Archiv der Kategorie: Die Ökonomie

Fernsehen? Done!

Gerade bei carta aufgelesen:

Das Fernsehen bewegt sich sukzessive in die Nähe des Radios als anerkanntes Nebenbei-Medium. Werbespots werden bereits heute so produziert, dass ein „Schauen“ nicht mehr nötig ist. Den Zusehern wird in den Raum „hinterhergerufen“.

Und mich gefragt: Ist es nicht noch viel verheerender? Wenn wir der Einzelmeinung von Matthew Robson glauben, der als unterbezahlter Analyst Praktikant seinem (temporären) Arbeitgeber Morgan Stanley zu einem Erweckungserlebnis verholfen hat, dann wächst eine Generation heran, die nur noch für die Fußball-WM (und die eine oder andere Serie) das einschaltet, was wir jahrzehntelang als Fernsehen bezeichnet haben.

Most teenagers watch television, but usually there are points in the year where they watch more than average. This is due to programs coming on in seasons, so they will watch a particular show at a certain time for a number of weeks (as long as it lasts) but then they may watch no television for weeks after the program has ended.

Die Werbung kann so viel rufen wie sie will, wenn der Fernseher wochenlang Staub ansetzt.

Was wirklich toll ist daran: Ich finde mich wieder bei dem jungen Herrn Robson – und fühle mich ebenfalls jung.

Microsofts Angst vor Chrome OS

Microsoft, der Betriebssytem-Monopolist, hat offenbar Angst vor einem Neuling. Anders ist es kaum zu erklären, dass der Konzern den von Google angekündigten Windows-Konkurrenten Chrome OS als lächerlich abtut. Wenn aber nun Microsoft Googles Bestrebungen tatsächlich ernst nimmt, dann ist das gut. Denn dann bringt Google den Markt für PC-Betriebssysteme, der bisher zu etwa 90 Prozent plus x aus Microsoft, ein bisschen Mac OS und noch weniger Linux besteht, tatsächlich in Schwung. Also in einen Schwung, den er zuletzt vermutlich nach dem Flop von OS/2 mitte der 1990er Jahre verloren hat (der Linux-Hype ein paar Jahre später spielte sich ja vor allem auf den Covern von Computerzeitschriften und meinem Compaq-Notebook ab).

Erstaunlich an der Kommunikation von Microsoft ist aber nicht, dass der Konzern Chrome OS klein redet, obwohl das ein Jahr vor dem geplanten Marktstart ja noch gar nicht geht. Wirklich umgeworfen haben mich die Argumente, mit denen die Herrschaften aus Redmond, genauer Windows-Manager Bill Veghte, das neue Windows 7 anpreist:

„Die Nachfrage nach Windows 7 unter den Microsoft-Kunden überfordere derzeit fast die Kapazitäten von Microsoft.“

Welche Kapazitäten denn, bitte? Die Programmierer, die eben noch das erste Service Pack fürs Weihnachtsgeschäft zusammenschrauben (wobei Ausgabe 7 zum ersten Mal in der Windows-Geschichte ja keine Beta-Version sein soll), haben ja nicht mehr zu tun, nur weil viele Menschen auf den Nachfolger des Flops Windows Vista warten. Oder sind die Server, von denen eine Testversion schon jetzt geladen werden kann, dauerhaft überlastet und es gelingt dem größten Software-Hersteller der Welt nicht, ein paar Rechner zusätzlich aufzustellen? Oder hat Microsoft zu wenige Exemplare bei den DVD-Produzenten bestellt, weil ein Betriebssystem auch 2009 ja auf einem physischen Datenträger ausgeliefert werden muss? Sieht ja sonst nicht „wertig“ aus, und was aus dem Netz kommt kost‘ ja nix und is auch nix, wie wir wissen.

Weiter kommuniziert Microsoft:

„Mehr als 80 Prozent der IT-Entscheider in Unternehmen planen nach Angaben von Veghte innerhalb von 36 Monaten auf die neue Plattform umzusteigen.“

Und? Ist das erstaunlich? Die meisten dieser armen IT-Manager machen seit acht Jahren mit Windows XP rum, weil sie es mit Vista nicht ausgehalten haben. Da gibt es vermutlich einen Rieseninvestitionsstau, der eigentlich ein Innovationsstau ist.

Windows, Mac OS, Linux. Mir ist es fast schon egal. Läuft doch eh (fast) alles im Browser. Und da kommt der Schnellste auf dem Mac von Apple, unter Windows ist es Chrome (auch wenn Apple hier aufgeholt hat, doch Safari unter Win fühlt sich seltsam an). Also warum nicht auch Chrome OS? Mir ist nur eines wichtig: Konkurrenz. Und die kommt.

