Schlagwort-Archive: Thomas Mrazek

Kaiser Konken oder die Selbstherrlichkeit im DJV-Bundesverband

Der DJV ist ein seltsames Gebilde. Da äußert sich sein Vorstandschef Michael Konken zum Internet – und reist nach dem Diktat der Pressemitteilung in den Urlaub (oder er war schon im Urlaub und hat äußern lassen oder wurde geäußert, die Darstellungen gehen wild durcheinander). Auf meinen offenen Brief, der in erster Linie ein Hilferuf war und die einzige Möglichkeit für mich, nicht sofort aus dem Verband auszutreten, antwortet seine Stellvertreterin Ulrike Kaiser – und da der DJV kein Medium, also so etwas wie ein Blog zum Beispiel, besitzt, in dem er als Verband reagieren könnte, übernehme ich hilfsweise die Veröffentlichung. Derweil läuft in Blogs und über Twitter eine Diskussion, die die Herrschaften im Bundesvorstand vermutlich nicht einmal mitbekommen.

So weit, so schlecht. Inzwischen wird klar, dass die öffentliche Diskussion über den DJV nur ein Tel der Debatte ist. Auch intern wird sie geführt. Leider nur haben die Leute, die die offizielle Position des Verbandes betrifft, also zum Beispiel im Verband aktive Onliner, nicht das Gefühl, dass sie von ihren gewählten Vertretern gehört werden (wie bereits gezeigt). Und die Verzweiflung ist größer als ich dachte. Anders ist es nicht zu erklären, dass Albrecht Ude seinen Kollegen im Fachausschuss Online gestattet, seine Analyse der Situation im Verband über die interne Mailingliste hinaus bekannt zu machen – und dass dies dann auch tatsächlich geschieht. Bei mir zum Beispiel ist sein Schreiben gelandet. Auch das ist nichts anderes, als ein verzweifelter Hilferuf von Kollegen, die Energie haben, die sich engagieren, die kompetent sind, doch die der Bundesvorstand ignoriert – und das nicht erst seit gestern.

In der E-Mail zeichnet Albrecht ein desolates Bild der internen Strukturen und der Arbeitsweise des DJV. Er bemängelt, dass weder der Fachausschuss Online, noch der Vorsitzende Thomas Mrazek konsultiert worden sind, bevor Michael Konken sich (ein weiteres Mal) zum Internet geäußert hat (Thomas hatte das ja auch bereits kritisiert). Das Urteil von Albrecht:

„Ich moechte ganz deutlich sagen, dass ich das fuer SATZUNGSWIDRIG halte.“

In der Satzung steht nämlich:

„Die Fachausschüsse haben die Aufgabe, die Organe des DJV in fachlichen Fragen zu beraten und deren Beschlussfassung vorzubereiten.“ (Quelle)

Weiterhin kommt Albrecht zu dem Schluss, dass die Belange gerade freier Journalisten mit der Pressemitteilung mit Füßen getreten werden. Schließlich verbrüdert sich die Gewerkschaft DJV mit den Arbeitgebern, vergisst aber das Thema Urheberrecht zu erwähnen. Albrechts Erkenntnis: Es wird in Zukunft viel schwerer für den Verband, gegen Verträge vorzugehen, die freien Kollegen die gesamten Nutzungsrechte ihrer Werke für ein Honorar abnehmen.

Außerdem kritisiert Albrecht die Entstehung und Veröffentlichung der Pressemeldung. Dass der Fachausschuss nicht gehört wurde, ist wohl nur Teil des Problems.

