gelangte und sich als Ente herausstellte, zieht die Süddeutsche Zeitung aus beiden Ereignissen einen generellen Schluss:

„Das Internet taugt als letztinstanzliche Quelle nichts. So wie die freie Enzyklopädie Wikipedia den „Großen Brockhaus“ als verlässliches Nachschlagewerk nicht ersetzt und aus Prinzip nicht ersetzen will, so wenig kann man sich auf offiziellen Portalen journalistisch ganz sicher fühlen.“

Dem ist nichts kaum etwas hinzuzufügen, schließlich machte eben erst ein harmloser Fall von Manipulation der des Nachschlagewerk Wikipedia die Runde, weil ein Scherzbold dem neuen Bundeswirtschaftsminister Guttenberg einen elften Vornamen gab – und die lieben Kollegen den ungeprüft in ihre Medien hoben.

Und doch würde ich gern zwei oder drei Dinge ergänzen: Zum Beispiel, dass auch Papier nicht als letztinstanzliche Quelle taugt, wenn darauf ein gefälschtes Fax gedruckt ist (wir erinnern uns an CDU-Spendenaffäre). Und dass eine Telefongespräch oder ein persönliches Treffen nicht als letztinstanzliche Quelle taugt, wenn etwa der Pressesprecher nur die halbe Wahrheit oder nicht einmal die erzählt.

Deshalb schreibt die SZ ja auch:

„Für eine Recherche gilt grundsätzlich das Prinzip, und das hat sich durch den Nachrichtenbeschleuniger Internet nicht verändert, dass eine Meldung von zwei unterschiedlichen Quellen bestätigt sein muss, ehe sie veröffentlicht wird.“

Auch das: stimmt. Nur warum nennt der Text, in dem das alles steht, nur eine einzige Quelle? Josef von Helden, Internet-Sicherheitsexperte der Fachhochschule Hannover, rät gegen Ende des Stücks, Journalisten sollten jede Information, egal von welcher Internetseite, immer querzuchecken. Dem ist nun wirklich nichts mehr hinzuzufügen.

PS: Ich liebe die SZ. Meistens.