Digital = kostenlos

Die Botschaft von Chris Anderson ist eindeutig: Alles, was digital wird, wird auch kostenlos sein. Und wer sein digitales Produkt nicht kostenlos anbietet, der bekommt Konkurrenz von jemandem, der genau das tun wird. (In Minute zehn formuliert er eine leichte Einschränkung: Alles Digitale wird es zumindest in einer kostenlosen Version geben.)

Mehr zum „race to the bottom“:

Ich freue mich auf das Buch (das es digital für lau geben wird, weil die Grenzkosten dann ja null sind). Auch wenn Anderson dieser hässliche Wikipedia-Fehler unterlaufen ist.

Studie: Journalismus und Blogs ergänzen sich

Angesichts einer zuweilen etwas hitzig geführten Debatte über Journalismus, Medien und das Internet, in der nicht jeder Beitrag durch vollendete Sachkenntnis glänzt, tut es gut, wenn sich mal jemand so richtig intensiv mit dem Thema beschäftigt – und zu erstaunlichen Ergebnissen kommt.

Im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Journalismus im Internet: Zwischen Profession, Partizipation und Technik“ (Zusammenfassung in der Ausgabe 4/2009 von “Media Perspektiven” als PDF, 160 KB, via) haben die Studienautoren Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke Macher journalistischer Angebote im Netz befragt. Berücksichtigt haben sie dabei nicht allein die Netzableger traditioneller Medien, sondern auch ein paar Blogger.

Für den Aufwand, den die Autoren getrieben haben, erscheinen die Ergebnisse so: naheliegend. Die Studie gelangt zu dem Schluss,

„dass zwischen dem professionellen Journalismus sowie den partizipativen und technischen Angeboten im Internet vor allem eine vielschichtige komplementäre Beziehung besteht, weniger ein Konkurrenzverhältnis. Weblogs, Nutzerplattformen und (Nachrichten-)Suchmaschinen sind für die journalistische Recherche wichtig geworden. Darüber hinaus findet in partizipativen Angeboten die Anschlusskommunikation des Publikums der Massenmedien statt. Auch durch die wechselseitige Thematisierung und Kommentierung beeinflussen sich journalistisch-professionelle und partizipative Angebote.“

Anders formuliert: Der gemeine Nutzer/Leser diskutiert einfach mit und ergänzt. Das macht er nicht allein in Kommentaren, sondern im eigenen Blog und wer weiß wo noch überall.

Dieses Partizipationsdings spielt sich nicht nur im Bereich von Medien und Journalismus ab, stellen die Autoren fest:

„Ähnliche Auswirkungen der Partizipation am neuen Netzwerkmedium lassen sich auch in anderen Bereichen der Öffentlichkeit beobachten: Die kollaborative Produktion, Vervielfältigung und Verbreitung von Informationsgütern aller Art (Bildung, Beratung, Unterhaltung, Kunst, Software) durch unbezahlte Laien ist im und durch das Internet zu einem verbreiteten Phänomen geworden.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es für diese Erkenntnisse eine Studie gebraucht hätte. Ein bisschen Surfen hätte auch gereicht. Möglicherweise. Aber vielleicht trägt eine von der DFG finanzierte Untersuchung dazu bei, die Debatte zu versachlichen. Denn eine Studie ist eine Studie und eben kein Geschwätz von Internetverstehern.

Und noch ein Ergebnis liegt auf der Hand – und sollte doch Anlass zum Nachdenken geben:

„Die eigentliche Bedrohung des Internets für den professionellen Journalismus besteht nicht auf dem Publikums-, sondern auf dem Werbemarkt: Neue Werbeträger im Internet stellen die Querfinanzierung des Journalismus durch Werbeerlöse infrage.“

Wie wäre es denn, wenn wir (Journalisten) einfach mal anfangen, an einem Strang zu ziehen. Denn, finden sich keine Geschäftsmodelle jenseits des unsteten Werbemarkts, die Journalismus nachhaltig finanzieren, könnten wir alle noch zu Bloggern werden.

Nokias Angst vor der Kostenloskultur

Der Mobilfunk ist nicht das Internet. Während im Internet einem populären Glauben zufolge alles kostenlos zu haben ist (weshalb ich mich jedes Mal wundere, wenn Amazon Geld von mir haben möchte), hat der geneigte Mobilfunkkunde gelernt, einmal im Monat sein Saldo glatt zu stellen (oder hin und wieder seine Prepaid-Karte mit Guthaben zu bedenken). Telefonieren mit dem Handy kostet nunmal Geld. SMS versenden auch. Und im Internet surfen erst recht. (Der Einfachheit halber erwähne ich lieber nicht, dass das Surfen mit dem Computer auch Geld kostet; das würde nur die Argumentation stören.)

Mit ihren klassischen Erlösströmen haben die Mobilfunkanbieter seit einiger Zeit ihre liebe Not. Zwar telefonieren die Menschen immer mehr. Doch die Minute Plauderei ohne Kabel ist immer billiger zu haben. Low cost und Flatrate soweit das Auge reicht. Und selbst die einstmals mehr als Apotheken teure Datenübertragung kann sich inzwischen fast jeder leisten. Da ist es verständlich, dass die Unternehmen von neuen Erlöswelten träumen. Tu ich auch. Manchmal.