„Zum einen ist das fachlich kompetente Gremium nicht konsultiert worden, wie es die Satzung vorschreibt. Zweitens ist fraglich, auf wessen Initiative diese PM entstand und wer vor Veroeffentlichung dazu gefragt wurde bzw. davon wusste. Salopp gefragt: Auf wessen Mist ist das gewachsen? Ich habe diese Frage gestellt. Beantwortet wurde sie bislang nicht, auch das ist bezeichnend.“

Und so geht es munter weiter:

„Jetzt haben wir a) eine externe Diskussion ueber den DJV in verschiedenen Weblogs stattfindet, an der sich der DJV eigentlich nicht beteiligt (Ausnahme: Frau Kaiser und Thomas Mrazeks Replik); b) keine interne Diskussion! Weder findet eine Diskussion um die Willensbildung statt, noch kann ich erkennen, dass die offensichtliche Fehlleistung dieser PM analysiert wird.“

Albrechts Schlussfolgerung:

„Es ist offensichtlich, dass seitens Angehoeriger der Bundesgeschaeftsstelle Positionen vertreten und veroeffentlich werden, die niemals mit den Mitgliedern oder uns als deren gewaehlten Vertretern abgestimmt wurden.“

Und:

„Die PM ist falsch, dumm, und die Interessen von Journalisten werden dadurch nicht vertreten. Im Resultat haben wir jetzt ein Desaster, denn der DJV (und namentlich Herr Konken) steht als bescheuert da. Mitglieder treten aus.“

Wir fassen zusammen:

Irgend jemand aus dem DJV will sich mit Politik und Verlegern gegen Google verbünden. Laut Pressemitteilung ist dieser jemand DJV-Chef Michael Konken; ob er wirklich Urheber seiner eigenen Zitate ist, wissen nicht einmal Leute, die sich auf Bundesebene im Verband engagieren.

Der DJV kann Pressemitteilungen veröffentlichen, an der damit angezettelten öffentlichen Debatte vermag er nicht teilzunehmen; nur Einzelnen gelingt das mithilfe von (sonst gerne gehassten) Bloggern und Kommentarfunktionen in (sonst gerne gehassten) Blogs.

Ups, mir war nicht klar, dass es so schlimm steht um den DJV.

Ein Schlusswort: Ganz ehrlich, es war nie mein Ziel, dieses Blog (und auch nicht mich selbst) zum Teil einer Verbandsdiskussion zu machen. Deshalb habe ich ein Angebot abgelehnt, die Erwiderung eines Landesverbandes auf Ulrike Kaiser an dieser Stelle zu veröffentlichen. Liebe Kollegen, ein Blog einzurichten ist in etwa so schwer, wie sich bei einem beliebigen Anbieter eine neue E-Mail-Adresse zu holen. Es gibt Unternehmen, die stellen die gesamte Infrastruktur zur Verfügung, so dass man wirklich nur noch schreiben muss, um ins Internet schreiben mit diskutieren zu können.

Dieses Wissen ist jedoch im DJV noch nicht angekommen. Wie sonst ist es zu erklären, dass der brandenburgische DJV-Vorstand Klaus Minhardt zwar Position bezieht, das aber in einem Kommentar auf Netzpolitik.org tut? Da darauf natürlich keiner kaum jemand kommen kann, weist er per Tweet auf den Text hin – und verlinkt direkt auf den Kommentar (dass die Tweets des DJV-Brandenburg nur drei Dutzend Menschen oder Maschinen verfolgen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt). Nun ja, immerhin ist der DJV-Bandenburg der einzige Landesverband, der twittert (Hamburg hat das im vergangenen Jahr mal versucht, aber bald wieder aufgegeben).

Nachtrag: Erst jetzt gesehen, dass die Redaktion der Freien Infos, eine Art DJV-Blog für freie Journalisten, die Diskussion über den Verband auf der eigenen Site vor zehn Tagen abgewürgt und die Kollegen stattdessen hierher verweisen hat:

„So, alle Argumente sind ausgetauscht, es wird ermüdend. Dann werden wir wohl den Freien empfehlen dürfen, Google-Aktien zu kaufen. Auch gut. Vorschlag: Bei Björn Sievers kann man ja weiterdiskutieren. Das wäre hier: http://bjoern-sievers.de/2009/07/23/djv-antwortet-auf-offenen-brief/ Danke für die schöne Diskussion, die insgesamt interessant war.“

So kann man das natürlich auch nicht machen. (Danke für den Hinweis, Giesbert.)