Einer dieser Träume handelt von: Inhalten. Also Dingen, die das Internet heute schon bietet – Musik, Kartendienste, Medien – nur eben auf dem Handydisplay. Dafür sollen die Nutzer doch bitte in die Tasche greifen, sagt zum Beispiel Nokia-Vorstand Tero Ojanperä der „Financial Times Deutschland“:

„Die Herausforderung für uns ist nicht Apple, sondern ein Handykunde, der kein Geld für mobile Inhalte ausgibt.“

Aha, ich dachte immer, Nokia verkauft Handys und Schluss. Und mit den Mobilfunkpreisen haben die doch auch nichts zu tun, oder?

Nein, Nokia verkauft nicht mehr nur Handys, die Finnen basteln seit einiger Zeit an Ovi, einer „Tür“ zu allerlei mobilen Inhalten. Und für die soll der Nokia-Kunde bitte zahlen. Der Konzern reagiert damit auf sinkende Preise. Zwar rechnet er keine Mobilfunkminuten ab, für die er immer weniger verlangen kann. Doch der harte Wettbewerb zwischen den Handyherstellern führt dazu, dass Handys immer billiger werden. Pro verkauftem Handy fließt weniger Geld (kennen wir aus dem Internet, Verzeihung von den Computern).

Auch wenn es Ojanperä gern anders hätte: Mit dem Modell hechelt Nokia natürlich Apple hinterher. Denn das Unternehmen formerly known as kleiner Computerhersteller ist ja nicht nur mit iTunes schon heftig im Musikgeschäft unterwegs, sondern mit dem iPhone seit einiger Zeit auch im Verkauf von Software fürs Handy. Doch kann diese Rechnung aufgehen für Nokia? Ich weiß es nicht, aber ich wage mal eine Prognose: nein, kann sie nicht.

Bei Apple funktioniert die Nummer mit dem (relativ) geschlossenen Ökosystem. Wer sich einen iPod kauf, kann nur per iTunes Musik draufspielen. Besitzer eines iPhones kaufen Software bei Apple. Der Konzern aus Kalifornien schafft es, seine Produkte mit soviel Kult, Lifestyle oder Must-have-Faktor aufzuladen, dass die Kunden die Kröte proprietäres System schlucken. (Gleichzeitig ist das System Apple gerade eben noch so offen, dass es erträglich ist, denn ich kann ja auch die Musik von gekauften CDs auf den iPod spielen.)

Auch Nokia mag eine anhängliche Kundenschar haben. Doch Nokia bedient den Massenmarkt. Viele der Kunden geraten vermutlich nur zufällig an ein Nokia-Handy, etwa weil es gerade billig zu haben ist. Würden diese Kunden sich das Handy, zu dem sie keine besondere Beziehung haben, mit Inhalten vollpumpen, die Geld kosten? Nein, vermute ich, würden sie nicht.

Der Mobilfunk ist nicht das Internet. Das bedeutet vor allem, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Im Netz ist es ziemlich egal, ob ich mit einem PC, Mac oder einem Linux-Rechner (ich hatte sie alle) unterwegs bin. Ich muss mich immer nur daran gewöhnen, dass Programme unterschiedliche Namen tragen. Die Funktionen sind immer mehr oder weniger gleich (nur der Komfort nicht). Verschlossene Türen gibt es (so gut wie) nicht.

Und jetzt stelle ich mir gerade vor, ich habe mein Nokia-Handy mit Software, Musik und was weiß ich noch vollgeladen, es geht kaputt (alle Handys gehen irgendwann kaputt). Entweder ich kaufe mir wieder ein Nokia oder alles ist futsch!? Ich bin mir nicht sicher, ob Nokia seine Marktmacht da nicht ein klein wenig überschätzt.

Was der Mobilfunk eigentlich braucht, sind einheitliche Standards. Nokia hat es dereinst (zusammen mit anderen) mit dem Symbian-Betriebssystem versucht. Microsoft würde seit vielen, vielen Jahren gerne Windows auf jedem Handy sehen. Und jetzt hat Google den Markt für sich entdeckt und könnte sich mit Android ganz schön breit machen. Warum haben die Handyhersteller (und Microsoft) diesen Platz im Markt gelassen? Weil sie ihn mit ihren Süppchen erst geschaffen haben. Könnte also sein, dass auch auf Handys nur zwei Betriebssysteme (Verzeihung, Linus) übrig bleiben: Android und Mac OS.

Eigentlich Zeit, den Herd auszuschalten, die Suppe Suppe sein zu lassen und endlich an die Kunden zu denken, oder? Aber der Mobilfunk ist ja nicht das Internet … und selbst da werden bekanntlich Suppen und Süppchen gekocht.